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Reisebericht Südostasien 1985
Java/Yogyakarta

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Donnerstag 04.04.1985

Java Karte mit Yogyakarta Erstaunlicherweise kam das Frühstück (sehr köstlich) pünktlich, ebenso das Taxi und wir waren um 4:30 auf dem Bahnhof. Eine Menge verschlafener Leute, auch viele Europäer (Langnasen), standen herum. Wolfgang gelang es Fahr- und Platzkarten zu bekommen für die 2. Klasse. Der 2. Klasse-Wagen war der erste hinter der Lok.
Auf dem Viererplatz neben uns saßen vier "echt-alternative" Rucksackreisende, die nur ihre Art zu reisen akzeptieren, uns betrachteten sie etwas verächtlich. Die 3 Mädels waren jung hässlich und zickig, der Typ ein ausgesprochener Stoffel. Im Zug wurde viel herumgelaufen und wenn man wollte, konnte man auch auf den Trittbrettern sitzen oder zur Lok herüberklettern. Man merkte sehr deutlich, dass Java sehr dicht besiedelt ist. Wir sahen unterwegs viele Menschen, ein Reisfeld neben dem anderen, glatt oder in Terrassen angelegt, Kokospalmen und Zuckerrohrfelder, dazwischen Bambus und Bananen. Es wirkte alles sehr grün und fruchtbar. Die Temperatur im Zug stieg merklich an und ausgerechnet unser Ventilator drehte sich nicht und pustete bloß die blöden Alternativen an.

Lok auf Java Lok auf Java

Der Zug fuhr über Cibatu, Tasikmalaya, Ciamis, Banjar, Sidaraya, Kroja, Kebumen nach Yogyakarta und von dort weiter nach Surabaya. Wir allerdings verließen den Zug um 14:30 in Yogyakarta. Es regnete, war aber trotzdem sehr warm. Da drei Reiseführer das Hotel Batik Palace anpriesen, machten wir uns dorthin auf. Es war das alte Hotel und alles besetzt, aber inzwischen gibt es ein neues Batik Palace, auch nicht sehr weit vom Bahnhof in der Jalan Marlioboro, sehr hübsch mit einem zauberhaften Garten und Swimming Pool.

Blick aus dem Zug: Reisfelder Blick aus dem Zug

Wir machten noch einen Spaziergang die Jalan Marlioboro entlang. Yogyakarta machte auf mich an diesem Abend und auch an der folgenden Tagen einen sehr sauberen Eindruck. Außerdem war auch viel los, jedoch auch eine Menge Touristen.
Die ganze Jalan Marlioboro entlang ein Verkaufsstand am anderen mit Souvenirs, T-Shirts, allen möglichen Klamotten, Schuhen und unheimlich viel Obst. Das Handeln fällt uns als Nordeuropäer doch etwas schwer, aber wenn man nicht handelt, macht es den Indonesiern keinen Spaß und man zahlt völlig überhöhte Preise (zahlt man sowieso). Auf jeden Fall erhandelte Wolfgang für mich einen Lampenschirm von ursprünglich 7500 Rupien auf 4000.

Jalan Marlioboro Hotel Batik Palace

Im Hotel aßen wir dann ein wohlschmeckendes Abendbrot, ich gebratenen Reis (Nasi Goreng), Wolfgang gebratene Nudeln (Mie Goreng). Yogyakarta (auch Jogjakarta geschrieben), kurz Yogya wurde 1755 gegründet. Der Kraton der Stadt ist der ranghöchste in Indonesien, der regierende Sultan ein bedeutender Politiker in Jakarta. Yogyakarta war eng verbunden mit dem Freiheitskampf, hier begann Diponegoros Aufstand gegen die Holländer (1825-1830), und hier befand sich von 1946 bis 1950 der provisorische Regierungssitz der Republik. Yogyakarta bildet auf seinen ca. 3500 qkm ein Spezial Territorium einer Provinz. Mit dieser Sonderstellung werden die Verdienste des regierenden Herrschers Sri Sultan Hemengkubuwono IX beim Unabhängigkeitskampf gewürdigt.

