Flagge Indien

Reisebericht Indien 2000
Jaipur

Flagge Indien

Montag 28.02.2000

Indienkarte Karte mit Jaipur Fatehpur Sikri Um 7:00 nahmen wir ein ziemlich ekliges Frühstück zu uns, unsere Abfahrt war um 8:00. Unser erstes Ziel auf der Strecke nach Jaipur war Fatehpur Sikri, das wir nach einer halbstündigen Fahrt erreichten.
Zwischen 1570 und 1586, das war die Zeit der Herrschaft von Akbar, war Fatehpur Sikri die Hauptstadt des Mogulreiches. Die Stadt liegt 40 km westlich von Agra. Aber genauso plötzlich und übereilt, wie sie gebaut wurde, gab man sie auch wieder auf. Heute ist es eine nahezu perfekt erhaltene Mogulstadt, so wie sie zur Blütezeit der Mogulherrschaft existiert haben mag. Die Legende berichtet, dass Akbar ohne männliche Erben war. Um dies zu ändern, pilgerte er zu dem Heiligen Shaik Salin Chisti in Sikri. Dieser verhieß ihm die Geburt eines Sohnes, des späteren Herrschers Jehangir. Aus Dankbarkeit taufte Akbar seinen Sohn auf den Namen Salim. Das war aber noch nicht alles. Akbar verlegte auch die Hauptstadt seines Reiches nach Sikri und stampfte eine neue strahlende Stadt aus dem Boden. Später wurde sie jedoch wieder aufgegeben, angeblich wegen Schwierigkeiten bei der Wasserversorgung.
Das Gelände von Fatehpur Sikri besteht aus zwei voneinander getrennten Teilen, der eigentlichen Palaststadt und dem Moscheenbereich. Wir besichtigten zuerst den Palast:
Fatehpur Sikri Diwan-i-Am: Hinter den Toren, am Nordosten der Geisterstadt liegt die Halle der öffentlichen Audienzen. Zu ihr gehört ein großer offener Innenhof, umgeben von Kreuzgängen.
Diwan-i-Khas: diese Halle für Privataudienzen wirkt von außen schlicht, aber innen hat sie einen einmaligen Aufbau. Eine Steinsäule in der Mitte des Gebäudes stützt einen flachen Thron. Von den vier Ecken des Raumes führen Stege quer durch den Raum bis zum Thron. Man nimmt an, daß Akbar auf diesem Mittelsitz Platz nahm, während seine vier wichtigsten Minister in den vier Ecken Platz hatten.
Ankh Michauli: Will man diesen Namen übersetzen, bedeutet er etwa "Verstehen und Suchen". Man vermutet, dass dieser Bau als Archiv für Schriftstücke benutzt wurde. In einer Ecke befindet sich ein Platz, der mit einem Baldachin überzogen ist. Dort lebte Akbars Hindu-Guru, der ihm weissagte und ihn unterrichtete.

Fatehpur Sikri Panchab Mahal: dieser kleine fünfstöckige Palast wurde vermutlich früher von den Hofdamen benutzt. Ursprünglich waren die Seiten zugemauert, aber die Wände wurden entfernt, um die offenen Kolonnaden innen sichtbar werden zu lassen. Jedes der fünf Stockwerke ist kleiner und versetzt auf das untere Stockwerk gebaut worden, also wie eine Pyramide, so dass oben nur noch Platz für einen kleinen Kiosk bleibt. Die Kuppel wird von vier Säulen getragen. Im unteren Stockwerk stehen 56 Säulen, von denen nicht zwei gleich sind.
Haus der Miriam: Dieses Haus wurde von der Mutter Jehangirs bewohnt.
Karawan Sarai und Hiran Minar: Die Karawan Sarai (Karawanserei) war ein großer Innenhof, umgeben von Unterkünften, der von Kaufleuten benutzt wurde.
Bhirbal Bhawan: Dieser besonders elegante, aber kleine Palast wurde entweder für oder von Raja Birbal, dem wichtigsten Hofbeamten Akbars, gebaut. Die gesamte Ausführung sind meisterhaft. Victor Hugo, der französische Schriftsteller aus viktorianischer Zeit, beschrieb diesen Bau als entweder sehr kleinen Palast oder sehr großen Schmuckkasten. Zum Palast gehören ausgedehnte Stallungen mit fast 200 Boxen für Pferde und Kamele. Steinringe zum Festmachen der Tiere sind noch immer zu sehen.
Grab des Shaik Salim Chisti in Fatehpur Sikri Zwischen dem Palastgelände und dem Moscheengelände haben sich diverse Andenkenstände ausgebreitet, deren Verkäufer ziemlich aufdringlich versuchten ihre Waren an den Mann zu bringen.
Wir betraten das Moscheengelände durch das östliche Tor, dahinter öffnet sich ein weiter Platz mit der Dargah Moschee. Diese Moschee soll eine Nachbildung der Moschee von Mekka darstellen. In der Moschee ist das Grab (dargah) des Shaik Salim Chisti, umgeben von Gitterfenstern aus Marmor. Noch heute kommen, genauso wie Akbar vor vier Jahrhunderten, kinderlose Frauen zu dem Grab des Heiligen, um Kindersegen zu erflehen.
Auf der Südseite der Moschee öffnet sich das große 54m hohe Siegestor, das Buland Darwaza. Es erinnert an Akbars Sieg in Südindien. Dieses beachtliche Tor führt zu einer nicht weniger beeindruckende Treppe. Eine Inschrift im Torbogen besagt: "Die Welt ist eine Brücke, überschreite sie, aber baue keine Häuser auf ihr. Wer eine einzige Stunde des Glücks erhofft, mag die Ewigkeit erhoffen".

