Batakhuser am Tobasee angelikasreisen.de

Reisebericht Südostasien 1985 Sumatra

Mittwoch 24.04.1985

Sumatra Karte mit Prabat Unser Bus fuhr uns mal wieder viel zu frh zum Flughafen und wir wussten nicht mehr so recht, was wir auf diesem Flughafen noch tun sollten. Aber auf diese Weise waren wir wenigstens mal auf der Winkeplattform, auf die man als Transitreisender nicht kommt. Der Flug nach Medan kam mir wie ein Hpfer vor.
Wir fuhren etwa 10 Minuten mit einem wahnsinnig teuren Taxi (eben Indonesien) zum Busbahnhof und stiegen in den Bus nach Prabat. Die Taschen wurden auf dem Dach verstaut, wir bekamen gerade noch ein Sitzpltzchen auf der letzten Bank. Die Leute um uns herum waren furchtbar neugierig, aber die Unterhaltung war doch wegen mangelnder Sprachkenntnisse auf beiden Seiten recht schleppend. Der Bus fuhr unheimlich lange durch Medan, es scheint eine recht weitlufige Stadt zu sein, auch die Sache mit dem Expressbus schien sich nicht zu bewahrheiten, denn dauernd wurde versucht noch ein paar Fahrgste zu gewinnen.
Bus nach Prabat Im Bus war es sehr eng und sehr warm, ich hatte ab und zu das Gefhl, dass meine Hfte an der Wand des Busses zerschmettert wird, aber die Fahrt war einfach toll. Die Stimmung war unbeschreiblich, zuerst gab es Fernsehen, spter dann ganz tolle Musik.
Wir gingen erst zu so einer Art Touristbro und der Mensch dort war auch wieder sehr freundlich und hilfsbereit und empfahl uns das Hotel Siantar. Das Hotel war dann wirklich hbsch, direkt am Wasser gelegen, allerdings nicht so ganz billig.
Im Norden Sumatras leben die Bataks, ihre Vorfahren kamen im Zuge der Protomalaiischen Einwanderungswelle (3. Jahrtausend v. Chr.) vom Festland. Zusammen mit den Dajaks in Borneo und den Torajas in Sulawesi haben sie am reinsten die Zge der altindonesischen Vlker bewahrt. Die bedeutendsten Batakstmme sind die Toba und die Karo. Der Kannibalismus wurde bei den Bataks erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die ab 1850 wirkende protestantische Mission unterbunden. 80% der Toba-Bataks bekennen sich inzwischen zum Christentum. Die traditionellen religisen Vorstellungen sind jedoch bis heute lebendig geblieben. Fr alle Bataks gilt der Toba-See als mystisches Ursprungsland ihres Volkes, als Zentrum der Welt. Er ist ein bis zu 450 m tiefer Vulkansee, 900 m hoch gelegen und mit 1265 qkm der grte See in Sdostasien.
Nach dem guten, aber auch recht teuren Abendessen machten wir noch einen Rundgang durch Prabat, es war noch viel los auf den Straen und die Menschen sehr freundlich. Wir kamen dann zu einer Kneipe, in der junge und alte Mnner saen, Tuak tranken und sangen. Einer hatte eine Gitarre, einer trommelte mit zwei Lffeln und alle sangen wunderschne Lieder. Sie hatten tolle Stimmen und es war eine gute Stimmung in der Kneipe. Wir wurden recht freundlich aufgenommen, obwohl einer der Mnner erst etwas aggressiv reagierte. Wir probierten auch den Tuak, ich fand das Zeug entsetzlich, der Geschmack lsst sich gar nicht richtig beschreiben. Eine Mischung zwischen Buttermilch und Reisschnaps, aber nicht so milchig. Wolfgang trank sogar heldenhaft ein zweites Glas. Etwas spter gingen dann die Snger nach Hause und deshalb gingen wir auch.