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Freitag 05.04.1985

Bis 12:00 haben wir im Hotel rumgetrödelt und sind dann mit dem Bus (2 * umsteigen) nach Borobodur gefahren. Am Eingang musste man die Taschen abgeben und erhielt eine Plastiktüte für die Wertsachen und Papiere, wohl damit man keine Möglichkeit hat, olles Gemäuer zu klauen.
Der Borobodur (Kloster auf dem Berg) wurde um 850 erbaut, und ist neben dem Lara-Jonggrang Tempel in Prambanam der Höhepunkt der Hindu - javanischen Mischkultur, die den Einfluss der indischen Kunst deutlich zeigt.
Bis etwa zum Jahr 1000 war der Borobodur ein bedeutender Wallfahrtsort, doch nachdem das Zentrum der Macht nach Ostjava verlegt worden war, überwucherte allmählich die tropische Vegetation den vernachlässigten Borobodur. Ab 1907 wurde die Restaurierung von Th. von Erp planmäßig betrieben. 1973 - 1982 führte die UNESCO umfassende Renovierungsarbeiten durch (Kosten 20 Mill. US $), 300.000 Statuen und Reliefs wurden demontiert, konserviert und wieder zusammengesetzt.

Borobodur Gesamtansicht Borobodur Detailansicht

Der Borobodur ist ein Stupa, der einen natürlichen, leider zu wenig festen Hügel ummantelt. Ursprünglich war er 42 m hoch, sackte aber im Laufe der Zeit durch Nachgeben des Untergrundes auf 33,5 m zusammen. Die Reliefs wären aneinandergereiht 2,5 km lang. Der Borobodur sollte sowohl die buddhistische Lehre in Einzelbildern darstellen, als auch als Bauwerk den Kosmos der buddhistischen Religion und Philosophie symbolisieren. Die Meditation, die religiöse Übung am Borobodur besteht im rituellen Umschreiten im Uhrzeigersinn und Aufsteigen von einer Terrasse (Symbole für die Bewusstseinsschichten) zur anderen. Durch drei architektonische Abschnitte werden drei Sphären repräsentiert:

Borobodur Detailansicht Borobodur Detailansicht

1. Kamadhatu - Sphäre der Wünsche und Weltverbundenheit. Die Reliefs wurden erst 1885 entdeckt, da man aus statischen Gründen die ganze untere Terrasse ummauert hatte. Die Reliefs sind heute nur an einer Ecke des Borobodur zu sehen.
2. Rupadhatu - Sphäre der Formen (der Mensch ist schon frei von weltlichem Wollen, aber denkt noch in Formen). Vier Terrassen repräsentieren mit 1300 Reliefs diesen Bereich. Die Themen sind nicht exakt voneinander getrennt, mehr oder weniger gilt jedoch folgende Einteilung: Terrasse 2 schildert das Leben Buddhas, die Terrassen 3 und 4 zeigen Ereignisse aus früheren Leben Buddhas, Terrasse 5 ist die Überleitung zur völligen Vergeistigung und stellt die Buddhas der Zukunft und ihr Wirken dar.
3. Arupadhatu - Sphäre der Formlosigkeit, d.h. der völligen Wunschlosigkeit und Seligkeit. Hier gibt es keine Reliefs mehr, Arupadhatu kann nur durch Inkarnationen Buddhas dargestellt werden. Die durchbrochenen Stupen, in denen die z.T. nicht mehr vollständigen Buddhas sitzen, sind symbolisch zu deuten, der genaue Beobachter sieht diese Buddhas im Innern, der flüchtige nur den Umbau, Realität und Schein existieren nebeneinander.

Pferdekutsche am Borobodur Yogyakarta

Wir durchliefen im Uhrzeigersinn diese verschiedenen Stufen, was allerdings 2 Stunden in Anspruch nahm, die sich gelohnt haben, den erstens traf man beim Gang durch die unteren Terrassen kaum eine Menschenseele und zweitens waren die Reliefs und Buddha - Statuen wunderschön anzusehen.
Auf dem Gipfel herrschte jedoch ein ziemliches Gewimmel und leider konnte man wegen Restaurierungsarbeiten auch nicht ganz herumgehen.
Als wir wieder herunterkamen, strömten endlose Menschenmassen zum Eingang, denn die Mittagshitze war jetzt vorbei. Mit einem Pferdewagen fuhren wir zur Busstation und von dort mit dem normalen Linienbus nach Yogya zurück. Zum Abdendessen gingen wir zu "Helen", ein Restaurant, das im Reiseführer als billig und gut empfohlen wurde, aber teuer und schlecht war.

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Sonnabend 06.04.1985

Nach dem Frühstück Rikscha, die in Indonesien Becak heißt Fahrt zum Kraton, dem Sultanspalast in Yogyakarta. In den Reiseführern wird dieser Kraton als ausgesprochen prächtig beschrieben und ich erwartete sowas ähnliches wie den Tempel in Bangkok, aber man hatte eher den Eindruck auf einem etwas größeren Bauernhof zu sein. Man konnte zwei Höfe durchqueren und landete dann vor einem verschlossenen Tor. Recht hübsch waren allerdings die im ersten Hof aufgestellten Hofstaat - Figuren, die einen Empfang beim Sultan und der königlichen Familie darstellten.