Kuppelbauer auf der Fahrt nach Jaipur Nach zweistündiger Besichtigung verließen wir Fatehpur Sikri. Wir stoppten noch mal kurz an einer Steinhauerwerkstatt, wo mindestens 10 Leute damit beschäftigt waren aus großen Steinblöcken Kuppeln herzustellen, in dem sie die Steine aushöhlten und in die entsprechende Kuppelform "schnitzten". An einer Kuppel für einen mittelgroßen Tempel arbeite 10 Mann ca. 4 Monate bei einem Tageslohn von 100 Rupien bei 7 Stunden Arbeit pro Tag. Kurz danach verließen wir den Bundesstaat Uttar Pradesh und kamen nach Rajasthan.

Rajasthan ist mit 342.000 km2 nach Madhya Pradesh das zweitgrößte Bundesland im äußersten Nordwesten Indiens. In vielen historischen Reiseberichten wird immer wieder von der landschaftlichen Schönheit, dem sagenumwobenen Reichtum der Herrscherhäuser und den exotischen Farben Rajasthans geschwärmt. Und nie fehlen die phantasievoll ausgeschmückten Geschichten die den legendären Stolz der Bewohner hervorhoben, die von sich behaupteten, von der Sonne, dem Mond und dem Feuer abzustammen.

Hotelzimmer in Jaipur Der nach der Unabhängigkeit aus über 20 selbständigen Fürstentümern neugegründete Bundesstaat Rajasthan ist eine der rückständigsten Regionen ganz Indiens. Grund dafür ist die jahrhundertlange Ausplünderung der Bevölkerung durch verschwendungssüchtige Fürsten. Ein anderer entscheidender Grund für die schleppende wirtschaftliche Entwicklung des Landes sind die ungünstigen geographischen Bedingungen. Über 57% der Gesamtfläche Rajasthans nimmt die landwirtschaftlich nur sehr begrenzt nutzbare Wüste Thar ein. In dieser äußerst regenarmen westlichen Region Rajasthans bleibt der Monsun oft jahrelang aus.Über 50% der Bevölkerung verdient ihren kargen Lebensunterhalt durch Viehzucht, wobei das Kamel als Arbeitstier von unschätzbarem Wert ist.
Begrenzt wird die Wüste Thar im Osten durch die Aravallis, die Gebirgskette, die Rajasthan in der Mitte durchschneidet und als natürliche Klimascheide fungiert. Die im Osten und Süden gelegenen Landesteile sind weitaus regenreicher und können so als Ackerland genutzt werden. Dort werden überwiegend Hirse, Mais und Weizen angebaut. Das einzige bedeutende Industriegebiet Rajasthans konzentriert im Südosten auf die Stadt Kota.
Stadttor in Jaipur Jaipur: Sawai Singh II. entschloss sich nach dem Tod Aurangzebs (1707) dazu, das alte, 700 Jahre als Hauptstadt dienende Amber zu verlassen und seine neue Metropole elf Kilometer weiter südöstlich entsprechend den Regeln des Shilpa Shastra, ein altes indisches Lehrbuch der Baukunde, zu errichten. Von der Lage der Stadt über die Breite der Haupt- und Nebenstraßen bis zur Zuordnung der verschiedenen Kasten auf die einzelnen Stadtteile ist dort jedes Detail genauestens festgelegt.
Als Prinz Albert, der spätere König Edward, anlässlich eines Staatsbesuches 1876 nach Jaipur kam, wurden ihm zu Ehren alle Häuser der Altstadt mit der Begrüßungsfarbe Rosa gestrichen, und wurde so Zu "Pink City", wie sie heute oft genannt wird. Heute steht die Altstadt unter Denkmalschutz und wird demzufolge auch so schön erhalten bleiben.
Gegen 15:30 kamen wir in Jaipur an. Bharat brachte uns zu einem Hotel, was wohl auch einmal ein kleinerer Palast gewesen sein musste. Unser Zimmer wirkte eher wie eine etwas willkürlich geteilte Eingangshalle, zwei dicke Säulen standen etwas wahllos im Zimmer und das Ganze wirkte etwas unsymmetrisch. Die Zimmer waren sauber, das Bett riesig und das Mobiliar etwas altertümlich.
Zuerst tranken wir im Garten ein Bier und machten uns dann zu Fuß auf den Weg in die Altstadt. Besonders beeindruckend wirkt Jaipurs Altstadt am Spätnachmittag, wenn die Häuserfassaden mit ihren winzigen Fenstern, bogenförmigen Eingängen, geschwungenen Balkonen und Kuppeldächern in Licht der tiefstehenden Sonne in einem satten Rosa erstrahlen. Die einzelnen Stadtteile sind heute noch den verschiedenen Handwerks- und Händlerschichten zugeordnet.

