Flagge Polen

Reisebericht Polen 2008
Krakow

Flagge Polen

Montag 23.06.2008

Polen Karte mit Krakow Frühstück wieder gegen 9 Uhr, dann packten wir unsere Sachen und fuhren zum Haus von Sabinas Eltern, um uns zu verabschieden. Da an diesem Tag Sabinas Vater Geburtstag hatte, waren doch schon wieder fast alle im Saal, denn es sollten die Reste verspeist werden und es wurde weiter gefeiert. Wir blieben nicht lange, denn wir wollten weiter nach Kraków. Hannes fuhr wieder vor und so fanden wir unseren Weg ziemlich problemlos. Leider hatte ich die Adresse des Hotels falsch aufgeschrieben, wir irrten mehrfach, die Strasse wo das Hotel vermeintlich sein sollte herauf und herunter, und fanden nur einen großes Tesco Kaufhaus, fuhren schließlich auf den Parkplatz und suchten uns ein Internetcafé, um noch mal nach der Adresse zu schauen, fanden sie auch, stellten die Navi neu ein und der Rest war dann auch ganz einfach. Das Hotel Olimpia liegt etwas abgelegen in einem Neubauviertel, war aber preislich erschwinglich und wir bezogen unsere Zimmer.
Kraków ist die Hauptstadt der Województwo Malopolskie (Woiwodschaft Kleinpolen) und liegt an der oberen Weichsel im südlichen Polen, rund 250 km südlich der Landeshauptstadt Warszawa (Warschau). Kraków ist Sitz der zweitältesten Universität Mitteleuropas und entwickelte sich zu einem Industrie-, Wissenschafts- und Kulturzentrum.
Eine Vielzahl an Bauwerken der Gotik, der Renaissance, des Barock und späterer Epochen prägt das Bild der alten Stadt, die bis 1596 Hauptstadt von Polen war. Noch heute wird die zweitgrößte Stadt des Landes als heimliche Hauptstadt Polens bezeichnet.
Wir stellten im Hotel nur unsere Sachen ab und fuhren wieder ins Zentrum der Stadt und fanden einen Parkplatz ganz in der Nähe des Wawel.
Unser erstes Ziel war der bekannte Hauptmarkt. Dieser größte mittelalterliche Platz Europas (200 m x 200 m) wurde bei der Neugründung nach deutschem Recht im Jahre 1257 abgesteckt. Die Marienkirche und die St. Adalbert-Kirche waren vorher errichtet worden, deswegen stehen sie schräg zu den Koordinaten des Marktes. In der Folge wurden die Tuchhallen, das Rathaus und die Bürgerhäuser errichtet. Der jüngste Bau auf dem Platz ist das Denkmal des Nationaldichters Adam-Mickiewicz aus dem Jahr 1898. Die renovierten Wohnhäuser um den Markt herum sind 500-600 Jahre alt.

Marktplatz mit den Tuchhallen Zigarettenbüdchen auf dem Marktplatz


Mitten auf dem Platz stehen die Tuchhallen. Sie entstanden im 13. Jh., damals handelte es sich jedoch nur um eine Doppelreihe von Krämerläden, die den Tuchhändlern angehörten. Im 14. Jh. bildeten die Kaufleute daraus eine 108 m lange Halle, die erst zwei Jahrhunderte später, nach einem Brand, als stattliches Gebäude wieder aufgebaut wurde. Ihre endgültige Gestalt erhielten die Tuchhallen im 19. Jh., als die neugotischen Arkaden angebaut wurden.
Auf dem Weg zum Marktplatz kehrten wir zunächst in einen Imbiss ein, wir hatten inzwischen wieder Hunger. Das Essen war einigermaßen brauchbar und sehr preiswert. Plötzlich ging ein sehr starker Regen und dann Hagelschauer los, aber wir blieben trocken unter großen Schirmen und der Spuk war nach ein paar Minuten wieder vorbei.
Wir überquerten den Marktplatz und kamen in die ul. Florianska mit zahlreichen Wechselstuben Geschäften, Reiseagenturen und Boutiquen. Die Strasse führt direkt zum bekannten Florianstor. Das Tor ist um die Wende des 13. und 14. Jh. entstanden. Mit den angrenzenden Mauern und den drei Basteien ist es ein Überrest der mächtigen Befestigungsanlagen, die Krakau mit einem 3 km langen Streifen umgaben. Diese Befestigungsanlagen hatten 47 Basteien, 8 Haupttore und einen Wallgraben. Durch das Florianstor ist das königliche Gefolge und die ausländische Gesandtschaft den Königsweg entlang zum Wawel gefahren. Im 19. Jh. wurde die Stadtmauer abgetragen und an ihrer Stelle die Grünanlagen "Planty" angelegt.

