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Reisebericht Sri Lanka 2002 Kandy

Donnerstag 21.11.2002

Sri Lanka Karte mit Kandy Tempel in Dambulla Abfahrt vom Eden Garden um 8:00. Tanuja, die hübsche Kellnerin, hat noch meinen schönen Tintenschreiber abgestaubt. Zuerst fuhren wir zu den Höhlentempeln von Dambulla. Als im Jahre 104 v. Chr. die zweite große Tamileninvasion stattfand, sah sich König Valagama Bahu gezwungen, seine Hauptstadt Anuradhapura zu verlassen. Der König floh in die Felsenhöhle von Dambulla, knapp 70 km südlich von Anuradhapura. Als er nach 14 Jahren Exil wieder in die Hauptstadt zurückkehrte, hinterließ er einen großartigen Höhlentempel-Komplex in Dambulla, der bis heute zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Region gehört. Ende des 17. Jh. wurde der gesamte Komplex unter König Nissanka renoviert. Der Granitfels von Dambulla ist ca. 170 m hoch; die insgesamt fünf Höhlentempel befinden sich etwa in 110m Höhe. Bevor der Aufstieg oder die Auffahrt beginnt steht unten am Felsen ein moderner Tempel, der aber eher wie ein Hotel aussieht, sehr chinesisch wirkt und einen riesigen Buddha auf dem Dach sitzen hat.
Höhlentempel in Dambulla in Dambulla Etwa die Hälfte der Streck des Aufstiegs kann man auch mit dem Auto fahren und das taten wir dann auch. Vor dem Tempelkomplex steht ein Häuschen, in dem man seine Schuhe deponieren kann, denn Schuhe und Kopfbedeckungen sind im gesamtem Gelände verboten.
Die erste der Höhlen, die Devaraja Vihara ("Tempel des Gottkönigs") beherbergt eine 15 m lange Figur des liegenden Buddha, der gerade ins Nirwana gegangen ist. Zu seinen Füßen sieht man eine Figur von Ananda, Buddhas Lieblingsschüler. Neben anderen Buddhafiguren steht am Kopfende des liegenden Buddha eine Statue des Hindu-Gottes Vishnu. Die Gemälde an den Wänden und an der Decke wurden zwischen dem 15. und 17. Jh. angebracht und ersetzten die älteren Gemälde, die sich dort einst befunden hatten.
Die zweite Höhle, Maja Raja Vihara ("Tempel des großen Königs"), ist die beeindruckendste und auch größte (ca. 60 m lang, 30 m breit und bis zu 15 m hoch). Sie enthält 53 etwa mannsgroße Statuen und rund hundert kleinere Figuren. Die Wand und Deckengemälde zeigen Szenen aus dem Leben Buddhas und der srilankischen Geschichte. Die dritte Höhle, Maha Alut Vihara ("Großer neuer Tempel") enthält ebenfalls etwa 50 Figuren, darunter eine Statue von König Sri Kirti Rajasinha, der die Höhlentempel hatte renovieren lassen.
In der vierten Höhle soll die Königin Somavathi beigesetzt worden sein; Höhle Nummer fünf enthält einige Buddhastatuen.
Höhlentempel in Dambulla in Dambulla Nach der Besichtigung der Tempel fuhren wir in Richtung Kandy und hielten noch für einen Besuch eines Gewürzgartens so gegen 11:00. Es war recht interessant, wie die Gewürze so aussehen, wenn sie sich noch am Baum oder Strauch befinden.
Wir kamen durch Matale und dort hatten wir einen kleinen Unfall. Ein Tuk Tuk wollte uns überholen und ein Mopedfahrer wollte zwischen Auto und Tuk Tuk durch, schaffte es aber nicht und zerstörte unser Rücklicht. Wir hielten also an, ein aufgeregtes Palaver begann, aus dem Nichts tauchte ein Polizist auf. Ein aufgeregter Mensch meinte zu uns, wir sollten uns nicht so haben, wir seien schließlich reich und könnten die 20 Dollar für das Rücklicht bezahlen. Er war richtig sauer und beleidigend, wohl ein kleiner Anflug von Ausländerfeindlichkeit. Der Motorradfahrer und Jayalath konnten sich nicht so recht einigen, also fuhren wir zur Polizei. Dort kam es dann zu der Einigung, dass der Motorradfahrer 1000 RS bezahlte, mehr hatte er nicht, also blieb eigentlich Jayalath auf dem Schaden sitzen und er hoffte, dass den Rest die Versicherung bezahlen würde.

