Flagge Griechenland

Reisebericht Kreta 1995
Pitsidia

Flagge Griechenland

Freitag 29.09.1995

Kreta Karte mit Pitsidia Wir verließen Ierapetra Richtung Westen. Die asphaltierte Straße führte uns bis ins 15 KM entfernte Myrtos immer am Meer entlang. Die Gegend ist allerdings nicht besonders schön, denn überall stehen die hässlichen Plastik-Gewächshäuser, Der erste etwas hübschere Ort ist Myrtos. Hinter Myrtos führt die Straße dann vom Meer weg in die Berge, sie wird immer kurvenreicher und enger, die Ausblicke werden immer beeindruckender. Wir kamen durch den malerischen Ort Ano Vianos, die Straße stieg noch weiter an, alles war grün fast schon ein richtiger Wald.
Kurz hinter Kato Vianos hatten wir dann die höchste Stelle erreicht und es ging nur noch bergab. In Martha verließen wir die Straße, die nach Iraklion führt, denn wir wollten nach Pitsidia. Irgendwann hörte allerdings die Straße einfach auf, wir landeten in einem kleinen Ort auf einem Feldweg, der aber doch irgendwie die richtige Richtung hatte, also fuhren wir weiter. Da es überhaupt keine Schilder mehr gab, die Straße auch nicht so recht vorhanden schien, hatten wir schon echte Bedenken, dass wir uns verfahren hätten. Irgendwann kamen wir an einer Tankstelle vorbei und ich fragte nach dem Weg, irgendwie schienen wir doch richtig zu sein. Genauso unvermittelt wie die Straße aufgehört hatte fing sie wieder an und wir kamen über Agia Deka und Mires nach Pitsidia.

Kostas Kafeneon in Pitsidia Acropol in Pitsidia

Pitsidia liegt im Süden Kretas in der Messara-Ebene, links neben der Straße nach Matala, etwa 6 km davor. Im Gegensatz zu Matala ist Pitsidia noch vergleichsweise ruhig und verschlafen, keine großen Hotels. Auch ist es den "Pitsidianern" gelungen, den alten Ortscharakter trotz mehrerer neuer Tavernen zu erhalten, es ist zum Teil sogar noch schöner geworden.
Alte fast verfallene Häuschen werden von diversen Ausländern erworben und liebevoll restauriert. Im Vergleich zu 1982, als ich das erste Mal dort war, ist Pitsidia richtig groß geworden, aber der alte Ort wurde nicht zerstört, sondern neue Häuser drumherum gebaut.
Wir wohnen seit Jahren immer bei Georgio und Souboulia im Akropol, einem Restaurant direkt an der Bushaltestelle, das aufgestockt wurde und so auch ein paar einfache, aber blitzsaubere Zimmer anbietet. Die Küche im Akropol ist noch richtig griechisch, nicht der von vielen Touristen gewünschte Grillteller, sondern gefüllte Tomaten, Bohnen mit Kartoffeln, Huhn in Zitronensoße usw. und das beste Zaziki der Welt.
Den Rest des Tages passierte nicht mehr viel, wir gingen durch den Ort, Leute begrüßen und nachsehen, was sich verändert hat.

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Sonnabend 30.09.1995

Kreta Karte mit Mires Nach dem Frühstück gegen 10:00 fuhren wir nach Mires. Mires ist das Verwaltungszentrum der Messara-Ebene, ein lebendiges Städtchen, Knotenpunkt der Busse und Schulstadt. Jeden Sonnabend ist Markt, ein Teil mit Obst und Gemüse, das die Bauern aus den umliegenden Dörfern verkaufen, ein Teil mit Klamotten aller Art, neu oder gebraucht. Außerdem gibt es Fisch, Käse, Honig, lebende Hühner und Küken und vieles mehr.
Wir schlenderten über den Markt, der wie immer sehr voll war. Als Mitbringsel kauften wir Honig vom Fass, der bei Honigkennern meines Freundeskreises sehr beliebt ist. Aus Mires wieder zurück wollten wir noch zum Strand, denn das Wetter war wieder ganz schön.

auf dem Markt in Mires Blick auf dei Bucht von Messara

Wir fuhren in Richtung Matala und bogen am Campingplatz rechts ab. Auf einem ziemlich schlechten Feldweg kann man bis zu einer kleine Kapelle oberhalb vom Komos Strand fahren, der Rest ist ein sehr steiler Abstieg, der nur zu Fuß zu bewältigen ist. Ganz in der südlichsten Ecke des Strandes steht eine kleine Blechhütte in der ein alter Grieche namens Elia so etwas wie ein Taverne eingerichtet hat. Aber er bewirtete nur Leute, die er leiden konnte. Eigentlich lebte er in Mires, aber den Sommer verbrachte er am Strand, verkaufte selbstgemachten Krassi und Raki, und wen er ganz gut leiden konnte, dem machte er auch was zu essen. Man konnte sich nichts aussuchen, es wurde gegessen, was auf den Tisch kam, aber es war immer sehr lecker. Leider gehört dieses Kapitel inzwischen der Geschichte an, 1998 hat er sein Büdchen aus Altersgründen aufgegeben. Im Jahr 2001 war ich noch einmal in seinem Haus in Mires, aber dort wohnen jetzt fremde Leute, ich vermute, er ist gestorben. Leider war Elia auch dieses Mal nicht am Strand, denn er beendete die Saison meist Mitte September.