Yogyakarta Yogyakarta

Vom Kraton aus wollten wir uns wieder ein Becak nehmen, das uns zum Bahnhof fahren sollte, aber dieser Mensch fuhr in die falsche Richtung. Na gut, dachten wir, er kennt eine Abkürzung.
Aber trotz meines schlechten Orientierungssinns kam mir doch alles sehr falsch vor. In einer kleinen Nebenstraße blieb unser Becak - Fahrer stehen und erzählte uns was auf Indonesisch, wo auch das Wort Batik vorkam. Wir versuchten ihm klarzumachen, dass wir keine Batik kaufen, sondern zum Bahnhof gefahren werden wollten. Aber er verstand nicht Bahnhof. Nachdem sich noch ein Passant, der ein wenig Englisch sprach, eingemischt hatte, fuhr unser Becakfahrer wieder los und diesmal dann auch in die richtige Richtung, hielt aber bei einer Ansammlung von Becaks wieder an, und wir mussten in ein anderes Becak umsteigen. Warum er uns nicht zum Bahnhof fahren wollte, werden wir wohl nie erfahren.
Prambanam Nachmittags fuhren wir nach Prambanam zum Jara Longgrang Tempel. Als wir ankamen, fing es gerade furchtbar an zu regnen, wir versuchten erst, uns unter einem Baum unterzustellen, entschlossen uns dann aber doch, uns unter der Plane eines Getränkestandes unterzustellen. Kurz danach gesellte sich eine Australierin aus dem Zug zu uns und trank so ein glibberiges Gemisch. Sie ließ uns kosten und es war wider Erwarten gar nicht so süß, aber so richtig begeisternd war es auch nicht. Der Regen ließ dann nach, und wir konnten zur Besichtigung der Tempelanlage schreiten.
Der Lara Jonggrang - Komplex ist neben dem Borobodur die bedeutendste Sakral - Anlage Indonesiens und einer der Höhepunkte hinduistischer Kunst. Die Zahl der Reliefs kann mit der am Borobodur nicht wetteifern, künstlerisch zeigen sie aber eine ebenso große Vollendung, die Verwitterung ist weniger weit fortgeschritten. Die Tempelanlage wurde unter einem der ersten Mataram - Könige Anfang oder Mitte des 9. Jahrhunderts begonnen, aber wegen Verlegung der Hauptstadt nach Ostjava nicht bis ins Detail vollendet. Die Anlage war zugleich das Grabmal eines Mataram - Herrschers (des Erbauers?), dessen Urne man im Schnittpunkt der Zentraldiagonalen fand. Mitte des 16. Jahrhunderts zerstörte ein Erdbeben alle Tempel, 1937 begann der Wiederaufbau, der große Shiva Haupttempel wurde 1953 fertig, weitere Arbeiten dauern an, der Brahma Tempel ist schon ziemlich weit, aber leider vollkommen eingerüstet, der Vishnu Tempel ist noch nicht fertig und die vielen kleinen Tempel sehen noch sehr unfertig aus. Um und in dem ganzen Gelände liegen überall Trümmer und Steine, und man hat ein wenig den Eindruck eines Riesenpuzzles.
Prambanam Der Tempelkomplex besteht aus drei Zonen, die jeweils durch eine Mauer voneinander getrennt waren. Im Zentrum der Anlage befinden sich 8 Tempel. Der Haupttempel ist Shiva geweiht, die beiden daneben Brahma und Vishnu. Dem Shiva Tempel gegenüber liegt ein Nandi Heiligtum. Der Stier Nandi ist das Reittier Shivas, die beiden anderen Tempel waren Inkarnationen Shivas zugeeignet. Die Funktion der beiden kleinen Tempel ist unklar. Diese Zentrum umschloss eine Mauer mit 110m Seitenlänge. Der mittlere Bereich, umfasst von einer Mauer mit 220m Seitenlänge, war mit vier Reihen Gleichartiger 14 m hoher Votivtempel (insgesamt 224!) bebaut. Der dritte Bereich, Seitenlänge der Mauern 390 m, diente als Wohnbereich, da aber diese Gebäude aus Holz bestanden, blieb davon nichts erhalten.
Der 47 m hohe Shiva Tempel ist nach Shivas Frau Parvati benannt: Lara Jonggrang bedeutet Zarte Jungfrau, eine der Manifestationen der Göttin. Ihr Bild steht in der Nordcella (Nische), als 8-armige Durga tötet sie den Büffeldämon, in der Südcella ist Shiva als Maha Guru (großer Lehrer) dargestellt, in der Westcella Ganesha, Shivas elefantenähnlicher Sohn.
Der Haupteingang liegt nach Osten, die Ostcella, als größte und einzige Tempelkammer mit Ornamenten geschmückt, bildet das Allerheiligste. Shiva wird hier als Maha Deva (oberster Gott) dargestellt.
Mit einem Minibus fuhren wir etwas beengt nach Yogya zurück. In Indonesien gilt der Satz: ein Bemo ist nie voll, was heißen soll, selbst wenn es noch so voll aussieht, es gehen immer noch ein paar Fahrgäste hinein einschließlich ihrere Hühner oder Schweine. Allerdings setzte uns der Bus irgendwo in Yogya ab, offensichtlich wollte der Fahrer Feierabend machen und war Zuhause. Da wir absolut nicht wussten, wo wir sind, nahmen wir ein Becak zum Bahnhof, aber dieser Becakfahrer hatte auch nicht so die rechte Lust, er setzte uns mitten auf der Malioboro aus, mit der Erklärung der Bahnhof sei da gleich und es handele sich um eine Einbahnstraße und er dürfe da nicht langfahren, dabei hätte er nur etwas anders, aber weiter fahren müssen. Dann war er auch noch beleidigt, dass wir statt des vereinbarten Preises nur 2/3 zahlten. Wir mussten dann noch 15 Minuten zu Fuß gehen.
Auf dem Bahnhof nahmen wir das schwierige Problem der Fahrpläne in Angriff, kamen aber etwas durcheinander, weil die Auskünfte auch sehr unterschiedlich waren. Abends beschlossen wir dann, noch einen Tag länger als geplant in Yogya zu bleiben, weil wir auch glaubten, wir könnten am Montag um 11:00 einen Zug nach Jember nehmen und Surabaya auslassen.
Abends aßen wir in einem Restaurant gegenüber vom Hotel. Meine gebratenen Nudeln waren sehr köstlich, Wolfgangs Nudelsuppe etwas schweißtreibend scharf.