Affe am Hotelfenster in Kandy Gegen 14:30 kamen wir in Kandy an, der erste Eindruck von der Stadt war recht nett und fuhren dann auch sofort zu unserem Hotel Thi Lanka. Ein sehr schönes Hotel, schon gehobene Klasse, sehr sauber, sehr schöne, große Zimmer mit Balkon und Blick auf einen Teil der Stadt. Wir packten unsere Sachen aus, die alle feucht und muffig waren, einen Teil gaben wir zum Waschen ab, dann fuhren wir zu einem sehr schönen Restaurant, das auch am Hang gelegen war, das Essen war zwar gut, aber doch sehr auf den Touristengeschmack abgestimmt. Weil es regnete fuhren wir wieder ins Hotel zurück und setzten uns in die Bar. Draußen vor den Fenstern saßen ein paar Affen und schauten zu uns herein, also ein bisschen wie umgekehrter Zoo: Lass uns doch mal Touristen gucken gehen.

Blick aus dem Hotelfenster in Kandy Kandy liegt in knapp 500 Metern Meereshöhe und wurde von König Vikrama Bahu 3. gegründet (1267-1301), dem der Ort von dem Weisen Senkada, der dort in einer Höhle lebte, als sicherer Platz für eine Hauptstadt empfohlen worden war. Die Stelle wurde damals Senkadagala genannt, "Felsen des Senkada". Der heutige Name Kandy beruht auf der späteren Bezeichnung Kande-Uta-Rata "Königreich auf den Hügeln", die die Portugiesen zu Kanda und die Engländer zu Kandy verballhornten.
Im 16. Jh. kam es ständig zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Portugiesen, die die Stadt 1590 kurz einnahmen, schließlich aber wieder daraus vertrieben wurden. Unter König Vimala Dharma Suriya 1. (1592-1627) wurde Kandy Hauptstadt und blieb es bis zum Ende der Monarchie im Jahre 1815.
1763 nahmen die Holländer Kandy mit 8000 Mann ein und hielten es neun Monate lang besetzt, mussten sich dann aber ausgehungert zurückziehen. 1766 schlossen Holland und Kandy Frieden, dem Gouverneur war aufgegangen, dass man die Gewürze und die anderen Produkte des Landes auch kaufen konnte, anstatt dafür verlustreiche und teure Kriege zu führen.

Tanzveranstaltung in Kandy Nachdem 1796 die Engländer die holländischen Besitzungen übernommen hatten, führten sie mehrere Feldzüge gegen Kandy, das 1815 schließlich eingenommen wurde. König Vikrama Rajasinha wurde per "Vertrag" dazu verpflichtet, für sich und seine Nachkommen bis in alle Zukunft auf den Thron zu verzichten, und König George III. von England wurde das offizielle Staatsoberhaupt.
1817-1818 erhob sich die Bevölkerung von Kandy gegen die Briten, der Aufstand wurde mit äußerster Härte niedergeschlagen, Dörfer, Städte und Felder wurden niedergebrannt, was eine Hungersnot zur Folge hatte. Im 2. Weltkrieg war Kandy das Hauptquartier von Lord Mountbatten, dem deutschstämmigen Britischen Vizekönig von Indien - eigentlich hieß er, etwas weniger klangvoll, Battenberg,
Um 17:30 fuhren wir zu einer Tanzvorstellung für Touristen (17:45 - 18:45), eine recht nette Angelegenheit, es wurden mehrere Tänze vorgestellt, unter anderem auch der Erntetanz, den die jungen Mädchen an der Straße getanzt hatten, hier klappte es nur noch besser. Der krönende Abschluss bildete der Lauf über das Feuer, wobei Tänzer barfuss über glühende Kohlen liefen.

Wir fuhren wieder ins Hotel zurück und verbrachten dort den Abend in Gesellschaft von Susil und Jayalath.

