Flagge Griechenland

Reisebericht Kreta 1995
Agia Marina

Flagge Griechenland

Sonnabend 16.09.1995

Kreta Karte mit Agia Marina Wir flogen pünktlich um 6:00 in Berlin ab und kamen ebenso pünktlich um 10:15 Ortszeit in Iraklion an. Nach Geld tauschen und Gepäck einfangen gingen wir direkt zum Mietwagenschalter. Sie hatten auch ein Auto, ich sollte es auf dem Parkplatz holen gehen. Das wollte ich auch tun, aber leider ließ sich der Sitz nicht so weit nach vorne stellen, dass ich mit den Füßen an die Pedale kam und außerdem saß ich so tief, dass ich die Unterkante der Frontscheibe etwa in Augenhöhe hatte. Also wieder zurück und versucht den Menschen klar zu machen, dass das mit dem Auto nicht geht, sie verstanden erst, das Auto sei zu klein, aber nach vielem hin und her, gelang es mir ihnen zu erklären, dass nicht das Auto, sondern ich zu klein sein, es gab Gelächter und wir bekamen ein anderes Auto, einen kleinen Mazda 121, sehr sympathisches Auto.
Etwa auf halber Strecke zwischen Iraklion und Rethimnon liegt der kleine Ort Bali, in der Antike ein bedeutender Hafen, dann ein kleiner Fischerort, heute ein etwas gesichtsloser Touristenort. Wir fanden aber eine nette Taverne und aßen unseren ersten griechischen Salat, denn es war inzwischen Mittagessenzeit. Dann fuhren wir weiter, unser Ziel war Agia Marina.

Strand in Agia Marina unsere Unterkunft in Agia Marina

Der touristisch recht lebhafte Ort Agia Marina liegt westlich von Chania an der Nordküste. Zusammen mit seinem Nachbarort Platanias bietet er so etwas wie die Gegend zwischen Chersonissos und Malia "mit anderen Mitteln".
Der Strand ist schön, aber schmal und das Wasser ist sehr lange sehr flach, was ich als sehr angenehm empfinde. Ein Nachteil, der Ort erstreckt sich entlang der Durchgangs-straße, dort findet auch das abendliche Flanieren statt, was wegen des Autoverkehrs nicht unbedingt das Gelbe vom Ei ist.
Ziemlich am Anfang des Ortes fanden wir eine kleine Pension, fast direkt am Wasser gegenüber vom Hotel Mithos, leider weiß ich den Namen nicht mehr. Es gab nur ein paar Appartements, oder auch Studios, wie es auf Kreta heißt. Wir richteten uns ein und machten dann noch einen kleinen Erkundungsgang, aßen dann im Hotel Mithos zu Abend und bekamen zum Abschluss noch einen Ouzu "from the house". Dann saßen wir noch auf unserer kleinen Terrasse, der Tag war lang gewesen und wir gingen früh ins Bett, allerdings war das keine gute Nacht, denn die Mücken trieben ihr Unwesen.

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Sonntag 17.09.1995

Kreta Karte mit Moni Gonias Um 7:00 hatten wir genug von den Mücken und standen auf. Schräg gegenüber war ein kleiner Lebensmittel-und-alles-was-man-so-braucht-Laden und wir kauften unser Frühstück dort ein, was wir dann auf der Terrasse verspeisten. Dann ging es ab zum Strand, wir mieteten zwei Liegen und Schirm und genossen das Faulenzen. Das Mittagessen fand dann in einer Strand-Taverne statt, um 14:00 hatten wir vom Strandleben genug. Wir spazierten also noch ein wenig durch den Ort, tranken unterwegs einen Kaffee und wollten dann doch noch was unternehmen, also fuhren wir zum Kloster Gonias.
Kloster Gonias Das traumhaft direkt am Meer gelegene Kloster Moni Gonias wurde zwischen 1618 und 1634 erbaut und beherbergt heute ein hervorragendes Ikonenmuseum mit Werken aus dem frühen 13. bis 18. Jh. gute Repliken können am Eingang zur Kirche erworben werden. In der Kirche selbst befindet sich u.a. eine Ikone mit Darstellung des Jüngsten Gerichts von Papadopoulos aus dem Jahre 1792 und in der Ikonostase eine Reihe von Ikonen aus dem späten 17. Jh. In der alten Anlage mit einem liebevoll gepflegten Gärtchen leben heute noch ein paar Mönche.
Vor allem Einheimische besuchen diesen Ort, der ein bedeutendes Widerstandsnest war. Bereits die Türken hatten ihre liebe Mühe mit den widerspenstigen Mönchen und zerstörten deshalb den Komplex mehrmals - 1645, 1822, 1841 und 1867. Beim letzten Angriff wurde leider auch die wertvolle Bibliothek vernichtet. An jene Zeiten erinnern Kanonenkugeln in der Kloster-Ostwand. Nach dem Angriff der Deutschen auf Kreta im Zweiten Weltkrieg beteiligten sich die Mönche erneut am Widerstand. Das Kloster wurde daraufhin von deutschen Truppen besetzt, die Mönche wurden zunächst zum Tode verurteilt, dann jedoch begnadigt. Sie unterstützten daraufhin die Besatzer beim Aufbau eines Lazaretts im Kloster und richteten einen Friedhof für die gefallenen deutschen Soldaten ein, der bis zur Eröffnung des Ehrenfriedhofs Maleme in Gebrauch war.
Da wir keine Lust hatten noch einmal essen zu gehen, zehrten wir von den im Überfluss gekauften Frühstücksvorräten und aßen auf unserem Balkon, saßen dann da den Abend dort herum und gingen irgendwann schlafen.