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Sonntag 07.04.1985

Wieder eine Fahrt mit dem Becak zum Kraton, weil dort Sonntags Tanzveranstaltungen dargeboten werden sollten. Dieser Becakfahrer kannte sich besser aus und fuhr uns zum anderen Eingang des Kraton, und dort war es dann auch entschieden prächtiger als der andere Teil, aber mit Bangkok keinesfalls zu vergleichen. Es sah schon sehr hübsch aus, alles fast nur in Grün, Weiß und Gold. Am Eingang standen zwei grimmige silberne Wächterstatuen; im Palastgelände laufen Palastwächter mit einem Kris im Gürtel herum.

Eingang zum Kraton Pavillon im Kraton

Wir fanden dann auch die Tanzveranstaltung. Das Gamelan Orchester spielte sehr getragen, der Tanz der Frauen sah sehr würdevoll aus. Nachdem wir eine Weile der Tanzveranstaltung zugeschaut hatten, gingen wir weiter und trafen auf einen alten Palastwächter, der fließend Deutsch sprach und uns im Museum die Geschenke europäischer Länder an den Sultan zeigte.

im Kraton im Kraton

Auf dem Markt vor dem Kraton kauften wir braune Früchte, deren Schale Schlangenhaut sehr ähnlich sah. Das Fruchtfleisch ist fest, trocken und weiß. Nicht sehr süß und saftig, mir schmeckte es nicht besonders. Wir machten uns zu Fuß auf den Rückweg die Malioboro entlang, mit einem kleinen Abstecher in eine nichtssagende christliche Kirche. In einer Nebenstraße der Malioboro herrschte ein unheimliches Gewimmel, und wir stürzten uns in dasselbe.
Ein Obst - und Gemüsestand neben dem anderen. Um den größten Durst zu löschen, aßen wir jeder eine Ananas und stürzten uns dann in das Gewühl einer Markthalle. Sehr stickig und warm, aber unheimlich interessant.

Markt in Yogya Träger in Yogya

Der Versuch noch eine weitere Markthalle zu besuchen, wurde sehr schnell wieder abgebrochen, da es sich wohl mehr um einen Schlachthof für Geflügel handelte.
Wir schlenderten zurück und unser zweiter Besuch auf dem Bahnhof ließ uns zu der Erkenntnis kommen, dass der Zug um 14:30 nach Surabaya der für uns einzig akzeptable war, für alle anderen gab es nur 3. Klasse ohne Platzkarten.

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letzte Änderung: 17.04.2016 · Copyright © 2003 - 2017 by Angelika Rosenzweig