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Freitag 22.11.2002

Aufbruch um 9:00 zum Botanischen Garten von Peradeniya, 7 km südwestlich von Kandy an der Straße nach Colombo gelegen. Hier gibt es so ziemlich jede tropische Pflanze, von der man mal gehört oder gelesen hat. Der Garten ist 60 Hektar groß, angesiedelt in einer weit ausholenden Schleife des Mahaweli und wird von Wegen mit einer Gesamtlänge von über 10 km durchkreuzt.

Benjamini im botanischen Garten bei Kandy im botanischen Garten bei Kandy

An dieser Stelle hatte Mitte des 14. Jh. ein Palast der Könige vom Gampola gestanden, umgeben von einem königlichen Lustgarten. Als Botanischer Garten fungiert das Gelände seit 1818 und diente zunächst als Versuchsfeld für den Kaffee. Danach wurden zu Versuchszwecken die ersten Teestauden angepflanzt.
Orchideen im botanischen Garten bei Kandy Ein bisschen ungemütlich waren die vielen Mücken, die aus dem feuchten Rasen aufstiegen und sich meine Beine als Betätigungsfeld aussuchten. Wir sahen einen riesigen Ficus Benjamini, der wie ein gewaltiger Schirm die Fläche von 1800 qm überspannt. Susil zeigte uns noch Königspalmen, "besoffen" Tannen, die irgendwie so krumm und schief wachsen und dadurch besoffen aussehen, und vieles mehr. Außerdem wachsen in dem Park auch Tigerlilien, deren Wurzeln giftig sind und mit dessen Gift sich viele junge Leute mit Liebeskummer umbringen. Viele von den jungen Liebespärchen gingen auch im Park spazieren, weit entfernt von irgendwelchen Selbstmordgedanken.
In Sri Lanka ist es noch üblich, das die jungen Leute von den Eltern verheiratet werden: Zuerst wird ein Astrologe befragt und dann eine Annonce in besonderen Zeitungen aufgegeben, dann besuchen der Junge und seine Eltern das junge Mädchen und seine Eltern. Sie darf sich dann zeigen und bietet am Ende dem jungen Mann einen Teller mit irgendwelchen Blättern an, wenn er sich eins nimmt, hat er damit einer Heirat zugestimmt, das Mädchen allerdings hat keinerlei Mitspracherecht. Danach werden dann noch einmal Astrologen befragt, ob die beiden auch zusammenpassen, erst dann wird, auch wieder mit Hilfe des Astrologen der Hochzeitstermin festgesetzt. Manchmal ist es aber heute so, dass sich die Pärchen durch den Beruf oder das Studium finden, viele davon heiraten dann heimlich, ohne dass die Eltern davon wissen, vor vollendete Tatsache gestellt, können sie dann nichts mehr machen. Aber der Haussegen in den Familien hängt dann meistens schief. Und oft kommt es eben zu Verboten und dann bringt sich das Jungvolk eben um.

