Flagge Indien

Reisebericht Indien 2000
Jodhpur

Flagge Indien

Sonnabend 04.03.2000

Indienkarte Karte mit Jodhpur Meherangar Fort in Jodhpur Dieses Mal fuhren wir ungefrühstückt los, denn das Frühstück im Hotel war sowieso nicht besonders und außerdem war so früh noch niemand wach, denn wir starteten schon um halb acht. Wir frühstückten unterwegs gegen neun in einer Raststätte ein etwas staubiges Rührei. Gegen 13:00 kamen wir in Jodhpur an und Bharat hatte für uns ein nettes kleines Hotel in Privatbesitz ausgesucht. Es wird von einer christlichen Familie geführt, hat nur fünf Zimmer, die alle wie ein kleines Museum wirken. Alles war sehr sauber und gepflegt, die Wirtsleute waren ausnehmend nett und freundlich.
Nach Jaipur ist Jodhpur die zweitgrößte Stadt Rajasthans. Sie liegt am Rande der Wüste Thar. Das Stadtbild wird beherrscht von einem massiven Fort, das auf dem kahlen Hügel mitten in der Stadt steht. Gegründet wurde die Stadt 1450 von Rao Jodha, dem Oberhaupt eines Rajputenclans, der Rathoren. Seine Nachkommen regierten nicht nur über Jodhpur, sondern auch über andere Prinzenstaaten der Rajputen. Das Königreich Rathore war eins bekannt als Marwar, das Land des Todes.
"Stadt des Lichts" wird Jodhpur auch genannt, und tatsächlich bekommt man hier einen ersten Eindruck vom einzigartigen Licht und Farbenspiel der Wüste Thar, an deren Rand Jodhpur liegt. Die Altstadt von Jodhpur umgibt eine 10 km lange Mauer, die ungefähr ein Jahrhundert nach der Stadtgründung errichtet wurde. Hoch oben vom Fort aus erkennt man ganz klar, wo die Altstadt aufhört und wo die neuen Stadteile beginnen, Die Altstadt besteht aus einem Gewirr enger Straßen, in denen ein Bummel sehr abwechslungsreich ist. Acht Tore führen aus der Altstadt hinaus.
Zum Mittagessen fuhren wir in eine nettes Gartenlokal, das zum Nobelhotel Ajit Bhawan gehört, und sehr nobel war auch der Preis, aber das Essen war gut.

im Meherangar Fort in Jodhpur Anschließend wendeten wir uns der Hauptsehenswürdigkeit Jodhpurs zu, dem Meherangar Fort:
Insgesamt sieben Festungstore mussten wir passieren, um zum Palast zu gelangen. Der Aufstieg ist von hohen Mauern umgeben und führt sehr steil in Serpentinen nach oben. Ein markantes (oder auch makabres) Beispiel des Sati Kultes findet sich mit den 32 Handabdrücken zu beiden Seiten des mit Eisenstacheln übersäten Loha Pol Tores. Hier hinterließen die Prinzessinnen der verschiedenen Maharajas eine letzte Erinnerung, bevor sie sich auf dem Scheiterhaufen ihres verstorbenen Mannes mitverbrennen ließen. Ähnlich verwinkelt wie der Aufstieg zum Palast sind die Treppen und Gänge innerhalb Palastes. Innerhalb des Forts, das noch immer dem Maharaja von Jodhpur gehört und in dem er auch noch lebt, gibt es eine ganze Reihe von Innenhöfen und Palästen. In den Zimmerfluchten des Palastes befindet sich eine sehr gute Sammlung von Gegenständen des täglichen Lebens eines indischen Königshauses und eine Sammlung prunkvoller Elefantensattel. An den Wänden hängen Miniaturmalereien der verschiedenen Schulen. Ausgestellt sind ferner Musikinstrumente, die Waffen der Rajputen, Sänften, Möbel und Gewänder. In einem Zimmer findet man eine Kollektion von Kinderwiegen, häufig in ganz lustigen Formen.
Blick auf Jodhpur Am südlichen Ende des Fort sind auf dem Schutzwall alte Kanonen zu sehen. Hier fällt der Hügel steil ab und bietet einen schönen Blick auf die Altstadt. Sehr viele der Häuser sind blau, manche sagen, das Blau sei ein Schutz gegen die Mücken, andere, dass die Farbe zeige ihre Besitzer seien Brahmanen.
Wir hielten uns fast zwei Stunden in diesem sehr schönen Palast auf. Es lief zwar ein vom Palast angestellter Guide neben uns her, der aber nicht weiter lästig war und uns auch nicht vollquatschte, eigentlich sagte er gar nichts sondern zeigte uns nur den Weg, den wir allerdings auch alleine gefunden hätten, denn es war ein Rundgang ausgeschildert.
Danach zeigte uns Bharat noch den Blick auf Jaswant Thada, dem Grabmal des 1895 verstorbenen Maharajas Jaswant Singh II., das aber eher wie ein Palast ausssieht. Auf dem Rückweg in die Stadt gab es noch einen Fotostop mit einem schönen Blick auf die blauen Häuser Jodhpurs.

Strasse in Jodhpur Zuguterletzt war wieder ein Shop angesagt, diesmal ein Gewürzladen in der Altstadt von Jodhpur am Sardar Markt mit dem Uhrturm, das bekannte Wahrzeichen der Stadt.
Der Gewürzladen war recht klein, aber fein und so versorgte ich mich mit Gewürzen für die nächsten Jahre. Der Besitzer war recht geschäftstüchtig, zeigte uns eine Menge Bestellungen und Briefe europäischer Kunden und bat mich um meine e-mail Adresse um mir Rezepte zuschicken zu können, was er dann auch wirklich tat.
Unser Abendessen nahmen wir in unserem Hotel ein, ein Vegetarian Dinner, von den Damen des Hauses gekocht, also so was wie "Futtern wie bei Muttern" auf indisch, sehr lecker und sehr viel. Das Essen wurde im Wohnzimmer der Familie an einem großen Esstisch serviert, man hatte Angst zu kleckern oder sich sonst irgendwie daneben zu benehmen, denn auch hier wirkte es eher wie im Museum, sehr liebEvoll zusammen gestellte Antiquitäten. Nach dem Essen mussten wir sofort aufstehen, denn die nächsten Gäste wollten auch essen und es gab nur diesen einen Esstisch. Anschließend besuchte uns dann wieder Bharat auf unserer kleinen Terrasse.

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letzte Änderung: 17.04.2016 · Copyright © 2003 - 2017 by Angelika Rosenzweig