Flagge Indien

Reisebericht Nordindien 1989
Delhi

Flagge Indien

Freitag 13.10.1989 - Sonnabend 14.10.1989

Indienkarte Karte mit Delhi Die Abreise gestaltete sich mit Hindernissen. Nach fürchterlich frühem Aufstehen (5:00) ging beim Schließen des Schlafzimmerfensters dieses zu Bruch, dann vergaß Bernd noch seine Dritthose. Vor der Landung in Frankfurt kreiste der Flieger eine halbe Stunde in einer Warteschleife bei Fulda. Die Schlange zum Flieger nach Delhi war endlos und so auch die Ansteherei, dann gab's nur noch Nichtraucherplätze. Nach dem Einsteigen in den Flieger nach Delhi (planmäßig 11:30), stand er noch 3 Stunden rum, Abflug endlich 14:30.
Wir hatten auf einen Raucher-, aber doofen Mittelplatz getauscht. Ich saß neben einer dünnen, aber sehr hampeligen Oma, ich wollte sie schon fragen, ob sie auf den Schoß will, oder ob ich ihr die Hälfte von meinem Platz abgeben soll. Zwischendurch hatte sie auch mal kurzfristig ihre Zähne in der Hand. Nach schier endlos erscheinendem Flug landeten wir in Delhi um 22:00 nach unserer, um 1:30 nach indischer Zeit.
Bis wir durch die Paßkontrolle durch waren, dauerte es noch mal 2 Stunden. Endlich draußen, kauften wir am Tourist-Office-Schalter erstmal Busfahrkarten, im Bus stellte sich dann heraus, dass es die falschen waren und wir kauften noch einmal Busfahrkarten. Der Bus war eine Klapperkiste mittlerer Güte und es dauerte noch einmal 40 Minuten, trotz zügiger Fahrt (taxijagenderweise), dafür hielt der Bus direkt vorm York Hotel. Mein Brief mit der Zimmerbestellung war dort nicht angekommen, aber sie hatten trotzdem ein Zimmer, sogar oben im 2. Stock nach vorne raus zur Terrasse. Um 6:00 lagen wir endlich im Bett.
Um 13:00 standen wir wieder auf, und nahmen unser "Frühstück" im York-Restaurant ein, ziemlich fader Fried Rice, zum faden Appetit passend. Dann lungerten wir wegen Regens bis 15:00 auf der Terrasse herum, machten uns dann aber auf den Weg zum Janpath und spazierten bis zum Pan Am Büro, um unseren Rückflug zu "reconfirmieren". Am Eingang fand ein regelrechter "Check-in" statt und unter viel Gekicher mußten wir unsere Schweizermesser abgeben, erhielten sie aber beim Verlassen des Gebäudes wieder zurück. Der Rückweg zum York's führte uns über das Jantar Mantar.

Jantar Mantar in Delhi Jantar Mantar in Delhi

Das Jantar Mantar ist einer der vielen Observatorien, die der Maharadscha Jai Singh II. erbauen ließ. Jantar Mantar fällt nicht nur durch die Farbe ins Auge, sondern auch durch die besondere Ansammlung der einzelnen "Gebäude". Der Herrscher von Jaipur erbaute diese lachsfarbenen Observatorien im Jahr 1724. Eine riesige Sonnenuhr, die unter der Bezeichnung "Prince of Dials" bekannt ist, zieht das Augenmerk der Besucher besonders auf sich. Man kann sich aber auch noch allerlei astronomisches Gerät anschauen, dessen Bedeutung uns allerdings verborgen blieb.
Zurück im Hotel verbrachten wir die Zeit bis zum Abendessen wieder auf der Terrasse. Zum Abendessen trauten wir uns um 19:00 trotz des faden Frühstücks wiederum ins York's Restaurant, diesmal wurden wir von Chicken Tikka und Tandoori Chicken nicht enttäuscht. Das Abendschlummerbier nahmen wir wieder auf der Terrasse.