ul. Florianska Kutsche auf dem Marktplatz

Im skurilen Café Jama Michalika (Florianska 45) tranken wir einen Kaffee und bewunderten eigenartige Bleiglasfenster auf denen Skelette neben Papageien tanzen. Auf dem Rückweg zu unserem Auto wollten wir noch die Marienkirche besichtigen, es war aber leider zu spät, es war schon geschlossen. So setzten wir uns noch auf den großen Marktplatz in eines der zahlreichen Straßencafés, löschten unseren Durst und schauten uns das Treiben auf dem Platz an: Leute flanierten vorbei, Touristen wurden in Kutschen herumgefahren und überall gegenwärtig Leute von so einer Art Security, die auf uns aufpassten.
Nachdem wir das Auto am Hotel abgestellt hatten, wollten wir noch irgendwo ein Bier trinken und fragten an der Rezeption, ob es so was wie ein Restaurant oder eine Kneipe gäbe, im Hotel wollten wir uns nicht hinsetzen, die Terrasse war ungemütlich und außerdem schlossen sie den Restaurationsbetrieb bereits um 9:00 Uhr. Die Dame erzählte was von erst rechts, dann links und so marschierten wir los, kamen nur in ein an Marzahn erinnerndes Neubauviertel, keine Menschenseele unterwegs, alles wie ausgestorben. Wir irrten fast eine Stunde herum, glaubten schon nicht mehr an eine Kneipe und schlugen die Richtung ein, die wir für den Rückweg hielten und siehe, da war dann auch ein kleines Lokal, eher finster einschließlich der Leute, aber es gab Bier und so setzten wir uns einfach an einen der draußen stehenden Tische.
Da es nicht sonderlich gemütlich war, blieben wir nicht allzu lange und kehrten zum Hotel zurück und gingen schlafen.

nach oben

Dienstag 24.06.2008

Wir trafen uns gegen halb neun zum Frühstück, das eher spartanisch war und fuhren dann wieder ins Zentrum und fanden auch wieder direkt beim Wawel, den wir heute besichtigen wollten, einen Parkplatz.
Der Wawel-Hügel war noch vor der Entstehung des polnischen Staates das Zentrum des Staates des Stammes der Wislanen. Erst Ende des 10. Jh. ließen sich die Piasten hier nieder.
Im Wawel-Schloss, das im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut wurde, sind vor allem zwei Baustile miteinander verschmolzen: die Gotik und die Renaissance. Die Touristen können im Schloss vier Ausstellungen besichtigen: Die königlichen Gemächer, die Schatzkammer und Rüstkammer sowie die Ausstellung "Die Kunst des Orients".
Wir beschränkten uns mit den drei erstgenannten. Einer der herrlichsten Räume im Schloss ist der Gesandtensaal, auch "Unter den Köpfen" genannt; der Name stammt von den berühmten in Holz geschnitzten Wawel-Köpfen in den Feldern der Kassettendecke (16. Jh.) ab. Der größte Saal ist der Senatorensaal (240 qm), wo die Tagungen des Senats, die höfischen Feierlichkeiten und die Bälle abgehalten wurden. Sehenswert sind die Kronschatzkammer und die Rüstkammer mit der reichsten Waffensammlung Polens.
Die königlichen Gemächer durften wir uns nur im Rahmen einer Führung ansehen, es war etwas anstrengend, die Dame, die uns herumführte sprach zwar englisch, aber in einem dermaßen atemberaubenden Tempo, dass wir ihr kaum folgen konnten. So war es dann doch sehr hilfreich, dass wir auch einen deutschen Text zum Lesen in die Hand gedrückt bekamen.

