Flagge Griechenland

Reisebericht Athen / Kreta 1998
Pitsidia

Flagge Griechenland

Montag 01.06.1998

Kreta Karte mit Pitsidia Um 5:00 standen wir wieder auf, an der Bar im Oberdeck gab es sogar schon Kaffee.
Kreta ist die fünftgrößte Mittelmeerinsel und die größte Insel Griechenlands. Ihre beherrschende Lage zwischen den drei Kontinenten Europa, Asien und Afrika, beinahe in der Mitte des östlichen Mittelmeeres, hat für die Geschichte der Insel vom Altertum bis heute eine bestimmende Rolle gespielt. Die Fläche der länglich-schmalen Insel beträgt 8241m² (mit den Inseln Ghavdhos, Dhia und Kouphonissi 8407m²). Sie erstreckt sich über eine Länge von 200 km, die Breite schwankt zwischen 60 km und 12 km. Vier Meere umspülen Kreta, das Karpatische im Osten, Myrtoische im Westen, das Kretische im Norden und im Süden das Lybische.
Wir kamen pünktlich um 6:00 in Iraklion an und leisteten uns ein Taxi (nahmen aber noch drei andere mit) zum Chania Gate Busbahnhof. Von hier fahren die Busse nach Westkreta. Bis 8:00 mussten wir noch warten, dann fuhr der erste Bus und so kamen wir um 9:30 in Pitsidia an.

Das Akropol in Pitsidia am Dorfplatz in Pitsidia

Pitsidia liegt im Süden Kretas in der Messara-Ebene, links neben der Straße nach Matala, etwa 6 km davor. Im Gegensatz zu Matala ist Pitsidia noch vergleichsweise ruhig und verschlafen, keine großen Hotels. Auch ist es den "Pitsidianern" gelungen, den alten Ortscharakter trotz mehrerer neuer Tavernen zu erhalten, es ist zum Teil sogar noch schöner geworden.
Alte fast verfallene Häuschen werden von diversen Ausländern erworben und liebevoll restauriert. Im Vergleich zu 1982, als ich das erste Mal dort war, ist Pitsidia richtig groß geworden, aber der alte Ort wurde nicht zerstört, sondern neue Häuser drumherum gebaut.
Wir wohnen seit Jahren immer bei Georgio und Souboulia im Akropol, einem Restaurant direkt an der Bushaltestelle, das aufgestockt wurde und so auch ein paar einfache, aber blitzsaubere Zimmer anbietet. Die Küche im Akropol ist noch richtig griechisch, nicht der von vielen Touristen gewünschte Grillteller, sondern gefüllte Tomaten, Bohnen mit Kartoffeln, Huhn in Zitronensoße usw. und das beste Zaziki der Welt.
Wir bekamen einen Begrüßungskaffee und saßen noch ein wenig auf der Terrasse, bezogen dann unser Zimmer mit Blick aufs Nilpferd (die Inseln Paximadia sehen von Pitsidia wie ein riesiges Nilpferd aus), aßen eine Kleinigkeit zu Mittag und machten uns dann auf den Weg zum Komos Strand.
Noch vor ein paar Jahren war der Strand nur durch einen halbstündigen Fußmarsch von Pitsidia aus erreichbar. Entweder man ging die Straße in Richtung Matala und bog am Campingplatz rechts ab und dann immer am Berghang entlang bis zum Strand, oder man ging durchs Tal, ein Feldweg hinter dem Akropol führte bis zu den Ausgrabungen am Strand. Heute ist der Feldweg eine Straße, die in der prallen Sonne liegt, aber keine Steigungen hat und so ist der Weg nicht anstrengend.

der Strand in Komos der Strand in Komos

Die Ausgrabungen von Komos werden seit 1976 durchgeführt, hier lag der alte Hafen von Festos, der ca. 1550 v. Chr. durch ein Erdbeben zerstört wurde. Die Ausgrabungen gehen Jahr für Jahr ganz gut voran, zu besichtigen sind sie allerdings nur von außen als Zaungast.
Diese Ausgrabungen und der Umstand, dass am Strand von Komos die selten gewordenen Meeresschildkröten ihre Eier ablegen, verhindert, dass dieser Strandabschnitt bebaut wird. Das einzige Haus am südlichen Ende des Strandes ist eine kleine Taverne mit Selbstbedienung, wo es Kleinigkeiten zu essen und etwas zu trinken gibt.
Dadurch, dass man jetzt zum Strand fahren kann, ist es hier deutlich voller geworden, sogar ein Sonnenschirm und Liegenverleih hat sich angesiedelt (sehr teuer). Trotzdem wirkt der Strand niemals richtig voll, denn er zieht sich kilometerlang nach Norden, vorbei an Kalamaki bis nach Kokkinos Pirgos.
Am Strand angekommen gingen wir zuerst in die südlichste Ecke um Elia zu sehen, aber die Hütte war abgeschlossen. Wir versuchten den Wirt der Nachbartaverne zu befragen, aber der war neu und kannte Elia nicht. Die Frau vom Sonnenschirmverleih konnte uns dann sagen, dass Elia seine Hütte verkauft habe und sie jetzt anderen Leuten als Wochenendhütte diene.