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Sonntag 15.10.1989

Aufstehen um 8:30, Frühstück auf der Terrasse, das obligatorische in Fett schwimmende Fried Egg mit matschigem Toast und etwas streng schmeckendem Kaffee. Gegen 10:00 brachen wir zum Bahnhof auf, aber es waren alle Buchungsstellen geschlossen. Da quatschte uns ein Sikh an und zeigte uns das Tourist-Office, das war aber ebenfalls geschlossen. Er trottete aber weiterhin mit uns mit. Als wir nun unschlüssig vor dem Bahnhof standen, teilte er uns mit, dass er auch rein zufällig eine Motorrikscha habe und bot uns eine Stadtrundfahrt für 300 Rs an. Es erschien uns etwas teuer, aber wir gingen trotzdem darauf ein.
Nachfolgend eine kurze Beschreibung der einzelnen Punkte der Stadtrundfahrt:

Laxmi Narayan Tempel in Delhi Laxmi Narayan Tempel in Delhi

1.) Laxmi-Narayan-Tempel: Dieser auffällige Tempel im Westen des Connaught-Place wurde erst 1938 von dem Industriellen Birla erbaut. Er ist dem Gott Vishnu und seiner Gefährtin Laxmi geweiht. Laxmi ist die Göttin des Wohlstandes. Auffallend die vielen Hakenkreuze an diesem Tempel, das Symbol des sich drehenden Sonnenrades.
2.) Mahatma-Gandhi-Memorial und Indira-Gandhi-Memoriel: Gedenkstätten an den Verbrennungsplätzen, gut besucht von überwiegend indischem Publikum und recht interessant.
3.) Rashtrapati Bhavan : Dies ist die offizielle Residenz des Präsidenten von Indien. Sie liegt auf dem Raisini Hill. Fertiggestellt wurde dieser Gebäudekomplex erst 1929. Zu dem palastähnlichen Haus gehört ein eleganter Mogulgarten, der 130 Hektar groß ist. Vor der Unabhängigkeit Indiens wohnte hier der Vizekönig. Lord Mountbatton, Indiens letzter Vizekönig, hatte einen ganzem Stab von Personal um sich, um die 340 Räume dieser Residenz in Ordnung zu halten, ganz zu schweigen von dem Gartenarbeiten. Hierzu benötigte er allein 418 Gärtner, unter ihnen waren 50 Jungen, deren Aufgabe es war, die Vögel zu verscheuchen.

Parliament House Grabmal des Safdarjang in Delhi

4.) Parliament House: Am Ende der Sensad Marg/ Parliament Street und nördlich des Rajpath steht das indische Parlament. Es war ein Schlüsselelement bei der Planung von Neu Delhi. Zieht man nämlich eine Linie vom Parlament entlang der Parliament Street und mitten durch den Connaught Place, dann führt sie mitten durch die Jami Masjid. Das Parlamentsgebäude selbst ist ein Rundbau mit Kolonnaden, der Durchmesser beträgt 171 m.
5.) Das Grabmal des Safdarjang : Neben dem kleinen Flughafen Safdarjang, auf dem der Sohn von Indira Gandhi 1980 bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam, liegt das Grabmal des Safdarjang. Der Nabob von Oudh ließ es 1753-l54 für seinen Vater Safdarjang erbauen. Dieses Bauwerk ist eines der letzten Beispiele für die Architektur der Mogulzeit, bevor dann später alles zusammenbrach.
Qutb Minar 6.) Der Komplex Qutab Minar : 15 km entfernt von Delhi liegt dieser Gebäudekomplex. Alle Bauten stammen aus der Anfangszeit der moslemischen Herrschaft über Indien. Mit dem Bau der Moschee Qutab Minar wurde sofort nach der Unterwerfung des letzten Hindu-Königreiches von Delhi im Jahr 1193 begonnen. Das Minarett ist 73 m hoch, der Turm besteht aus fünf Stockwerken, jedes klar erkenntlich durch einen vorspringenden Balkon.
Die ersten drei Stockwerke sind aus rotem Sandstein errichtet worden, der vierte und fünfte Stock aus Marmor und Sandstein. Qutab-ud-Din Aibak, ein befreiter türkischer Sklave und Heerführer des Eroberers Mohammed von Ghur, begann zwar mit dem Bau des Qutab Minar, erlebte aber nur die Fertigstellung des ersten Stockwerks mit. Seine Nachfolger (die sog. Sklavendynastie: 1206 ließ sich Qutab ud-Din zum Sultan von Delhi proklamieren), vollendeten das Vorhaben. Im Jahr 1368 erneuerte Feroz Shah Tughlaq die obersten Etagen und fügte ein Kuppeldach hinzu. Ein Erdbeben von 1803 ließ die Kuppel herunterfallen, sie wurde aber 1829 ersetzt, gleichzeitig wurden einige Änderungen vorgenommen.
Mittlerweile steht der Turm etwas schief, hat aber all die Jahrhunderte erstaunlich gut überstanden. Allerdings ist es nicht mehr gestattet, den Turm zu besteigen. Zu Füßen des Qutab Minar steht Indiens älteste Moschee, die Quwwat-ul-Islam-Moschee ("Macht-des-Islam-Moschee").
Im Jahr 1193 begann Qutab-ud-Din mit dem Bau, sie mußte aber in den folgenden Jahrhunderten viele Um - und Anbauten über sich ergehen lassen. Die ursprüngliche Moschee stand auf den Grundmauern eines Hindutempels. Eine Inschrift über dem Osteingang besagt, dass man zum Bau die Überreste von "27 götzendienerischen Tempeln" verwendete.
Qutb Minar In den Jahren 1210-20 wurde die Moschee von einem Klosterhof umgeben, um 1300 wurde ein weiterer Hof im Osten angefügt mit dem prächtigen Alau Derwaza Tor. Im Innenhof der Moschee ragt eine eiserne Säule 7 m in die Höhe.
Dort hatte sie ihren Platz schon lange bevor der Bau der Moschee begonnen wurde. Der Hindukönig Chandra Varman ließ sie ursprünglich im 5. Jhd. n. Chr. dort aufstellen. Man nimmt an,dass sie aus dem 3. Jh.v. Chr stammt und früher mit einer Garudafigur gekrönt war. Die Art der Herstellung bzw. der Zusammensetzung des Materials ist nicht bekannt, die Reinheit des verwendeten Eisens ist außergewöhnlich. Kein Wissenschaftler fand bis jetzt heraus, wie es damals möglich war, ein solch reines Eisen das auch nach über 2000 Jahren noch nicht gerostet ist, zu gewinnen und zu verarbeiten. Glaubt man einer Sage, dann geht jedem, der die Säule mit dem Armen rückwärts umfassen kann, das Glück nie verloren.
Auf dem Gelände ist auch noch das Alai Minar zu sehen, es wurde zur gleichen Zeit wie das Qutab Minar von Ala-ud-Din begonnen. Dieses zweite Minarett sollte doppelt so hoch werden wie das erste. Zum Zeitpunkt seines Todes war es schon bis auf eine Höhe von 27 m gewachsen. Ein zweiter Bauherr fand sich jedoch nicht zur Vollendung bereit. So steht dieses Minarett immer noch unvollendet nördlich des Qutab Minar und der Moschee.