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Sonntag 01.10.1995

Kreta Karte mit Agia Galini Da ich zwar schon oft in Kreta gewesen war, aber noch nie in Festos, beschlossen wir endlich einmal dorthin zu fahren, von Pitsidia aus ist es auch nur ein Katzensprung, nur knapp 10 km.
Die Ausgrabungen des Palastes von Festos liegt auf dem einzigen Hügel zwischen Pitsidia und Mires. Im Gegensatz zu den Ausgrabungen von Knossos wurde hier nicht rekonstruiert, sondern so belassen, wie es ausgegraben wurde. Auf diese Weise ist die Anlage zwar authentisch, aber dafür auch nicht so eindrucksvoll und die Phantasie des Besuchers wird herausgefordert, denn es ist schon recht schwer sich vorzustellen wie es einmal ausgesehen hat. Auch hier möchte ich die Anlage nicht näher beschreiben, das kann man auch wieder überall nachlesen.

Palast von Festos Blick auf die Messara Ebene von Festos

Da wir jetzt nach Agia Galini wollten, kamen wir an dem kleinen Dorf Vori vorbei, das direkt neben der Straße von Festos bzw. Mires nach Timbaki liegt. Wir hatten gehört, dass es in Vori ein kleines Volkskundemuseum gibt, also verließen wir die Hauptstraße und fuhren in das Dorf und fanden auch das kleine Museum. Hier sind viele Dinge des Alltags ausgestellt, wie sie früher benutzt wurden.

Agia Galini Agia Galini

Anschließend fuhren wir weiter nach Agia Galini, seit vielen Jahren ein beliebtes Touristenziel. Agia Galini liegt sehr hübsch am Hang, das ursprünglich Fischerdorf ist den Hang "hinaufgewachsen", die Häuser drängen sich an kleinen Gassen, auch wurde hie nicht der Fehler gemacht riesige Hotelklötze hinzustellen (dazu war wohl auch zu wenig Platz). Das Ganz sieht sehr malerisch aus und man kann die Touristen schon verstehen. Jetzt Anfang Oktober wirkte Agia Galini recht verschlafen, aber es hatten noch jede Menge Tavernen geöffnet, so nach dem Motto kommt ein Tourist zum Essen, ist das schön, wenn nicht macht es auch nicht viel. So hatten wir die freie Auswahl und waren dann zum Mittagessen auch die einzigen Gäste. Nach Essen und Kaffe fuhren wir wieder zurück, aber noch weiter bis Matala, denn wir wollten noch sehen, ob sich da was verändert hat.

Matala Matala

Matala liegt eingebettet zwischen mächtigen Sandsteinschollen in einer breiten Bucht. An den nördlichen etwa 40 Meter hohen Felshängen sind die berühmten Höhlenwohnungen der Jungsteinzeit zu finden.
In den 60'er Jahren wurden die Höhlen von Hippies entdeckt, die sich dort einquartierten, von den Bewohnern Matalas gerade so geduldet, ihnen folgten in den Siebzigern Scharen von Rucksacktouristen, die auch alle in den Höhlen und am Strand schliefen, aber auch ihren Müll und Dreck überall herumliegen ließen. Nun entstanden die ersten Tavernen und Pensionen, denn es folgten die Individualtouristen, die ein Bett dem Strand vorzogen. Inzwischen wurden dann die Höhlen eingezäunt und durften nicht mehr betreten werden, um eine völlige Verwahrlosung und auch Zerstörung zu verhindern. In den Neunzigern wurden die Höhlen gesäubert, restauriert und sind heute gegen Eintritt zu besichtigen.

Matala Blick auf Pitsidia von der Strasse nach Matala

Die kleine Bucht wurde nach und nach ziemlich zugebaut, in den frühen Achtzigern wurden sogar die Bäume gefällt um mehr Platz zu gewinnen. Dann folgten die Pauschaltouristen und Matala platzte aus allen Nähten und zieht sich heute schon das ganze Tal hinter der Bucht entlang, mit neuen Hotelbauten, die allerdings alle nicht höher als zweistöckig sind, und so die Landschaft nicht allzu sehr verschandeln.
Die Einsamkeit findet man heute in Matala nicht mehr, aber doch noch verträumte Ecken, wie zum Beispiel eine kleine Felsenkirche am Südhang und kleine alte Häuschen, wenn man sich etwas von den Andenkenläden wegbewegt. Tagsüber werden die Tagestouristen aus dem Norden am Strand "ausgekippt", verschwinden aber spätestens um 17:00 wieder. Dann ist es nur noch halb so voll und der Charme und die Schönheit der Bucht sind dann in der Abendstimmung wieder zu erkennen.