Eingang zum Wawel im Wawel

Nach den Besichtigungen, die bis kurz vor 12 dauerte, hätten wir noch die Wawel-Kathedrale ansehen können, hatten dazu aber nicht mehr die rechte Lust und machten uns wieder auf den Weg in Richtung Marktplatz und zur Marienkirche.
Die im 13. Jh. von den Krakauer Bürgern gestiftete Marienkirche ist eine der schönsten gotischen Pfarrkirchen in Polen. Im Innenraum begeistern die herrlichen Wandmalereien und die farbigen Kirchenfenster. Das wertvollste Kunstwerk der Basilika ist der Hauptaltar von Veit Stoß.
Mit 13 m Höhe und 11 m Breite ist er der größte mittelalterliche Altar Europas. Ganze 12 Jahre hatte der Meister an ihm gearbeitet. Dieser Flügelaltar enthält fast 200 Figuren, die von 3 cm bis 3 m groß sind und die mit größter Sorgfalt aus Lindenholz geschnitzt wurden. Die Hauptszene des Altars stellt das Entschlafen der Muttergottes dar, die Reliefs an den beweglichen Seitenflügeln veranschaulichen Szenen des Neuen Testaments.

Marienkirche Hauptaltar von Veit Stoß


In der Kirche entstanden jede Menge Fotos und aus Vorsicht falls sie nichts geworden seien, kauften wir auch noch eine Postkarte von dem wundschönen Altar.
In einem netten Restaurant aßen wir noch etwas zu Mittag und machten uns dann wieder auf den Weg zum Florianstor, hinter dem Tor sollten dann die Busse stehen, die uns zum Salzbergwerk nach Wieliczka bringen sollten. Wir fanden den Bus nicht sofort und so waren wir fast die letzten die einstiegen.
Unsere Fahrt dauerte etwa 45 Minuten, dann gingen wir zum Eingang und wurden auf die unterschiedlichen Sprachgruppen verteilt. Unser Begleiter sprach prima Deutsch. Es begann zunächst mit einem Abstieg auf einer Holztreppe, 600 Stufen hinunter.
Salzbergwerk in Wieliczka Das Salzbergwerk in Wieliczka ist der älteste Salzabbaubetrieb auf polnischem Boden, dessen Anfänge tief ins Mittelalter reichen. Über Jahrhunderte hinweg bildete es die Quelle für Reichtum des Landes und die materielle Grundlage für die Kultur. Heute gehört es zu den meist besuchten Touristenattraktionen in Polen. Der Jahrhunderte währende Salzabbau schuf die Ausrichtung der Abbauhohlräume so, wie sie heute zu besichtigen sind. Unter der Stadt verborgen, auf neun Ebenen angelegt, führen sie bis in eine Tiefe von 327 m. Das unterirdische Wieliczka - das sind Gänge auf einer Gesamtlänge von nahezu 300 km und an die 3000 Kammern. Der Besichtigungsteil umfasst eine ca. 3,5 km lange Strecke von 64 bis 135 m unter Tage.
Die wunderschönen Kapellen, die bezaubernden, unterirdischen Seen, die originellen Vorrichtungen und Gerätschaften, die noch sichtbaren Spuren der Bergbauarbeit, geben ein eindringliches Bild von Arbeit, Leidenschaft, Glauben der Menschen und deren Ringen mit den Naturgewalten. Die Bergleute aus Wieliczka hinterließen viele Dutzend Skulpturen und Reliefs.
Die Besichtigung dauerte etwa 3 Stunden, nach den ersten 600 Stufen kamen wir zunächst in zwar große, jedoch nicht so großartig geschmückte Kammern. Wir wanderten durch endlos erscheinende Gänge, anschaulich wurde anhand von Figuren die einzelnen Arten das Salzabbaus gezeigt vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Es ging immer weiter bergab, die Kammern wurden immer prächtiger, am schönsten die große Kathedrale, alle Skulpturen aus Salz, sogar die Kronleuchter.
Wir kamen noch an mehreren unterirdischen Seen vorbei und landeten schließlich in einer Kammer mit einem Andenkenladen. Daran schloss sich noch ein unterirdisches Restaurant, ich fand es etwas kahl und ungemütlich, aber man kann es auch für Feiern mieten. Im letzten großen Raum verabschiedete sich dann unser deutschsprachiger Begleiter und wir erkannten dann auch irgendwann den Reiseleiter aus dem Bus wieder, der versuchte, seine Gruppe wieder zusammenzufinden. Irgendwie gelang ihm dies und wir gingen noch mal durch einen endlos langen Gang, der zu den Fahrstühlen führte. Hier erst merkten wir das jede Menge Touristen unterwegs waren, denn bis wir zum hinauffahren an der Reihe waren, dauerte es noch über eine halbe Stunde. Wir fuhren wieder nach oben und gingen zu dem Parkplatz an dem unser Bus wartete.
Nachdem uns der Bus wieder am Florianstor abgesetzt hatte, gingen wir zurück zu unserem Auto und fuhren ins Hotel, aßen eine Kleinigkeit und machten uns dann wieder auf die Suche nach einer Kneipe und fanden schließlich ein recht nettes Lokal an der Endhaltestelle der Straßenbahn an ein kleinen und ziemlich toten Einkaufszentrum.
Irgendwie hatte das viele Salz wohl durstig gemacht.