Humayuns Grab in Delhi 7.) Das Grabmal des Humayun : Erbaut von Haji Begum, der Frau des Humayun und zweiten Moguln, in der Mitte des 16. Jahrhunderts, ist es ein Beispiel der Architektur der frühem Mogulzeit. Auch Humayuns Frau ruht in diesem aus roten und weißen Sandstein sowie schwarzem und gelbem Marmor erbauten Grabmal. Im Garten befinden sich noch weitere Gräber u.a. das des Friseurs von Humayun.
Von der Terrasse des Grabmals Humayuns konnten wir ein wunderhübsch, etwas verspielt wirkendes Gebäude sehen, was aber in keinem Buch oder Stadtplan vermerkt war. Auf Nachfrage an unseren Fahrer erfuhren wir, dass es sich um einen Sikh-Tempel handelte, und er war sichtlich erfreut, dass wir ihn uns ansehen wollten.
Ein Schild am Eingang des Tempels verwies auf "Gudwara Damdana Sahib". Im Tempel selber wirkte es etwas unordentlich. Wir mußten natürlich wie immer die Schuhe ausziehen, als kleine Besonderheit für Sikh Tempel gilt aber, dass Männer dort eine Kopfbedeckung tragen müssen, und aus Ermangelung derselben bekam Bernd ein Kopftuch verpaßt, was doch irgendwie albern aussah.
Auf dem Rückweg zum Hotel ging es noch vorbei am India Gate, am Ostende des Rajpath. Dieser 42 m hohe Triumphbogen trägt die Namen von 90.000 Soldaten der indischen Armee, die während des 1. Weltkrieges starben und im Juli 1919 während der Kampfhandlungen an der Grenze zu Afghanistan.
Nachdem wir uns auf der Hotelterrasse von unserer Stadtrundfahrt erholt hatten, beschlossen wir noch ein anderes Restaurant zum Essen zu besuchen und fanden in der Nähe das Restaurant Delhi Baaber. Die Speisekarte entpuppte sich als völlig unverständlich, der Kellner konnte auch nichts zum Verständnis beitragen und Bier gab's auch nicht. Das Essen war dann aber doch ganz nett.