Historisch: Elia und sein Büdchen Historisch: Das Klo von Elias Taverne

Schade. Der Komos Strand ohne Elia ist nicht mehr dasselbe. Er hatte dort in der Hütte eine Art Taverne betrieben, man konnte dort im Schatten eines rieseigen Xendros-Baumes den ganzen Tag verbringen, es gab zu trinken, Wein und "Snaps" aus eigener Herstellung, selbstverständlich gab es auch Wasser und griechischen Kaffee. Manchmal hatte er auch Bier und Cola, wenn nicht, wurde das aus der Nachbartaverne besorgt. Mittags gab es dann immer was zu essen, allerdings konnte man es sich nicht aussuchen, es wurde gegessen, was auf den Tisch kam, aber es war immer sehr lecker. Das Klo war ein Loch im Boden mit einem Pappkarton drumherum. Eigentlich wohnte Elia in Mires, aber im Sommer gefiel es ihm nicht in der Stadt, und so verbrachte er die Sommermonate am Strand und betrachtet die Touristen als seine Gäste und Freunde. Wenn ihm allerdings jemand nicht zusagte, beispielsweise Mädels, die er oben ohne am Strand gesehen hatte, hatte der oder diejenige keine Chance, Elia verkaufte nur an Leute, die er leiden konnte.
Da nun kein Elia mehr da war, mieteten wir doch zwei Liegen und einen Sonnenschirm, empfanden es aber mit 1000 Drachmes als ziemlich teuer.

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Dienstag 02.06.1998 - Freitag 05.06.1998

Die Tage verliefen recht gleichmäßig, wir waren faul und jeden Tag am Strand und blieben in Pitsidia und Matala. Die Abende verbrachten wir mit Lesen oder Karten spielen. Es waren auch mehrere andere Gäste im Akropol, und so fand man abends auch jemanden für ein Schwätzchen.

Dorfstrasse in Pitsidia Dorfstrasse in Pitsidia

Sehr nett war unser Zimmermädchen eine junge Frau aus der Ukraine, die sich mit ihrem Mann in Pitsidia niedergelassen hatte. Sie war sehr ordentlich, unsere Fläschchen im Badezimmer wurden immer fein säuberlich der Größe nach sortiert hingestellt, und alles was im Zimmer herumlag wurde weggeräumt, selbst gebrauchte Socken wanderten in die Sockenschublade. Irgendwie machte uns das ein schlechtes Gewissen und so räumten wir immer unser Zimmer auf, bevor wir es verließen.

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Sonnabend 06.06.1998

Mit dem Bus um 9:30 fuhren wir nach Mires.
Mires ist das Verwaltungszentrum der Messara-Ebene, ein lebendiges Städtchen, Knotenpunkt der Busse und Schulstadt. Jeden Sonnabend ist Markt, ein Teil mit Obst und Gemüse, das die Bauern aus den umliegenden Dörfern verkaufen, ein Teil mit Klamotten aller Art, neu oder gebraucht. Außerdem gibt es Fisch, Käse, Honig, lebende Hühner und Küken und vieles mehr. Wir schlenderten über den Markt, der wie immer sehr voll und sehr heiß war, hatten auch bald genug davon und suchten uns ein schattiges Plätzchen vor einer Taverne an der Hauptstraße und sahen dem Markttreiben bei einem Kaffee von dort aus zu.

Markt in Mires Markt in Mires

Dann beschlossen wir Elia zu besuchen um zu hören, ob es stimmt, dass er verkauft hat. Wir hatten Glück, er war zu Hause und freute sich uns zu sehen. Es gab sofort, trotz der frühen Vormittagstunde einen Raki. Er sah eigentlich sehr schlecht aus und wir hatten den Eindruck, dass es ihm nicht gut ging. Seine Frau brachte Weintrauben, Oliven und Käse und so blieben wir eine ganze Weile dort sitzen. Die Verständigung war zwar mehr schlecht als recht, aber irgendwie kriegten wir mit, dass Elia der Abstieg nach Komos zu beschwerlich geworden war und dass er jetzt öfter in Kalamaki sei, dort kann er mit seinem Mofa bis in die Kneipe fahren. Wir fuhren dann nach Pitsidia zurück, und weil es ein sehr warmer Tag war, gingen wir doch noch zum Strand.

