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Reisebericht Indien 2000 Delhi

Freitag 25.02.2000

Indienkarte Karte mit Delhi Nach sehr freundlicher Abfertigung am Flughafen Tegel flogen wir mit 15 Minuten Verspätung um 7:30 nach Paris, Charles de Gaulle ab und landeten dort kurz vor 9 Uhr. In Tegel hatte man uns einen Plan vom Pariser Flughafen gegeben und wir wussten auch schon, dass wir zum Flugsteig F mussten, aber es wirkte alles etwas unübersichtlich und die Beschilderung nach Flugsteig F war auch nicht zu finden, aber nach leichtem Herumirren fanden wir schließlich doch einen Wegweiser. Nach etwa 15 Minuten Fußmarsch standen wir an der Passkontrolle zu Flugsteig F und ich hatte fast schon Bedenken, ob wir es noch schaffen, denn es war sehr voll und ging auch recht schleppend voran, als wir endlich die Passkontrolle hinter uns hatten, hieß es dann auch gleich anstellen zum Einsteigen, unsere Bordkarten hatten wir schon in Tegel bekommen. Der Flieger füllte sich dann auch allmählich und um 11 Uhr ging es dann auch wirklich mit 45 Minuten Verspätung los. Der Flug war bis auf ein paar kleine Holper sehr ruhig, das Essen schmeckte auch einigermaßen und durch die nach dem Essen geöffnete Raucherecke verging die Zeit doch noch ganz gut. Wir waren trotz des verspäteten Abflugs pünktlich um 23 in Delhi, bis wir die Passkontrolle hinter uns hatten, unser Gepäck erschien und wir endlich draußen waren, war es Mitternacht. Unser vorab gebuchter Fahrer war auch da, wir mussten allerdings noch eine ganze Weile warten, bis er das Auto geholt hatte. Mein erster Eindruck im York Hotel: es hat sich in den 15 Jahren überhaupt nichts verändert, es ist nur dreimal so teuer. Ein Bier gab's auch nicht mehr, die Bar war bereits geschlossen. Also nur noch ein Wasser und ab ins Bett.
Mit einer Fläche von 3,29 Mio. km2 und einer maximalen Nord/Südausdehnung von 3.214 Kilometern bzw. 2.933 von Ost nach West ist Indien das siebtgrößte Land der Erde. Die Nordgrenze bildet der sich von Südost nach Nordwest auf einer Länge von 2.500 Kilometern hinziehende Himalaya der das Land von seinen nördlichen Nachbarn China, Nepal und Bhutan trennt. Nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegen die von den drei großen Flüssen Indus, Ganges und Brahmaputra gebildeten sogenannten Stromtiefländer südlich vom Himalaya. Der im Himalaya entspringende Ganges bildet den Lebensnerv der nordindischen Tiefebene, die auch heute noch die mit Abstand am dichtesten besiedelte Region des Landes ist. Südlich an die Gangesebene schließt sich die in Form eines umgekehrten Dreiecks von einem langgestreckten Mittelgebirge abgegrenzte Dekhan Scholle.
Die indische Bevölkerung besteht aus sehr unterschiedlichen Volksgruppen: die relativ kleinen Bengalen im Osten, die größeren und hellhäutigen Menschen von Mittel und Nordindien, die Bewohner von Kashmir mit ihren deutlich asiatischen Zügen, die Tibetaner von Ladakh und dem Norden von Himachal Pradesh sowie die dunkelhäutigen Tamilen des Südens. Die Mehrheit der indischen Bevölkerung besteht aus Anhängern des Hinduismus, es gibt jedoch große Minderheiten anderer Religionen, ca. 76 Millionen Moslems, 19 Millionen Christen, 13 Millionen Sikhs, 5 Millionen Buddhisten und die 3 Millionen Jains.
Die Kasten: Die Anfänge des Kastenwesen sind nicht genau bekannt, aber wahrscheinlich wurde sie von den Brahmanen oder Priestern geschaffen, um deren Machtposition und Sonderstellung zu untermauern. Mit der Zeit bildeten sich vier unterschiedliche Klassen; jede von ihnen mit eigenen Gesetzen für die Verhaltensweise. Ganz oben rangiert die Kaste der Brahmanen, zu ihnen gehören die Priester, in der Kaste darunter finden sich die Kshatriyas als Soldaten und Verwaltungsbeamte, gefolgt von den Vaisyas, zu denen Künstler und Händler gehören, danach kommen die Sudras; sie sind Bauern oder in der Landwirtschaft Tätige. Weit unterhalb dieser vier Kasten rangiert eine fünfte Klasse, die der Unberührbaren, die eigentlich gar keine Kaste oder Klasse ist, sie sind für die niedrigen Arbeiten zuständig. Das Ausländer nicht zugeordnet werden können gehören sie zu den Unberührbaren. Verallgemeinernd lässt sich sagen, dass gut situierte Inder meist einer höheren Kaste angehören und der Inder, der eine Toilette im Hotel putzt, ein Unberührbarer ist. Obwohl viele der alten Gesetze in jüngster Zeit aufgehoben wurden, ist es für viele Inder einer höheren Kaste noch heute undenkbar, dass eine Person einer niedrigeren Kaste ihr Essen zubereitet. Mehr und mehr sind diese Regeln heute allerdings eine Sache des Bildungsstandes. Ein gebildeter Inder gibt ohne Zögern auch einem Angehörigen einer niedrigeren Kaste die Hand. Ebenfalls verlor die Tatsache an Gewicht, dass Inder, die auswanderten und damit die Zugehörigkeit zu ihrer Kaste verloren, zu Hause dann Ausgestoßenen sind. Insoweit hat sich viel geändert.