nach oben

Mittwoch 25.06.2008

Nach dem Frühstück brachen Rolf und ich direkt auf und fuhren nach Oswiecim und fanden es auch ohne Navi völlig problemlos.
Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau war das größte deutsche Vernichtungslager während der Zeit des Nationalsozialismus. Es wurde 1941 drei Kilometer entfernt vom Stammlager Auschwitz I gebaut und befand sich nahe der Stadt Auschwitz im nach der militärischen Besetzung Polens errichteten Landkreis Bielitz. Der Name "Auschwitz" wurde zum Symbol für den gesamten Holocaust, den Völkermord an etwa sechs Millionen europäischen Juden. In die Konzentrationslager Auschwitz wurden insgesamt mehr als 1,3 Millionen Menschen aus ganz Europa deportiert. Davon wurden hier geschätzte 1,1 Millionen Menschen ermordet, eine Million davon Juden. Etwa 900.000 der Deportierten wurden direkt nach ihrer Ankunft in den Gaskammern ermordet oder erschossen. Weitere 200.000 Menschen wurden von der SS durch Krankheit, Unterernährung, schwerste Misshandlungen, medizinische Versuche oder die spätere Vergasung ermordet.

Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau

Heute sind von diesen Konzentrationslagern noch viele Teile erhalten bzw. originalgetreu ergänzt. Sie sind öffentlich zugänglicher Bestandteil des bekanntesten Museum in Oswiecim, dem Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau, Gedenkstätte des Holocaust (Shoa) und jüdischer Friedhof auf dem Gelände der beiden ehemaligen Konzentrationslager I und II. Dieses Museum ist zugleich Gedenkstätte, internationales Begegnungs- und ein wichtiges Holocaust-Forschungszentrum. Es wurde von der UNESCO unter dem Namen Auschwitz-Birkenau - deutsches nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager (1940-1945) zum Weltkulturerbe erklärt.
Es waren jede Menge Touristen unterwegs zum und im Konzentrationslager, was aber durch die Größe des Geländes etwas abgeschwächt wurde.
Da es sich nicht um ein Barackenlager handelt, sondern um feste Backsteinbauten, ist der erste Eindruck gar nicht so schrecklich, es wirkt fast wie eine nicht besonders schöne Arbeitersiedlung.

Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau Vernichtungslager Auschwitz II (Birkenau)

Betritt man dann jedoch die zur Besichtigung freigegebenen Gebäude, werden einem die Gräuel des Naziterrors im Konzentrationslager sehr schnell nahe gebraucht. Doch ich glaube, trotz des anschaulichen Materials im Museum, den Beschreibungen, den Bildern können wir uns das wirkliche Elend nicht vorstellen, es geht über die normale Vorstellungskraft hinaus. Wir hielten uns eine ganze Weile im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz I auf und fuhren dann noch zum zweiten Teil des Lagers nach Birkenau, ein noch viel größer wirkendes Gelände, das einmal voller Baracken stand, nur ein kleiner Teil wurde erhalten oder wieder aufgebaut. Hier handelte es sich um ein reines Vernichtungslager, die Menschen aus den ankommenden Zügen wurden fast alle sofort zu den Gaskammern gebracht.

Vernichtungslager Auschwitz II (Birkenau) Vernichtungslager Auschwitz II (Birkenau)

Weil ich in unseren Buch gelesen hatte, dass die kleine Stadt Oswiecim (Auschwitz) von den Touristenströmen völlig links liegen gelassen würde, aber doch auch sehenswert sei, beschlossen wir dort noch hinzufahren, denn wir wollten dort zu Mittag essen.
Am 4. September 1939 wurde die Stadt von der deutschen Wehrmacht besetzt. Im Oktober 1939 wurde Oswiecim und seine Umgebung unmittelbar dem Reich einverleibt. Dies stand im Gegensatz zu den meisten eroberten polnischen Gebieten, die als separate Verwaltungseinheit, das Generalgouvernement, zusammengefasst wurden. Am 30. November 1940 wurde die Stadt, die nun Auschwitz genannt wurde, Verwaltungsmittelpunkt des neuen gleichnamigen Amtsbezirks. Dieser bestand aus der Stadt Auschwitz und den umliegenden Gemeinden und war der Sitz des deutschen Amtskommissars. Mit der Einführung der Deutschen Gemeindeordnung (von 1935) galt in Auschwitz ab 1. April 1943 das so genannte Führerprinzip auf Gemeindeebene. Die Stadt gehörte nun nicht mehr einem Amtsbezirk an, sondern war bis zum Ende der deutschen Besatzungszeit 1945 einem deutschen Bürgermeister unterstellt.