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Sonntag 07.06.1998

Wir packten unsere Badesachen und wollte es nun einmal mit Kalamaki versuchen. Zunächst gingen wir durch das Tal in Richtung Komos Strand. Da es sich durch den Kieselsand nicht so gut läuft, wollten wir nicht am Strand entlang gehen, sondern bogen etwa auf halber Strecke rechts ab, denn wir wussten, dass Kalamaki rechts von uns liegt. Es war ein recht breiter Weg und wir freuten uns schon über die Abkürzung, plötzlich jedoch hörte der Weg auf und es ging einen Sandhügel bergauf, was recht beschwerlich war.
Irgendwie glaubten wir aber, es wird schon wieder ein Weg kommen, kam aber nicht und so stapften wir durch den Sand, konnten schon die Häuser von Kalamaki sehen, aber irgendwie war doch alles falsch. Schließlich führte doch ein Weg zum Wasser, das alles hätten wir auch einfacher haben können.

Auf dem Weg nach Kalamaki Strand in Kalamaki

Kalamaki ist eigentlich kein Dorf, sondern eine Ansiedlung am Meer. Wir waren recht entsetzt, wie es in Kalamaki aussah, mehrere Betonskelette standen herum, so eine Art Strandpromenade war im Bau, aber ein paar Restaurants waren doch schon fertig und man konnte auch auf der provisorischen Promenade sitzen. Inzwischen sieht es dort ganz anders aus, die Strandpromenade mit kleinen Hotels und Pensionen ist fertig, und jede Menge Tavernen mit Tischen und Stühlen auf der Promenade. Man sitzt dort direkt am Strand wirklich sehr nett, der Strand ist schön, es ist noch nicht überlaufen, eine gute Alternative zu Matala oder Agia Galini, wenn man es etwas ruhiger mag.
Wir fanden Elia tatsächlich in einer der Tavernen. Wir setzten uns zu ihm und bestellten ein Bier, das Bier kam auch, aber der Kellner wurde sofort von Elia beschimpft, weil er keine Kleinigkeit zu essen mitgebracht hatte, der Kellner gab klein bei und brachte uns ein paar Oliven und etwas Schafskäse.
Irgendwann bekamen wir Hunger und bestellten auch etwas zu essen, und es schmeckte auch ganz gut. Der Kellner machte uns dann klar, dass wir auch die Strandliegen benutzen könnten, wenn man etwas verzehrt oder trinkt, kosten sie auch nichts.
Elia fuhr dann irgendwann nach Hause und wir nahmen das Angebot mit den Liegen an. Gegen Abend machten wir uns auf den Rückweg, dieses Mal direkt am Strand entlang, um unnötige Umwege zu vermeiden.

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Montag 08.06.1998

Wir hatten keine Lust zum Strand zu gehen und beschlossen dafür nach Matala zu wandern. Ich hatte es in Erinnerung, wenn man Pitsidia auf einem der Feldwege verlässt und um einen kleinen Hügel herumgeht kommt man nach Matala ohne die Straße entlang laufen zu müssen. Wir fanden den Weg auch, es war zunächst auch sehr schön, außer uns war kein Mensch dort unterwegs. Aber dann endete unser Weg und wir waren direkt auf der Müllkippe. Die kannte ich dort noch nicht, es war früher ein hübsches Tal gewesen. So kamen wir dann über die Kippe dann doch auf die Straße, bogen aber bei der nächsten Möglichkeit gleich wieder links ab, und kamen in ein weiteres Tal, wo es früher auch nichts gegeben hatte. Jetzt standen hier aber doch ein paar Häuser, fast alles kleine Pensionen und Hotels mit netten Gärten. Es ist zwar keine unberührte Natur mehr, aber sie haben das Tal nicht verschandelt, sondern einfach nur besiedelt.