Bahnhof in Kandy Gegen 12:00 fuhren wir zurück in die Stadt, hielten kurz am Bahnhof, was allerdings sehr unergiebig war, denn nicht eine einzige Lok war zu sehen. In der Stadt ließen uns Susil und Jayalath aus dem Wagen, wir durften uns mal alleine durch die Stadt bewegen. Zuerst waren wir in einem Supermarkt um Arrack und Zigaretten zu kaufen, Zigaretten gab's nicht, dann schlenderten wir durch die Straßen. Viele Geschäfte hatten geschlossen, aber des Rätsels Lösung war, dass es Freitag war und die Zeit der mittäglichen Gebetsstunde und viele waren in den Moscheen zum Beten. Das herumlaufen in den kleinen Straßen war sehr angenehm, denn im Gegensatz zu Indien wird man völlig in Ruhe gelassen und nicht dauernd von irgendwelchen Verkäufern oder Fremdenführern belästigt. Irgendwann bekamen wir dann Hunger, hatten aber kein ansprechendes Restaurant gesehen. Wir beschlossen das Queens Hotel zu besuchen, ein altes Hotel aus der Kolonialzeit, erbaut 1884. Wie bei allen Häusern dieser Art geizten die Innenarchitekten nicht mit Holz und alles ist sehr großzügig angelegt. Wir saßen in einem offenen Raum mit Bar, ziemlich ungemütlich und etwas angestaubt, aber bekamen ein sehr köstliches "Chicken Devil" serviert.
Ansichtskarte vom Zahntempel in Kandy Danach fuhren wir mit dem Tuk Tuk zurück ins Hotel, beschäftigten uns mit Kartenschreiben. Um 18:00 ging es wieder los zum Zahntempel.
Der Dalada Maligawa oder "Tempel des Zahn-Reliktes", liegt an der Nordostseite des Kandy Lake. und ist eines der herausragenden Heiligtümer des Landes, so etwas wie das Mekka der Buddhisten. Im ersten Stock, dem Udamale wird in einem Schrein ein (angeblicher) rechter Backenzahn Buddhas aufbewahrt, das sogenannte Tooth Relic.
Seiner Heiligkeit angemessen, wird es besonders gut aufbewahrt: Eingefaßt ist es von einem länglichen, reich mit Edelsteinen verzierten Behältnis, genannt Karanduwa, das wiederum in einem größeren Behältnis steckt; dieses wird wiederum von noch einem größeren umfaßt usw. Insgesamt sind es sieben solcher Umhüllungen.
Jedes Jahr im Juli/August findet die elftägige Kandy Perahera statt, Sri Lankas farbenprächtigstes und größtes Fest. Dabei wird eine Nachbildung der Zahn Reliquie auf einem ausgewählten Elefanten durch die Stadt getragen.

im Zahntempel in Kandy Die Architektur des Tempels selbst ist nicht besonders bemerkenswert, er ist eigentlich nur groß. Ursprünglich stand an dieser Stelle ein dreistöckiger Tempel, der jedoch von den Portugiesen zerstört wurde. Er wurde dann durch einen zweistöckigen Bau ersetzt. Der Torbogen über dem Eingang und der Graben um den Tempel herum wurden von Kandys letztem König Sri Vikrama Rajasinha (1798-1815) erbaut.
Der auffälligste Teil des Tempels ist jedoch der achteckige, turmähnliche Anbau, der Pattirippuwa, der heute eine Bibliothek mit wertvollen alten Palmblatt-Manuskripten beherbergt. Jeden Tag um 18:30 - 19:30 findet eine Puja oder auch Andacht statt, wo die Tür zum Zahnbehälter geöffnet wird und die Gläubigen an der Reliquie vorbeigehen und einen Blick darauf werfen dürfen und natürlich beten.
Wir waren schon etwas früher da und konnten uns, nachdem wir die strengen Sicherheitskontrollen passiert hatten (1998 wurde ein großer Teile des Tempels bei einem Anschlag eines Selbstmordattentäters zerstört), noch ein wenig den Tempel ansehen. In einem großen Saal, wo auch viele Buddhastatuen, die aus aller Welt dem Tempel geschenkt wurden, standen, gab es auch eine Reihe Wandgemälde, die die Geschichte des Zahns erzählen.
im Zahntempel in Kandy Der Zahn soll von dem Weisen Khema aus Buddhas Scheiterhaufen gerettet worden sein. Im Jahre 311 wurde er von der Tochter des Königs von Kalinga (Südindien) in ihrem Haar nach Sri Lanka gebracht. Ihr Vater lag zu der Zeit mit einem Nachbarkönig im Krieg, und er befürchtete eine Niederlage und den Verlust der wertvollen Reliquie. Der Zahn wurde daraufhin in Anaradhapura aufbewahrt. In den folgenden Epochen befand er sich zumeist in der jeweiligen Hauptstadt des Landes. Anfang des 13. Jh. wurde der Zahn nach Indien entführt und gelangte erst wieder nach Sri Lanka, als Parakrama Bahu III. 1288 persönlich nach Indien reiste und den Zahn zurückholte. Die Odyssee des Zahnes war aber damit noch lange nicht zu Ende. Im Jahre 1560 bemächtigten sich die Portugiesen der Reliquie, die sie anschließen triumphierend in ihre Kolonie Goa brachten. Der König von Burma bot eine hohe Summe für deren Rückgabe, doch vergebens. Der Erzbischof von Goa ließ sie Statt dessen in einer Zeremonie öffentlich verbrennen, die Asche wurde ins Meer gestreut. Aber andrerseits soll es sich nur um eine Kopie gehandelt haben.