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Montag 18.09.1995

Kreta Karte mit Chania Um 9:00 fuhren wir nach Chania, was von Agia Marina nicht weit entfernt ist.
An der Stelle des heutigen Chania lag einmal das antike Kydonia und blieb relativ autonom, bis im 9. Jahrhundert die Araber Chania eroberten. Allerdings ist von ihrer Zeit in der Stadt nichts mehr zu erkennen, erst die späteren Herren Kretas, die Venezianer, putzten Chania heraus. Noch heute sind an allen Ecken und Enden die Relikte der venezianischen Zeit erkennbar. Unter den Venezianern war das heutige Viertel Kastelli (östlich des Hafens) das Stadtzentrum.
Dem türkischen Ansturm 1645 konnte Chania nicht standhalten. Aus der türkischen Zeit stammt die Janitscharen-Moschee am Hafen und ein Minarett unweit der Markthalle. 1898 mußten die Türken die Insel räumen, der Hochkommissar der Großmächte, Prinz Georg, machte Chania zur Inselhauptstadt. Sie blieb es bis 1971, dann trat Iraklion an ihre Stelle. Der Aufstand der Kreter gegen Prinz Georg ging von Chania aus, unter Führung des kretischen Nationalhelden Elevtherios Venizelos forderten die Kreter den Anschluss ans griechische Mutterland.

alter venezianischer Hafen in Chania

Während des Zweiten Weltkriegs war der Bezirk Chania das am meisten umkämpfte Gebiet. Beim Flughafen Maleme westlich der Stadt gelang es den deutschen Invasionstruppen zuerst, Fuß zu fassen. Mit der Eroberung des Flughafens war auch der Nachschub gesichert und der Fall der Insel trotz heftigen weiteren Widerstandes der Kreter nur eine Frage der Zeit.
Die Altstadt von Chania ist nicht sehr groß, zahlreiche Häuser aus venezianischer Zeit und Reste der venezianischen Stadtmauer sind erhalten geblieben. Am alten (venezianischen) Hafen stehen noch 9 von ehemals 23 großen Hallen, ehemalige venezianische Arsenale, die heute als Ausstellungsräume benutzt werden.
Irgendwo wurden wir unser Auto los, d.h. wir fanden einen Parkplatz, was in Chania auch wohl eher einem Lottogewinn gleichkommt. Es war zwar ein Stückchen zu laufen, aber so groß ist ja Chania auch wieder nicht.

am alten Hafen in Chania Markthalle in Chania

Zuerst besuchten wir den alten Hafen und schlenderten dann durch die vielen Gassen und Gässchen. Auch der obligatorische Besuch der Markthalle war natürlich dabei.
Die zentrale Markthalle der Stadt wurde kreuzförmig nach Marseiller Vorbild gebaut. In den vier Kreuz-Armen werden unterschiedliche Waren verkauft: in einem Fisch und Fleisch, in einem Gemüse, Eier und Geflügel; in einem Brot, Wurst und Käse, in einem alles mögliche. Leider sind in den letzten Jahren auch immer mehr Touristenkramstände dazu gekommen und so sieht man immer wenige Einheimische, die hier einkaufen und immer mehr Touristen, vor 10 Jahren war es umgekehrt.
Zwischen den Ständen auch ein paar kleine Lokale, in die die Marktleute selbst einkehren, auch wir bekamen langsam Hunger. Wir dachten uns, wenn da Einheimische essen, muss es gut sein und so war es auch. Es wirkte zwar etwas schmuddelig, aber das Essen war völlig in Ordnung und es schmeckte.
Wir liefen noch ein wenig herum, tranken am Hafen noch einen Kaffee, natürlich griechischen und völlig überteuert und suchten und fanden dann auch irgendwann unser Auto wieder und fuhren zurück nach Agia Marina, wo wir gegen halbdrei ankamen. Nach der ganzen Herumlauferei war uns etwas staubig und so gingen wir doch noch an den Strand und ins Wasser, das wirklich herrlich warm war. Zu Abend aßen wir in einem Lokal, das direkt am Strand lag und saßen dann wieder auf unserem Balkon herum.

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letzte Änderung: 17.04.2016 · Copyright © 2003 - 2017 by Angelika Rosenzweig