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Sonnabend 26.02.2000

Jantar Mantar in Delhi Delhi: Wer glaubt in Delhi das zauberhafte Indien zu finden liegt völlig falsch. Zunächst wir man erwartet vom Lärm, Dreck und der Hektik der Großstadt. Die vielen Obdachlosen auf den Straßen machen den Eindruck auch nicht angenehmer, dazu kommt, dass ich den Eindruck hatte in Delhi sei alles viermal so teuer wie noch vor 10 Jahren. Delhi setzt sich aus zwei gänzlich unterschiedlichen Stadtteilen zusammen. Da ist einmal Old Delhi, angelegt und geprägt von den Moguln, denen es vom 12. bis zum 18. Jh. als Hauptstadt diente und die hier mit dem roten Fort und der Jami Masjid zwei bemerkenswerte Beispiele ihrer Macht hinterließen. Mit seinen engen, verwinkelten Altstadtgassen voller kleiner Geschäfte, seinen Märkten und Menschenmassen, ist Old Delhi eine typisch indisch anmutende Stadt. Im krassen Gegensatz steht das von den Briten erst 1911 entstandene New Delhi, als die Briten ihre Hauptstadt von Kalkutta hierher verlegten. Mit seinen weitläufigen, baumbestandenen Alleen, großzügigen Parkanlagen und modernen Verwaltungsgebäuden wirkt es äußerst großzügig, sachlich und nüchtern, aber auf mich auch langweilig.
Aufwachen 7:30. Es war noch recht frisch und zuerst wurde der wichtige Kaffee gekocht und dann schaute ich mal von der Terrasse, ob sich welche an der Wasserstelle wuschen. Es war aber nur einer, aber der wusch sich dafür um so gründlicher. Ansonsten wirkte alles noch sehr verschlafen, nur wenige Fußgänger waren unterwegs, aber doch schon eine ganze Menge Autos, Busse und Motorrikschas.
Jantar Mantar in Delhi Das Frühstück gab es in der recht finsteren Bar, das Ei wie immer in Indien sehr fettig, aber wenigstens war die Butter nicht ranzig und der Kaffee war auch genießbar. Anschließend wollten wir uns an der Rezeption nach dem Zug nach Agra am nächsten Morgen erkundigen, aber da fing uns Mr. Paul ab und malte uns eine Fahrt im Mietauto in den schönsten Farben aus, legte eine Reiseroute für uns fest, die eigentlich alles Sehenswerte in Rajasthan beinhaltete und alles, was wir ohne Auto mit Sicherheit nicht schaffen würden.
Der Wagen mit Fahrer sollte für 11 Tage 1200 DM kosten, also pro Person 400,- DM. Wir beratschlagten eine Weile hin und her und stimmten dann dem Angebot zu und verabredeten uns für den nächsten Morgen um 7:30.
Im Roten Fort in Delhi Nun machten wir uns auf den Weg, schlenderten über den Connaught Place und wollten vor allem zuerst mal unseren Flug rückbestätigen. Bei der Überquerung des Platzes lauerte der Anschiss im wahrsten Sinne des Wortes. Zwei Schuhputzer quatschten auf uns ein, und als wir nicht Schuhe putzen lassen wollte, zeigte der eine mit entsetztem Gesichtsausdruck auf meine Schuhe und siehe da, sie waren beschissen. Irgendeine bräunliche Masse prangte in ganzer Schönheit auf meinen neuen schwarzen Schuhen und der Schuhputzer erklärte sich gleich freundlich bereit, mir den Schuh zu säubern. Mein Geschrei, dass er keine Schuhcreme verwenden sollte nutzte überhaupt nichts und er fuhrwerkte schließlich an beiden Schuhen herum. Zunächst fanden wir das Ganze ja noch ganz komisch, aber als er dann 500 Rs verlangte, hörte der Spaß auf. Es wurden immer mehr seltsam aussehende Inder und wir fühlten uns etwas bedroht. Rolf warf ihnen dann 5 Dollar hin und wir machten, dass wir weg kamen. Ein paar Meter weiter sprach uns ein eigentlich gepflegt aussehender Inder an, wir hätten nicht bezahlen sollen, den Dreck werfen die Schuhputzer ihren potentiellen Kunden auf die Schuhe, also alles nur Betrug. Der indische "Student" wollte wissen, wo wir hin wollten und bot an uns zu führen, wir wollten aber nicht.