Oswiecim (Auschwitz) Oswiecim (Auschwitz)

Der Powiat Oswiecimski wurde 1948 wieder eingerichtet. Zwischen 1975 und 1999 gehörte die Stadt zur Woiwodschaft Bielsko-Biala. Die durch die IG Farben von Häftlingen des KZ Auschwitz aufgebauten Buna-Werke wurden vom polnischen Staat übernommen und als Chemiewerke Oswiecim (heute: Dwory S.A.) zum größten Arbeitgeber des Ortes.
Im September 1945 lebten zwar wieder etwa 190 Juden in Oswiecim, die aber fast alle in den zwei folgenden Jahren emigrierten. Der einzige länger gebliebene jüdische Heimkehrer starb 2000 und wurde auf dem örtlichen jüdischen Friedhof beigesetzt. Es gibt derzeit keine hier ansässige jüdische Bevölkerung. Die einzige erhaltene Synagoge der Stadt wurde rekonstruiertund am 12. September 2000 wieder als Synagoge eröffnet.
In Auschwitz angekommen, stellten wir das Auto am Marktplatz ab und machten uns auf die Suche nach einem Restaurant. Wir fanden ein paar Pubs, wo es was zu trinken gab, eine Imbissbude, die nicht sehr einladend aussah und eine Pizzeria, die aber geschlossen hatte. Wir irrten noch etwas durch das etwas verschlafen wirkende Städtchen und gaben dann auf, gingen zurück zu unserem Auto und wollten nun nicht über die Autobahn zurückfahren, sondern auf der Landstrasse, wir dachten uns, dass es interessanter ist und hofften durch Orte zu kommen, wo wir vielleicht doch noch was zu essen fänden. Zu essen fanden wir nichts, nur leider eine Baustelle nach der anderen, die Strasse wurde dann jeweils einspurig und wir standen endlos lange an irgendwelchen Ampeln herum und interessant war die Strecke auch nicht.

Kazimierz ul. Jozefa Kazimierz ul. Jozefa

Irgendwann waren wir endlich doch wieder in Krakow und steuerten direkt den Stadtteil Kazimierz an, fanden dort auf Anhieb auch ein ansprechendes Restaurant und stillten erstmal unseren Hunger.
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts waren die Krakauer Bürger die Anführer einer mächtigen Rebellion, die gegen den damaligen Herrscher gerichtet war. Um künftig ähnliche Überraschungen zu vermeiden, gründete 1335 König Kasimir der Große, in einer geräumigen Weichselbiegung eine separate Stadt, die im Laufe der Zeit die Funktionen der Hauptstadt übernehmen sollte. So entstand der heutige Stadtteil Kazimierz.
Hier wurde die Krakauer Akademie gegründet, eine Universität, die später im mittelalterlichen Europa große Berühmtheit erlangte, und stattliche Kirchen erbaut. Mit der Zeit ließ jedoch der Zorn des Herrschers auf Krakau nach, zum anderen stellte sich heraus, dass ein erheblicher Teil des Gebiets von Kazimierz durch Hochwasser gefährdet ist, was den weiteren Ausbau stocken ließ. Kazimierz wurde nicht zu Ende gebaut. Als 1495 den Juden verboten wurde, im Stadtgebiet von Krakau zu wohnen, konnten sie sich in Kazimierz ungehindert niederlassen. Auf diese Weise entstand die einzige Stadt in der damaligen Welt, die durch Juden regiert wurde, nur und alleine dem König untertan war, über ihre eigene Selbstverwaltung verfügte und mit einer Mauer umschlossen war.