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Donnerstag 25.04.1985

Mit der normalen Fhre, ein kleines schmales Boot mit Auenbordmotor, fuhren wir zur Insel Samosir. Die Insel ist 766 qkm gro. Das Boot brachte uns nach Ambarita. Dort sahen wir uns alte Batak-Huser an und alte Steinsitze und Tische, aber ich bin nicht so ganz sicher, ab das die im Reisefhrer beschriebenen waren. Wir machten uns dann zu Fu auf nach Tuk-Tuk, das angeblich 3 km von Ambarita entfernt ist. Wir mussten alle Seebuchten entlang laufen und brauchten anderthalb Stunden, also ist es bestimmt doppelt so weit gewesen. Es war mal wieder die Sache mit der Mittagshitze, aber die Landschaft war wunderschn, grne Wiesen, Palmen und kleine Huser am See. In Tuk-Tuk machten wir eine kleine Pause und dann ging's noch mal eine Stunde nach Tomok (auch 3 km).

auf der Fhre nach Samosir

Dort stehen ungefhr 350 Jahre alte Steintrge mit mchtigen Steindeckeln, von denen das schnste Stck der Sarkophag des Knigs Siderhutar mit seinem groen Singa - Kopf, eine mnnlichen Gestalt an der Frontseite , und einer weiblichen Gestalt auf dem hinteren Teil des Deckels, ist.
Der Knig wollte diese Frau heiraten, aber sie wollte nur, wenn er nicht Knig sei. Da er nicht auf seine Knigswrde verzichten wollte, weigerte sie sich zu heiraten, und so musste der Knig sie tten. Das gelang ihm nicht so richtig, die Frau wurde nur verrckt und wurde dann spter mit ihm beigesetzt.

Batak Huser am Toba See Batak Huser auf Samosir

Der Weg zu den Sarkophagen fhrte durch eine Strae, in der eine Andenkenbude an der anderen stand, aber nirgendwo die Mglichkeit, ein khles Getrnk zu trinken.
Wir besichtigten noch ein Batakhaus, das als Museum eingerichtet war und machten uns dann sehr durstig auf den Weg zu Fhre. Die Fhre fuhr allerdings nicht nach Prabat, sondern in den Nachbarort und wir mussten noch ein Bemo nehmen. Wir vermuteten am See entlang eine belebte Strae mit Kneipen und Geschften, aber es handelte sich um eine reine Wohn- und Hotelstrae und wir mussten zur Hauptstrae zurck, um etwas zu trinken zu bekommen. Wir fanden dann auch ein nettes Lokal mit khlem Bier und gutem Essen, in einem riesigen Saal, der offensichtlich noch aus der Kolonialzeit stammte. Wir buchten im Touristenbro fr den nchsten Tag eine Fahrt mit einem Mietbemo, das uns nach Berastagi bringen sollte. Wir bedauerten es sehr, keine Zeit mehr zu haben. Mir tat es sehr leid, den schnen Tobasee am nchsten Tag schon verlassen zu mssen, wenn es mglich gewesen wre, htte ich Singapur gestrichen und wre lieber noch auf Sumatra geblieben.

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Freitag 26.04.1985

Sumatra Karte mit Brastagi letzter Blick auf den Toba See

Unser Bemo war pnktlich und fuhr mit uns am See entlang mit wunderschnen Ausblicken, durch eine sehr dschungelartig aussehende Gegend. So unbedingt mchte ich da nicht zu Fu gehen, da gibt es bestimmt reichlich Getier.
Unser erster Halt war in Simarjarunjung, von dort aus hatte man einen wunderschnen Blick auf den See. Von dort ging es weiter nach Pematang Purba, dem Knigsdorf des Herrschergeschlechts von Simarjarunjung, mit einem reich verzierten Langhaus, dem Palast des Rajas.