Strasse in Jaipur Palast der Winde in Jaipur

Wir gingen natürlich zum bemerkenswertesten Gebäude der Stadt, dem Palast der Winde. Er ist kaum mehr als eine Fassade, hinter der sich nur ein Treppenaufgang verbirgt und gilt heute als Wahrzeichen Jaipurs und gehört zu den meistfotografierten Gebäuden Indiens. Die fünfstöckige, mit 953 Nischen und Fenstern versehene Fassade wurde 1799 von Maharaja Pratap Singh II. nur deshalb errichtet, um den Haremsdamen den Ausblick auf die pompösen Festumzüge zu ermöglichen.
Auf dem Rückweg wollten wir auch gleich in der Stadt essen, weil uns das Hotelrestaurant nicht so besonders gut erschien. Wir fanden dann das Restaurant des LMB Hotels, setzten uns auch hin, warfen einen Blick in die Speisekarte und dann um uns herum. Es war alles äußerst schmuddelig, die Speisekarte war auch wenig einladend und außerdem roch es nach Klo, und so ließen wir es sein und aßen dann in unserem Hotel zu Abend, zwar in der Atmosphäre einer Bahnhofswartehallen, aber das Essen war ausgesprochen gut.

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Dienstag 29.02.2000

Wir hatten nicht besonders gut geschlafen und waren eigentlich ganz froh um halb sieben aufstehen zu können, Frühstück gab es um halb acht und eine Stunde später brachen wir dann nach Amber auf. Amber Palace bei Jaipur Die nur 11 km nördlich von Jaipur gelegene Palastanlage von Amber war für über sechs Jahrhunderte die Residenz der Kachwalas.Der erste Anblick nach der Ankunft ist spektakulär, wenn sich die auf einem steilen Berghang gelegene Burg in den Wassern des ihr zu Füßen gelegenen kleinen Sees spiegelt.
Amber Palace bei Jaipur Bharat wollte uns zur "Abfahrtstelle" der Elefanten bringen, aber wir wollten lieber laufen. Zusätzlich zu dem Weg, den die Elefanten hoch traben, gibt es inzwischen einen Fussgängerweg, der wegen der vielen Touristen transportierenden Elefanten auch notwendig geworden ist. Nur noch ein sehr kurzes Stück gehen Fussgänger und Elefanten gemeinsam und das hatte mir eigentlich schon gereicht, denn so recht geheuer sind die großen Dickhäuter nicht, wenn man direkt daneben steht.
Wir betraten die Palastanlage durch das Suraj Pol und waren dann in einem weiträumigen Innenhof, von hier führt eine breite Treppe zu einem zweiten Hof mit dem Audienzsaal (Diwan-e-Am), in dem der Maharaja die offiziellen Empfänge abhielt. Durch das wunderschöne Ganesha Tor führt der Weg zu den auf einer höheren Ebene angesiedelten Privatgemächern der Herrscherfamilie.

Amber Palace bei Jaipur Das Schöne am Palast von Amber ist auch, dass man ganz alleine den Palast durchstreifen kann, ohne dass man hinter irgendeinem Guide hertrotten muss, der einem etwas erklärt, was man sowieso nicht versteht. Der gesamte Palast ist zugänglich und so durchstreiften wir viele Gänge und Zimmer, in denen wir kaum Leute trafen. Rolf ging sogar noch weiter, aber da war es uns dann zu dunkel und zu steil und so warteten wir im Hof auf ihn, ließen uns aber vorher noch ein kleines Zimmer, das Jai Mandir bei Kerzenlicht zeigen, dass an den Wänden und an der Decke mit Tausenden kleinen Spiegeln verziert war und das im Kerzenlicht wunderschön glitzerte.
Unser Fahrer wartete unten am Palastaufstieg auf uns und wir fuhren nun noch zum Fort Jaigarh auf dem Berg, was wir schon vom Palast aus gesehen hatten. Jai Singh ließ es 1726 erbauen, erst seit 1983 ist es für die Öffentlichkeit zugänglich. vom Wachturm (Diwa Burj) hat man einen guten Ausblick in die Tiefebene, aber sonst war es nicht sehr bemerkenswert.