Im Roten Fort in Delhi Er blieb uns aber auf den Fersen quatschte auf uns ein und geleitete uns zu Air France, weil er im gleichen Haus arbeitet. Als wir nach der problemlosen Rückbestätigung wieder nach draußen kamen, tauchte unser Begleiter auch wieder auf, er arbeitet wohl doch nicht in dem Haus. Nun wollte er uns den Weg zum Tourist Büro zeigen. Auf dem Weg dorthin kamen wir am Jantar Mantar vorbei, und wir dachten, wenn wir reingingen würden wir unseren Führer los, aber weit gefehlt, er kaufte sich ein Eis und wartete auf uns.
Das Jantar Mantar ist einer der vielen Observatorien, die der Maharadscha Jai Singh II. von Jaiput 1724 erbauen ließ. Es ist eine besondere Ansammlung einzelner lachsfarbener "Gebäude". Einzig die Funktion einer riesigen Sonnenuhr war zu enträtseln, bei den anderen astronomischen Geräten blieb uns dessen Bedeutung allerdings verborgen.
Schließlich kamen wir tatsächlich zum Tourist Office, das aber nicht sehr professionell wirkte, sie wollten uns eine Stadtrundfahrt aufdrängeln, wir ließen uns aber nur einen Stadtplan geben. Unser Begleiter stand immer noch draußen, meinte dann aber auf das Haus gegenüber zeigend, er wohne hier und verschwand tatsächlich und tauchte auch nicht wieder auf.
Chandni Chowk in Old Delhi Von Neu Delhi hatten wir erst mal genug und nahmen uns eine Motorrikscha zum Roten Fort in Old Delhi. Der Eintritt war mit 25 Rs pro Person recht günstig.
Über eine Gesamtlänge von 2 km erstrecken sich die aus rotem Sandstein errichteten Mauern des Lal Qila oder des Roten Fort. Die Mauerhöhe wechselt von 18 m an der Flussseite bis 33 m an der Stadtseite. Begonnen wurde dieses massive Bauwerk im Jahr 1638 unter Shah Jahan, fertiggestellt war es 1648. Aber Shah Jahan verließ nie endgültig seine vorherige Residenz in Agra. Er wurde nämlich von seinem Sohn Aurangzeb entthront und im Fort von Agra gefangen gehalten.
Das Rote Fort stammt aus der Blütezeit der Mogulherrschaft, aber diese Blütezeit dauerte nicht sehr lange. Es war Aurangzeb, der als erster und zugleich letzter bedeutender Mogul vom Roten Fort aus regierte. Wir betraten das Fort durch das Haupttor (Lahore Gate), das so benannt wurde, weil es in Richtung Lahore liegt. Nach dem Tor befindet man sich unter einer gewölbten Arkade wieder, wo heute kleine Läden angesiedelt sind. In früheren Zeiten war dies der Meena-Bazar, das Einkaufszentrum der Hofdamen. Die Arkaden führen in den Naubat Khan, ehemals Podium für Musikanten, heute aber nur noch ein offener Garten. Dann folgt die "Halle der öffentlichen Audienzen" (Diwan-i-Am), wo früher der Herrscher Klagen und Bitten seiner Untertanen entgegen nahm. Der Alkoven in der Wand, Platz des Herrschers, war mit Marmor eingefasst und mit wertvollen Steinen besetzt.
Chandni Chowk in Old Delhi Danach die "Halle der privaten Audienzen" (Diwan-i-Khas) die für private Zusammenkünfte des Herrschers diente. Prunkstück dieser Halle war damals der sagenhafte Pfauenthron aus massivem Gold, den Nadir Shah 1739 als Beutestück in den Iran mitnahm. Dieser Thron war durch prächtige Pfauen aus kostbaren Edelsteineen verziert. Zwischen den Pfauen war ein aus einem riesigen Smaragd geschnitzter Papagei. An den Wänden der Halle ließ Shah Jahan den Spruch "Wenn es ein Paradies auf Erden gibt, dann ist es hier, dann ist es hier, dann ist es hier" anbringen. Gleich neben der Diwan-i-Khas sind die königlichen Bäder, drei große Räume mit Kuppeldächern und einem Brunnen in der Mitte. Neben den Bädern befindet sich die von Aurangzeb 1659 aus Marmor erbaute Perlenmoschee (Moti Masjid).
 