im Zahntempel in Kandy Nach einigen Überlieferungen ist auch der heute ausgestellte Zahn eine Nachbildung, der echte befindet sich in einer geheimen Dagoba im Inneren des Tempels. Nach vielen Standortwechseln verlor sich im 18. Jh. Die Spur des Reliktes. Mönche hielten es vor den europäischen Mächten versteckt. 1818 wurde ein britischer Kolonialbeamter in Nalanta auf einen Mönch aufmerksam, der ganz unmönchsmäßig viel Gepäck mit sich herumtrug. Dessen Durchsuchung förderte die lange aus den Augen verlorene Reliquie ans Tageslicht, eingewickelt in eine endlose Schicht aus Stoff. Die Briten hielten das heilige Objekt bis 1846 unter ihrer Kontrolle, streng bewacht aber mit nötigem religiösen Respekt, um nicht wieder den Zorn der Buddhisten auf sich zu ziehen. Zwischenzeitlich bot das buddhistische Siam 50000 Pfund zum Kauf der Reliquie, ohne Erfolg. Heute stellt der Zahn die wichtigste aller Buddha-Reliquien in Sri Lanka dar.
Kurz vor Beginn der Puja stellten wir uns da auf, wo der Vorbeimarsch an dem Zahn beginnen sollte und waren so die ersten in der Schlange. Schließlich ging es los, wir durften an der nun geöffneten Tür zum Heiligtum vorbeigehen, aber gesehen haben wir eigentlich nichts, anschließend warfen wir noch einen Blick in die Bibliothek auf die Palmblattbücher und wollten dann den Tempel wieder verlassen.
Als wir nach draußen kamen regnete es wie aus Eimern, die Schuhe zogen wir gar nicht erst an. Wir wateten durch über knöcheltiefes Wasser bis zu unserem Auto und wurden trotz Schirm patschnass. Wir fuhren dann zum Essen in ein hübsches Restaurant, wo man draußen saß, allerdings unter Schirmen, man musste nur aufpassen, dass man nicht eine allzu undichte Stelle erwischte. Wir aßen Hopper, Rolf einen Egg-Hopper, ich einen String Hopper. Der Hopper ist ein dünner Reisteigfladen in Form einer kleinen Schüssel in der ein Spiegelei liegt. Dorthinein tut man denn irgendwelche Curries und verspeist das Ganze, wie eigentlich alles in Sri Lanka, mit den Fingern. Rolf stellte sich mutig diesem Gemansche, während Susil und Jayalath ausnahmsweise mal mit der Gabel aßen. Wird dieser Reisteig zu dünnen Fäden geschnetzelt, ergibt das einen String-Hopper, der etwa so aussieht wir wirre Wollknäuel. Auch mit diversen Curries, aber ohne Ei. Wir fuhren dann ins Hotel zurück, Jayalath war müde und ging schlafen und wir saßen noch mit Susil zusammen.

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Sonnabend 23.11.2002

Sri Lanka Karte mit Maduru Oya unterwegs zu den Veddas Für heute war eine Fahrt zu den Ureinwohnern Sri Lankas geplant, den Veddas. Unterschiedlichen Theorien zufolge leben die Veddas seit 40.000 oder 12.000 Jahren auf Sri Lanka. Viele Anthropologen bezeichnen sie als die direkten Nachfahren der steinzeitlichen Höhlenmenschen. Die Veddas selber führen ihre Herkunft auf Vijaya, den Stammvater der Singhalesen, und die Dämonin Kuveni zurück. Der Legende nach hatten Vijaya und Kuveni einen Sohn und eine Tochter. Eines Nachts versuchte die Dämonin, den schlafenden Vijaya zu verschlingen, dieser erwachte jedoch und erschlug Kuveni. Darauf flohen die beiden Kinder in den Wald, wo sie sich von Früchten ernährten.
Als sie älter waren, heirateten sie, und aus dieser Verbindung gingen die Veddas hervor. Ihrer Erklärung nach sind sie so auch mit den Singhalesen verwandt, eine These, die von der Wissenschaft gestützt wird: Es gilt als sicher, dass sich die Singhalesen (wie auch die tamilischen Eroberer) schon vor 2000 Jahren mit den Veddas vermischten. Diese Vermischung mit den Singhalesen setzte sich auch in der Folgezeit fort.