Fort Jaigarh bei Jaipur Wir fuhren zurück nach Jaipur, unserer nächster Besichtigungspunkt war der Stadtpalast (City Palace), der mittenin der Stadt liegt. Die äußere Mauer wurde von Jai Singh erbaut, aber viele Anbauten erst später, teilweise sogar erst in diesem Jahrhundert. Heute ist der Palast eine Mischung aus Rajputen und Mogul Architektur, in dem der Maharaja immer noch lebt.
Im Erdgeschoss und im ersten Stock ist das Maharaja Sawai Man Singh II. Museum untergebracht. Dort ist alles in dem früheren Luxus erhalten geblieben. Außerdem kann man in diesen Räumen eine gute Sammlung von Kunstgegenständen, Teppichen und Waffen besichtigen. Die Textilabteilung zeigt Gewänder der Maharajas und Maharanis von Jaipur. Neben dem Stadtpalast gibt es auch wieder ein Jantar Mantar, das wir aber nur kurz durch das Eingangstor hindurch begutachteten, aber nicht mehr besichtigten, denn es sah aus, wie das in Delhi, es war nur weiß gestrichen und nicht rot und kostete ziemlich viel Eintritt.
Danach wollten wir mal wieder zur Bank, Bharat fuhr uns zunächst zu American Express, aber die nehmen nicht Master, sondern nur ihrer eigenen Karten, aber ein freundliche Mitarbeiter einer Reiseagentur, erklärte uns, wo es eine Bank mit Master gäbe. Wir irrten ziemlich herum, erwehrten uns an jeder roten Ampel der Bettlerscharen, nach dem Motto: Fenster zu, sie kommen; und fanden dann endlich auch eine Bank mit Automat, aber unsere Master funktionierten nicht. Als Brigitte dann Geld abheben wollte, war de Automat leer. Es gelang uns aber jemanden zu fragen, und er meinte wir sollten nach 5 wiederkommen.
Stadtpalast in Jaipur Nun konnte sich Bharat die nächste Provision verdienen, denn er fuhr uns zu einer Teppichfabrik, wo dann rein zufällig auch ein Laden angeschlossen war. Aber zunächst besichtigten wir die Fabrik. Als erstes wird auf Papier das Muster für einen Teppich mit Bleistift gezeichnet, dann wird es farbig gestaltet.
Dieses Musterblatt geht dann zum Wollfärber, der die für den Teppich benötigte Wolle in den auf dem Muster eingezeichneten Farben färbt. Diese Wolle wird dann verpackt und zu den Familien gebracht, die den Teppich in Heimarbeit knüpfen, also konnten wir diesen Arbeitsgang leider nicht sehen.
Wenn der Teppich dann fertig geknüpft zurückkommt, sieht er sehr unansehnlich aus, aber er ist ja auch lange noch nicht fertig. Jetzt werden alle überflüssigen Fäden auf der Rückseite des Teppich abgebrannt und anschließend wird der Teppich gewaschen. Dann wir mit einem scharfen langen Eisen der Teppich pro Knüpfspur entfilzt, gekämmt und dann mit einer Schere (!) gerade geschnitten. Alle diese Arbeiten werden per Hand gemacht und es sieht alles sehr mühselig aus. Zuletzt wird mit einer großen Nadel der Rand des Teppichs umstochen. Bei unseren westlichen Arbeitslöhnen wäre solch ein handgefertigter Teppich völlig unbezahlbar, zumal bei uns keiner diese mühselige Arbeit machen würde. Dann kam was kommen musste, der Teppichladen und ich konnte mich mal wieder nicht beherrschen und habe zwei Teppiche gekauft.
Anschließend fuhren wir wieder zur Bank, diesmal gab es Geld, aber auf unsere EC-Karte. Wie sich später herausstellte viel günstiger als mit Master, denn es kostet keinerlei Gebühren, der Betrag wird einfach vom Konto zum Tageskurs abgebucht.
Das Abendessen nahmen wir wieder im Hotel, es war wieder sehr lecker. Anschließend saßen wir noch auf Brigittes Terrasse und tranken Whiskey mit Bharat, der die Flasche spendiert hatte. Sein Englisch war nicht so besonders, unseres zwar auch nicht, aber bei ihm kam doch die etwas eigentümlich Aussprache der Inder hinzu, Birthday hört sich bei ihm so an wie boeddi, "f" wurde zu "p" und umgekehrt, was die Verständigung nicht vereinfachte.

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letzte Änderung: 17.04.2016 · Copyright © 2003 - 2017 by Angelika Rosenzweig