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Montag 16.10.1989

Blick von der Hotelterrasse in Delhi Nachdem wir nun fürchterlich verschlafen hatten, gab es erst um 11:00 Frühstück. Anschließender Gang zu American Express, wo es schrecklich voll und stickig war, aber schließlich brauchten wir Geld. Dann ging's weiter zum Bahnhof, Fahrkarten kaufen, was ebenfalls wieder mit endlosem Anstehen verbunden war. Mit einem Scooter fuhren wir dann nach Old-Delhi zum Roten Fort , wo wir schließlich um 14:00 ankamen.
Die aus rotem Sandstein errichteten Mauern des Lal Qila oder des Roten Fort erstrecken sich über eine Gesamtlänge von 2 km. Die Mauerhöhe wechselt von 18 m an der Flußseite bis 33 m an der Stadtseite.
Das Bauwerk wurde im Jahr 1638 unter Shah Jahan begonnen, fertiggestellt war es 1648. Aber Shah Jahan verließ nie endgültig seine vorherige Residenz in Agra,. er wurde nämlich von seinem Sohn Aurangzeb entthront und im Fort von Agra gefangen gehalten.
Das Rote Fort stammt aus der Blütezeit der Mogulherrschaft, aber diese Blütezeit währte nicht sehr lange. Es war Aurangzeb, der als erster und zugleich letzter bedeutender Mogul vom Roten Fort aus regierte.
Rotes Fort in Delhi Das Haupttor des Fort (Lahore Gate) wurde so benannt, weil es in Richtung Lahore, im heutigen Pakistan, liegt. Hinter dem Tor befindet sich eine gewölbten Arkade, wo heute kleine Läden angesiedelt sind. In früheren Zeiten war dies der Meena-Bazar, das Einkaufszentrum der Hofdamen. Die Arkaden führen in den Naubat Khan, ehemals Podium für Musikanten, heute aber nur noch ein offener Garten.
In der "Halle der öffentlichen Audienzen" (Diwan-i-Am) nahm früher der Herrscher Klagen und Bitten seiner Untertanen entgegen, Der Alkoven in der Wand, Platz des Herrschers, war mit Marmor eingefaßt und mit wertvollen Steinen besetzt.
Die "Halle der privaten Audienzen" (Diwan-i-Khas) war die Halle für private Zusammenkünfte. Prunkstück dieser Halle war damals der sagenhafte Pfauenthron, den Nadir Shah 1739 als Beutestück in den Iran mitnahm. Dieser Thron aus massivem Gold war durch prächtige Pfauen aus eingelegten, kostbaren Edelsteinen verziert. Zwischen den Pfauen gab es einen Papagei, der aus einem riesigen Smaragd geschnitzt war. Es ist unfaßbar, dass dieses Meisterstück später in seine Einzelteile zerlegt wurde. Der Pfauenthron, den man heute in Teheran zu sehen bekommt, besteht nur noch aus einigen wenigen Teilen seines ursprünglichen Schmuckes. Im Jahr 1760 demontierten die Marathen auch noch die Silberdecke der Halle, so blieb nur ein schwacher Abglanz dessen, was diese Halle einmal dargestellt hatte. An den Wänden der Halle ist der persische Spruch zu finden: "Wenn es ein Paradies auf Erden gibt, dann ist es hier, dann ist es hier, dann ist es hier". Gleich neben der Diwan-i-Khas sind die königlichen Bäder, drei große Räume mit Kuppeldächern und einem Brunnen in der Mitte.
Chandni Chowk in Delhi Neben den Bädern befindet sich die von Aurangzeb 1659 erbaute Perlenmoschee (Moti Masjid). Als Baumaterial diente wertvoller Marmor.
Nach dem Rotem Fort bummelten wir den Chandni Chowk entlang, und ich versuchte die kleine Gasse wiederzufinden, in der ich damals mit Bhati war, denn die Atmosphäre dort war sehr beeindruckend gewesen, aber das Gäßchen war für mich nicht mehr auffindbar. Der Chandni Chowk ist die Hauptstraße von Old Delhi. Sie führt direkt nach Westen zur Jamii Masjid, der Freitagsmoschee, der größten Moschee Indiens, erbaut ebenfalls von Shah Jahan. Mit dem Bau wurde 1644 begonnen, aber erst 1658 war die Moschee fertig.
Bei der Moschee versuchten wir, wieder einen Scooter nach New Delhi zu finden, aber alle waren besetzt und so mußten wir den wuseligen Chandni Chowk wieder zurück. Am Roten Fort gab es dann auch wieder Scooter und wir konnten zurückfahren. Merkwürdigerweise kostete die Rückfahrt 20 Rs, die Hinfahrt lag nämlich bei 30 Rs (muß wohl weiter gewesen sein). Diesen Abend ließen wir uns auf keine Experimente ein und aßen wieder im Restaurant vom "York's" mit bewährter Qualität zu Abend.

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letzte Änderung: 17.04.2016 · Copyright © 2003 - 2017 by Angelika Rosenzweig