Vedda Hütte Vedda Hütte

Zahlreiche Ehen zwischen Veddas und Singhalesen sind aus der Endphase des Königreiches Kandy bekannt. Glaubt man einigen historischen Quellen, waren viele Veddas zu jener Zeit hoch angesehen und standen auf einer ähnlich sozialen Stufe wie die hochkastigen Singhalesen. Die Veddas allerdings, stolze Herren des Waldes, sahen auf die Kinder aus solchen Verbindungen herab. Als separate ethnische Gruppe anerkannt wurden die Veddas erst etwa vor 10 Jahren. 1921 gab es noch 4500 Veddas, 1953 waren es 800 und 1963 noch 400. Niemand weiß genau, wie viele es heute noch gibt. Möglicherweise ist die Zahl doch höher als man annimmt, denn einige Veddas wohnen in den Städten und unterscheiden sich durch nichts mehr von den Singhalesen.

In der Umgebung von Dambana leben heute die letzten Veddas, einige Dutzend vielleicht. Heute sind die Veddas von Dambana nicht mehr Jäger und Sammler, sondern Viehzüchter und Kleinbauern. Die Regierung bot den Vedda Familien je ein kleines Reisfeld, ein Haus und Saatgut an - kostenlos. Die weitaus meisten akzeptierten.
Wir fuhren um 8:00 los und waren nach schließlich 31/2 Stunden in der Gegend, wo die Veddas leben. Wir stiegen aus und gingen zu ein paar armseligen Hütten, wo ebenso armselige Menschen ihr offensichtlich karges Dasein fristen. Irgendwie hatte das Ganze etwas von Zoo und wir wollten eigentlich nur wieder weg, konnten aber unserem Reiseleiter unser Empfinden nicht so recht nahe bringen.
Schließlich fuhren wir zurück und wollten uns noch den Victoria Stausee anschauen, kamen aber nicht so recht an ihn heran.
Victoria Stausee Etwa 50 km östlich von Kandy, etwas abseits der Straße, die an die Ostküste führt, ist einer der größten Staudämme der Welt zu bewundern: Der Victoria Damm ist 122 m hoch und 520 m lang und staut das Wasser des Victoria Falls Reservoir. Anderthalb Kilometer weiter flussabwärts wird mit dem durch die Schleusen gelassene Wasser ein Kraftwerk betrieben, das etwa ein Viertel des srilankischen Stroms erzeugt. Kraftwerk und Staudamm sind ein Teil des gewaltigen Mahaweli-Projektes, dem größten jemals von Sri Lanka durchgeführten Entwicklungsprojekt. Dazu gehören drei weitere Wasserkraftwerke bei Kotmale, Randenigala und Rantembe. Zusammen erzeugen die Kraftwerke 55% des Srilankischen Stroms.
Das gesamte Mahaweli Projekt war Anfang der 70er Jahre konzipiert worden (Baubeginn 1972), um einerseits die Energieversorgung des Landes sicherzustellen, andrerseits aber auch durch ein ausgeklügeltes Kanalsystem die Landwirtschaft in den trockenen Regionen mit Wasser zu versorgen. Bis heute konnten über 100.000 Bauernfamilien in die neu bewässerten Gebiete umgesiedelt werden, das Durchschnittseinkommen dort ist etwa doppelt so hoch wie in den übrigen Teilen des Landes.
Wir hatten kein Glück, die Straße zum Staudamm war gesperrt, vermutlich aus Angst vor terroristischen Angriffen. Also fuhren wir zurück. Gegen 16:30 waren wir wieder in Kandy und gingen zum Chinesen essen, es schmeckte zwar nicht schlecht, aber überhaupt nicht chinesisch. Den Abend verbrachten wir mal wieder mit Kartenschreiben.

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letzte Änderung: 20.11.2017 · Copyright © 2003 - 2017 by Angelika Rosenzweig