Pematang Purba Pematang Purba

Zu dem prchtigen Knigshaus gehrt eine wunderbare Reisscheuer, ein Gerichtshaus und weitere Nebengebude, die heute alle unter Denkmalschutz stehen und als Freilichtmuseum einen guten Eindruck der Pracht der vergangenen Raja-Geschlechter im Batakland vermitteln. Die Anlage war sehr schn gepflegt und ein Nachkomme des letzten Raja (er behauptete, der Sohn zu sein) war der Fhrer durch das Museum. Er zeigte uns das Innere des Langhauses, einem Vorraum mit einem kleinen Verschlag und einen groen Saal mit mehreren Feuerstellen. In dem Vorraum hatte der Knig gelebt, der Verschlag war sein Schlafraum, in dem groen Saal lebten 12 seiner Frauen mit ihren Kindern, die anderen 12 Frauen lebten in einem anderen Langhaus nicht allzu weit weg. Jeden Abend beauftragte der Knig seinen Eunuchen, eine auserwhlte Frau zu ihm zu bringen, die dann die Nacht bei ihm im Verschlag bleiben durfte, der Eunuch schlief in einer Nische darunter. Der Knig mit den vielen Frauen hatte ber 100 Kinder, nur der letzte Knig, dessen Sohn noch in dem groen Haus geboren war, hatte nur eine Frau, er war schon zum Christentum bergetreten.

Lingga Lingga

Wir fuhren weiter zum Piso-Piso-Wasserfall, von dort aus hatte man noch mal einen schnen Blick auf den See. Den Wasserfall selbst fand ich nicht so beeindruckend, obwohl er der schnste und eindruckvollste von ganz Indonesien sein soll. Wir fuhren dann ber Kabanjahe nach Lingga, wo sich noch viele alte Batakhuser befinden, die ohne Ngel und Schrauben gebaut werden. In Lingga sind diese Huser noch bewohnt.
Das Batakhaus besitzt einen groen Wohnraum, den man ber eine Treppe betritt, die von einem altanartigen Vorbau unterhalb der Wohnraums hinauffhrt. ber dem Wohnraum beginnt das kompliziert konstruierte Dach. In diesem groen Haus wohnen nach alter Tradition die Eltern und ihre verheirateten Shne mit ihren Familien. So wohnen z.T. 12 Familien in einem groen Raum, die Jungen ab 16 und die verwitweten Mnner leben in Mnnerhusern, die Mdchen im Haus einer Witwe.
Wir konnten in Lingga solch ein Haus auch von innen besichtigen. Es ist wirklich nur ein groer Raum, durch Feuerstellen (jede Familie hat ihre eigene) voneinander getrennt, leben die Familien. Die Menschen schlafen auf Matten, die Kinder in einem Bereich von vielleicht 12 qm, die Eltern durch einen Vorhang getrennt dahinter. Die hygienischen Verhltnisse sind unvorstellbar, flieendes Wasser gibt es nicht, aufs Klo geht man unters Haus zu den Schweinen und Hhnern. In dem Haus wohnten 8 Familien. Es sah sehr sauber aus, aber diese Enge fand ich entsetzlich.

Hotel Bukit Kubu Hotel Bukit Kubu

Wir fuhren weiter nach Berastagi, luden dort unseren Fahrer zum Essen ein, er fuhr uns dann noch zum Hotel Bukit Kubu, ein altes Hotel aus der Kolonialzeit, sehr schn gelegen mit einem groen Golfplatz drumherum. Unser Zimmer hatte eine schne Aussicht, einen schnen Balkon. Nur die Badezimmer (nicht am Zimmer), waren mir nicht ganz geheuer.
Berastagi liegt mitten im Hochland der Batak, 1400 m hoch, berragt von den beiden Vulkanen Sibayak (2094m) und Sinabung (2451m). Nachdem wir unser Gepck im Hotel abgestellt hatten, machten wir uns wieder auf den Weg nach Berastagis Innenstadt. Dort war wieder ein mchtiges Treiben, viele Lastwagen mit Kohl, viele Geschfte und Lokale und ein Markt, auf dem wir allerdings erst im Dunkeln waren. Wir verlieen ihn auch bald wieder, weil der Untergrund sehr matschig war. Kurz nach 21.00 lie das bunte Treiben ziemlich abrupt nach, der Markt war geschlossen, die Geschfte machten auch langsam zu. Der Rckweg zum Hotel war etwas unheimlich, weil es stockdunkel war, denn es gab natrlich keine Straenbeleuchtung.

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letzte Änderung: 20.11.2017 · Copyright © 2003 - 2018 by Angelika Rosenzweig