Nach der Besichtigung des Forts stürzten wir uns ins Gewimmel des Chandni Chowk, der Hauptstraße von Old Delhi. Sie führt direkt nach Westen zur Jamii Masjid, der Freitagsmoschee, der größten Moschee Indiens, erbaut ebenfalls von Shah Jahan.

Chandni Chowk in Old Delhi Wir schlängelten uns durch das Gewimmel von Menschen und Tieren aller Art, an Geld-Wallahs, vielen kleinen Geschäften, öffentlichen Pissoirs vorbei bis fast zum Bahnhof. Dann hatten wir müde Füße und nahmen wieder eine Motorrikscha zurück zum Connaught Place.
Im York Restaurant aßen wir gegen 14:00 zu Mittag, aber das Essen war nicht besonders, jedenfalls deutlich schlechter als ich es in Erinnerung hatte. Nach dem Essen erkundigten wir uns nach einem Geldautomaten und der Mensch von der Rezeption schickte uns zur HSBC Bank, die wir nach einigem hin und her auch fanden, aber schade, der Automat nahm nur Visa und wir hatten alle drei Mastercard. Wir irrten in den Straßen herum, schauten in die eine oder andere Bank, aber nirgends gab es Mastercard Automaten. Schließlich fanden wir mehr durch Zufall die Allahabad Bank, die endlich auch einen Automaten für Master hatte. Leider war Brigittes Karte die einzige, die funktionierte, aber das war ja wenigstens etwas. Eigentlich wollten wir uns nun irgendwo hinsetzen und etwas trinken, schauten kurz in die finstere Bar des Hotel Alka mit schlechter Luft, und fanden auch sonst nichts, was uns gefiel und landeten schließlich auf unserer Hotelterrasse, wo es noch am schönsten war und gönnten uns ein Bier. Der Tag endete früh, schon um 21:00 lagen wir im Bett und schliefen mehr schlecht als recht.

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letzte Änderung: 20.11.2017 · Copyright © 2003 - 2017 by Angelika Rosenzweig