Kazimierz Tempel Synagoge Kazimierz Tempel Synagoge

Jahrhunderte lang blieb Kazimierz eine Stadt für sich und wurde erst gegen Ende des 18. Jh. an Krakau angeschlossen. Später ordneten die Österreicher den Abbruch der Mauer um die jüdische Stadt an und erlaubten den Juden, sich im gesamten Gebiet von Kazimierz, später auch in Krakau, niederzulassen. Bald zogen alle wohlhabenderen Juden ins Stadtzentrum um, es blieben nur die Armen. Nicht weniger interessant entwickelte sich der christliche Teil von Kazimierz. Schon in der Zeit des Mittelalters und der Renaissance entstanden hier zahlreiche Werkstätten, wobei die Handwerker niedrigere Mieten als in Krakau zu zahlen hatten.
Im 17. Jahrhundert brach die Konjunktur zusammen. Warschau wurde Hauptstadt , wodurch Krakau die Aufträge des Königshofs verlor. Besonders hart traf es dabei die Handwerker von Kazimierz. Später folgten die Schwedenkriege. Fremde Truppen durchzogen das polnische Territorium. Als Polen dann geteilt wurde, gehörte Kazimierz mit der ganzen Region zur österreichischen Monarchie. Von nun an war es ein provinzieller, heruntergekommener Vorort Krakaus.
Nach der kurzen Freiheitsperiode in den 20-er und 30-er Jahren des 20. Jh. kam die deutsche Besatzung und der Holocausts. Die Bewohner kamen in den deutschen Konzentrationslagern von Plaszów und Auschwitz ums Leben. Die Gebäude von Kazimierz wurden jedoch nicht zerstört.
Heute ist Kazimierz wieder ein Treffpunkt verschiedener Kulturen und Völker. Die Krakauer haben beschlossen, diesen Ort der Geschichte zu erhalten. Die Wiederherstellung von Kazimierz trägt dazu bei, dass der Stadtteil von Menschen aus der ganzen Welt besucht wird. Es scheint, als würde Kazimierz nicht unter Kasimir dem Großen, sondern gerade jetzt seine Blütezeit erleben.

Kazimierz Kazimierz

Nachdem wir nun satt waren und uns umschauten, bemerkten wir, dass wir uns in einer der bekanntesten Strassen von Kazimierz befanden, der ul. Józefa. Diese Straße, früher Jüdische Straße genannt, trägt heute den Namen, den ihr die Österreicher zu Ehren ihres Kaisers Josefs II. gaaaben. Dieser Herrscher, der nach der ersten Teilung Polens den Stadtteil Kazimierz von Krakau abtrennte, wohnte am Anfang dieser Straße. Heute ist die Józefa-Straße für ihre künstlerische Atmosphäre bekannt. Hier befinden sich zahlreiche Galerien alter und zeitgenössischer Kunst sowie Antiquariate und Andenkenläden.
Unser Restaurant befand sich direkt gegenüber der Hohen Synagoge aus dem 16. Jh. Der Name stammt daher, weil sich der Gebetsraum nicht im Erdgeschoss, sondern im ersten Stock befindet. Von seiner reichen Einrichtung ist nichts erhalten geblieben. Die Synagoge wurde während der schwedischen "Sintflut" und erneut im 2. Weltkrieg schwer beschädigt, nach dem Kriege waren hier Werkstätten für die Denkmalpflege untergebracht. Im Erdgeschoss ist heute ein recht großer jüdischer Buchladen, eine Riesenauswahl an Büchern, nicht nur über den Holocaust, auch sehr viele Bücher auf Deutsch. Wir besichtigten zuerst den Gebetsraum und danach stöberten wir noch im Buchladen.
Wir wollten noch mehr von Kazimierz sehen, schlenderten durch die Straßen, schauten noch in die eine oder andere Synagoge, aber irgendwie hatten wir wohl die falsche Tageszeit oder den falschen Tag erwischt, es wirkte alles eher wie ausgestorben, die meisten Restaurants und Cafés hatten geschlossen und so brachen wir dann unseren Rundgang ab und fuhren weiter zu unserem Hotel.
Dort trafen wir auch wieder auf Gabi und Hannes und gemeinsam gingen wir wieder zur Kneipe an der Straßenbahnhaltestelle, wir wollten uns das Halbfinalspiel Deutschland gegen die Türkei ansehen.
Das Spiel war recht spannend, der 3:2-Endstand gelang erst in der in der 90. Minute.
Die mit uns zusammensitzenden Polen teilten sich in zwei Lager, die einen für Türken, die anderen für Deutschland, die Türkenfreunde verließen das Lokal murrend nach dem deutschen Sieg, die anderen tranken mit uns einen Wodka. Wir blieben dann auch nicht mehr lange und gingen zurück zu unserem Hotel.

nach oben

letzte Änderung: 17.04.2016 · Copyright © 2003 - 2017 by Angelika Rosenzweig