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Montag 02.10.1995

Am späten Vormittag fuhren wir noch einmal nach Mires, denn wir wollten versuchen Elias Haus wiederzufinden, denn dummerweise hatte ich mir die Adresse nicht gemerkt, sondern wusste nur noch so ungefähr, wo sein Haus liegt. Es war aber kein Problem, wir fanden es fast auf Anhieb. Er war auch zuhause und freute sich mächtig uns zu sehen. Unverzüglich kam der Raki und etwas zu knabbern auf den Tisch und wir mussten zur Begrüßung anstoßen. Die Unterhaltung war allerdings etwas zäh, Elias Deutsch beschränkte sich auf ein paar Worte, mein Griechisch ist auch nicht viel besser, aber irgendwie konnten wir doch unsere Grüße von Freunden loswerden.

Blick auf Pitsidia und die Kirche Abendstimmung auf dem Dorfplatz in Pitsidia

Wieder zurück in Pitsidia machten wir noch einen ausgedehnten Spaziergang durch den Ort. Jedesmal entdecken wir neue fotogene Plätzchen, auch wenn ich dann manchmal feststellen muss, dass ich so ein Bild dann doch schon habe

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Dienstag 03.10.1995

Kreta Karte mit Kalamaki Da nicht mehr so das rechte Badewetter war, entschlossen wir uns zu einem Spaziergang nach Kalamaki. Den Hinweg wählten wir über Kamilari, ein malerisches Dorf, das wie Pitsidia nicht direkt am Wasser liegt Kalamaki ist eigentlich kein Dorf, sondern eine Ansiedlung am Meer. Zu der Zeit gab es in Kalamaki nicht mal ein Übernachtungsmöglichkeit, sondern nur ein paar Häuschen und 2 Tavernen. Inzwischen sieht es dort ganz anders aus, es gibt eine Strandpromenade mit kleinen Hotels und Pensionen, und jede Menge Tavernen mit Tischen und Stühlen auf der Promenade. Man sitzt dort direkt am Strand wirklich sehr nett, der Strand ist schön, es ist noch nicht überlaufen, eine gute Alternative zu Matala oder Agia Galini, wenn man es etwas ruhiger mag.

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Mittwoch 04.10.1995

Kreta Karte mit Rethimnon Heute wollten wir und Rethymnon ansehen. Wir fuhren am Vormittag los und nahmen die Straße über Spili. Rethymnon ist die Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks und außerdem Universitätsstadt. Sie liegt an der Nordküste zwischen Chania und Iraklion. Östlich von Rethymnon gibt es gibt es schöne Sandstrände.
Rethymnon ist eine sehr sehenswerte Stadt, es gibt Bauwerke aus der Zeit der Venezianer und aus der Zeit der Türkenherrschaft zu sehen. Vor den Venezianern waren hier noch die Römer, die Byzantiner und auch die Araber, aber aus dieser Zeit sind keine Bauwerke erhalten.

venezianisches Kastell in Rethimnon Blick vom Kastell auf Rethimnon

Hier gibt es auch wieder ein venezianisches Kastell. Nachdem 1571 die Türken die Stadt verwüstet hatten, wurde von den Venezianern zwischen 1573 und 1580 ein neues Kastell, auch Fortezza genannt, gebaut, groß genug, dass alle Bewohner der Stadt Zuflucht finden konnten.
Unser erster Besichtigungspunkt war auch dieses Kastell. Leider ist innerhalb des Kastells nicht mehr sehr viel erhalten, aber der Ausblick von dort oben über die Stadt ist wunderschön. Nachdem wir uns ziemlich lange im Kastell aufgehalten hatten, suchten wir uns zunächst eine Taverne um etwas zu essen. Anschließend schlenderten wir durch die wunderschöne Altstadt. Es gibt sehr viele, gut restaurierte venezianische Häuser mit schönen Portalen und als Kontrastprogramm etliche recht gut erhaltene Minarette und Moscheen. Irgendwann am späten Nachmittag hatten wir dann müde Füße und fuhren zurück nach Pitsidia.

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Donnerstag 05.10.1995 - Sonnabend 07.10.1995

Die letzten zwei Tag passierte nichts Besonderes mehr, wir verbrachten die Zeit in Pitsidia und Matala, genossen das gute Essen im Akropol und waren eigentlich ziemlich faul. Gegen Mittag am 7.Oktober brachen wir von Pitsidia auf und fuhren nach Iraklion. Dort liefen wir noch ein wenig durch die Straßen, aßen auch dort recht lecker zu Mittag. Unser Rückflug war pünktlich und so landeten wir um 21:15 wohlbehalten in Berlin.

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letzte Änderung: 17.04.2016 · Copyright © 2003 - 2017 by Angelika Rosenzweig