die Höhlen in Matala die Höhlen in Matala

Matala liegt eingebettet zwischen mächtigen Sandsteinschollen in einer breiten Bucht. An den nördlichen etwa 40 Meter hohen Felshängen sind die berühmten Höhlenwohnungen der Jungsteinzeit zu finden.
In den 60'er Jahren wurden die Höhlen von Hippies entdeckt, die sich dort einquartierten, von den Bewohnern Matalas gerade so geduldet, ihnen folgten in den Siebzigern Scharen von Rucksacktouristen, die auch alle in den Höhlen und am Strand schliefen, aber auch ihren Müll und Dreck überall herumliegen ließen. Nun entstanden die ersten Tavernen und Pensionen, denn es folgten die Individualtouristen, die ein Bett dem Strand vorzogen. Inzwischen wurden dann die Höhlen eingezäunt und durften nicht mehr betreten werden, um eine völlig Verwahrlosung und auch Zerstörung zu verhindern. In den Neunzigern wurden die Höhlen gesäubert, restauriert und sind heute gegen Eintritt zu besichtigen.
Die kleine Bucht wurde nach und nach ziemlich zugebaut, in den frühen Achtzigern wurden sogar die Bäume gefällt um mehr Platz zu gewinnen. Dann folgten die Pauschaltouristen und Matala platzte aus allen Nähten und zieht sich heute schon das ganze Tal hinter der Bucht entlang.

Strandleben in Matala Kirche in Matala

Zuerst schauten wir in den Buchladen, gleich rechts, wenn man in Matala reinkommt, etwas zurückgesetzt neben dem Hotel Zafira. Dieser Laden ist wirklich gut sortiert, es gibt Reiseführer über Kreta, Kochbücher, Bücher über Pflanzen und Tierwelt, Romane und vieles mehr und alles in Deutsch, Englisch, Französisch und tatsächlich auch Griechisch. Außerdem gibt es Zeitungen aus aller Welt und Ansichtskarten.
Nachdem wir genug gestöbert hatten, schlenderten wir noch durch die Andenkenlädenstrasse und bewegten uns dann ein wenig abseits des Getümmel und entdeckten eine klitzekleine Kirche, die zur Hälfte in den Felsen hinein gebaut ist und noch ein paar alte Häuser mit ganz kleinen Türen (wie haben die ihre Möbel ins Haus bekommen?), schließlich stiegen wir noch auf ein Dach und hatten einen schönen Blick über die Bucht.

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Dienstag 09.06.1998

Wir hatten uns überlegt, dass wir auf dem Rückweg nicht mehr das ganze Gedöns mit Fähre und Zug nach Thessaloniki haben, sondern lieber von Kreta aus fliegen wollten. Deshalb wollten wir nach Iraklion um das zu regeln.
Wir fuhren mit dem Bus um 10:30, regelten unsere Flugangelegenheiten und bummelten dann durch die Straßen. Zunächst quer durch die Stadt zum Hafen und zum venezianischen Kastell. Der Hafen wird heute nur noch als Fischerhafen genutzt, der Hafen, wo die großen Fähren ankommen liegt weiter östlich. Das Fort ist durch eine Mole mit dem Festland verbunden. Es wurde 1523 bis 1540 erbaut. In der Festung selbst ist nicht viel zu sehen, aber die Ausmaße sind beeindruckend und außerdem hat man einen schönen Blick auf Iraklion.

am alten Hafen in Iraklion Marktstraße Odos 1866 in Iraklion

Wir gingen dann wieder zurück und durch die kleinen Straßen in der Nähe des Morosoni Brunnens mit den vielen Geschäften mit allem was das Herz begehrt, vom Fleischerladen bis zum Andenladen ist alles vorhanden.
Wahrscheinlich bin ich eine große Ausnahme, denn mir gefällt Iraklion (mir gefällt schließlich auch Athen und Bangkok). Die Stadt ist sicherlich nicht schön, aber dafür lebendig und quirlig, die Touristenmengen findet man eigentlich nur an einigen Plätzen, ich laufe gerne einfach so durch Iraklions Strassen und lasse das griechische Leben auf mich wirken.
Mit dem Bus um 15:00 fuhren wir zurück nach Pitsidia.

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Mittwoch 10.06.1998

Kreta Karte mit Mires Am Vormittag fuhren wir mit dem Bus nach Mires, Rolf ließ sich die Haare schneiden, Ich kaufte Medikamente gegen meinen dicken Mückenarm, und zum Geldautomaten mussten wir auch noch. Dann tranken wir Kaffee in unserer "Stammkneipe" neben dem Taxistand. Wir hatten dann keine Lust auf den Bus zu warten und fuhren mit dem Taxi zurück nach Pitsidia. Das Taxi warb mit einem Schild "Klimatisiert": es waren alle Fenster geöffnet!.
Den Nachmittag verbrachten wir in Pitsidia.

Abends wurde das Fußball WM Eröffnungsspiel übertragen (Falls es jemanden interessiert: Brasilien - Schottland 2:1).

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letzte Änderung: 17.04.2016 · Copyright © 2003 - 2017 by Angelika Rosenzweig