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Reisebericht Südostasien 1996
Java/Cirebon

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Dienstag 01.10.1996

Java Karte mit Cirebon Um 10:30 fuhren wir mit einem Taxi los in Richtung Cirebon. Das Auto war ein ziemliche Klapperkiste, der Fahrer nervte durch ständiges Rülpsen. Als wir unterwegs die Busse sahen, die sehr ordentlich aussahen, ärgerten wir uns ein bißchen, dass wir uns für das teure Taxi entschieden hatten. Die Fahrt zog sich etwas hin, um 13:30 kamen wir in Cirebon an und ließen uns vom Taxifahrer im Grand Hotel absetzen, das im Reiseführer als schönes altes Hotel aus der Kolonialzeit angepriesen wurde.
Es sah auch von außen und in der Eingangshalle ziemlich gut aus, etwas verdächtig war allerdings, dass kein Mensch Englisch sprach.

Eisenbahndenkmal in Cirebon Wir sahen uns dann ein Luxuszimmer an, das uns doch sehr an Padang erinnerte, die einfachen Zimmer waren dann wahrscheinlich entsprechend. Wir beschlossen also nicht dort zu bleiben, Brigitte blieb beim Gepäck sitzen und ich machte mich auf den Weg, das Park Hotel zu suchen, als bestes Hotel im Reiseführer beschrieben, der Adresse nach in der gleichen Straße wie das Grand Hotel. Ich kam bis zum Bahnhof, aber weit und breit kein Park Hotel. Schließlich quatschte mich ein Becak Fahrer an, mit dem üblichen "where you come from", "what's your name" usw., aber wenigstens konnte ich ihn nach dem Hotel fragen und es stellte sich heraus, dass ich genau davor stand, aber es war umbenannt worden in Hotel Primo. Ich sah mir das Zimmer an, es war in Ordnung, ein sehr schönes Hotel.
Den Becak-Fahrer namens Ardi nahm ich mit zum Grand Hotel, denn er war doch recht praktisch für den Transport unseres Gepäcks. Nachdem er uns abgesetzt hatte, verabredeten wir uns mit ihm zu einer Stadtrundfahrt für den nächsten Tag.

Blick aus dem Hotelfenster in Cirebon
Unser verspätetes Mittagessen nahmen wir um 15:00 im Hotel ein, anschließend gingen wir zum Bahnhof und kauften die Fahrkarten nach Yogyakarta, relativ problemlos mit etwas Englisch und dem indonesischen Wörterbuch war es der jungen Frau klar zu machen, was wir wollten.
Da wir ja wußten, das Cirebon an der Küste liegt, wollten wir zum Wasser, kamen durch ein Wohnviertel, das nicht gerade den besser gestellten gehörte, aber wir erregten Aufsehen und viel "Hello mister" "where you come from" "what's your name" begleitete uns durch die kleinen Gassen.
Strasse in Cirebon Bis zum Wasser kamen wir allerdings nicht, es wurde dann etwas unwegsam mit Wassergräben und geländerlosen Stegen und so drehten wir um. Wie sich später herausstellte war das sehr gut so, wir waren gegen 17:30 wieder im Hotel, um 18:00 war es stockfinster, wir wären also ganz schön ins Dunkle gekommen, ohne Straßenbeleuchtung sicher etwas schwierig, den Rückweg zu finden.
Nur wenige Leute machen einen Abstecher nach Cirebon, dabei hat es einen interessanten Seehafen, war der Sitz eines der frühen islamischen Königreiche und bietet verschiedene Sehenswürdigkeiten. An der Nordküste, an der Grenze zu Zentral-Java gelegen, wurde die Geschichte der Stadt von der javanischen, der sundanesischen und etwas auch von der chinesischen Kultur beeinflußt. Es ist eine Stadt mit vielen verschiedenen ethnischen Gruppen. Viele der Einwohner sprechen einen lokalen Dialekt, der aus sundanesischen und javanischen Elementen besteht. Es heißt, dass der Name Cirebon von "Charuban", dem javanischen Wort für "Mischung" kommt.
Cirebon ist als wichtiger Hafen zwischen Jakarta und Semarang von Bedeutung. Davon abgesehen ist Cirebon eine der attraktivsten und gepflegtesten Städte Javas. Es ist klein genug, um nicht überfüllt zu sein, und einen Halt wert.

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Mittwoch 02.10.1996

Kraton Kasepuhan in Cirebon Ardi war pünktlich um 9:00 vor dem Hotel und wir zwängten uns in das Becak, das wohl mehr für die doch sehr zierlichen Indonesier gebaut war, es war für uns ziemlich eng, und wir sind ja nun auch nicht gerade vollfett. Bis zum Mittagessen beim besten Italiener der Stadt (Spaghetti nur mittelprächtig) hatten wir vier Besichtigungspunkte, danach noch drei weitere:
1. Kraton Kasepuhan, der "Palast des älteren Bruders" stammt aus dem Jahr 1677 und wurde für den ältesten Sohn der Herrscherfamilie erbaut.
Auf den Ruinen eines früheren hinduistischen Herrschersitzes errichtet, bietet der Kraton ein reizvolles Gemisch islamischer, hinduistischer, chinesischer und europäischer Stilelemente.
Leider verfallen die mit roten Backsteinmauern umgebenen Vorhöfe zusehends. Dagegen ist das Hauptgebäude, ein halboffener javanischer Pendapo, sehr gut erhalten. Interessant ist auch das angeschlossenen Museum, in dem sich ein Sammelsurium von teils recht kuriosen Erinnerungsstücken der Sultansfamilie befindet. im Kraton Kanoman in Cirebon

Das Prunkstück ist die königliche Kutsche "Kereta Singa Barong": Ein prunkvolles, vergoldetes Gefährt in der Form eines geflügelten, behuften und Hörner tragenden Elefanten, der überdies einen Dreizack in seinem Rüssel schwingt, ein Zwitterwesen aus javanisch-hinduistischer und griechischer Mythologie.
2. Kraton Kanoman, der "Palast des jüngeren Bruders" wurde 1681 erbaut, wirkt zum Teil auch ziemlich verfallen, aber Renovierungsarbeiten sind zu erkennen, weil vom 1. - 7.7.97 in Cirebon das Kraton Festival stattfinden soll. Der Kraton Kanoman ist der Sitz des heutigen Sultans, einem reichen Bänker. Dieser Teil des Palastes ist nicht zu besichtigen, aber natürlich auch nicht verfallen.
Goa Sunyaragi in Cirebon 3. Goa Sunyaragi, ca. 4 km südwestlich der Stadt befindet sich die bizarre zerstörte "Höhle", es handelt sich um eine Art Felsengrotte mit roten Ziegeln und Gips, Geheimräumen, winzigen Türen und Treppen, die ins Nichts führen. Es war im Frühen 18. Jahrhundert ursprünglich ein Wasserpalast für den Sultan von Cirebon (wirkt heute eher vertrocknet), und verdankt seine heutige Form einem chinesischen Architekten, der ihn 1852 umbaute. Zwischenzeitlich diente Gua Sunyaragi auch als Festung, in der sich bei verschiedenen Revolten der Widerstand gegen die holländischen Kolonialherren formierte.

4. Grab von Sunan Gunungiati: Auf dem königlichen Friedhof, 5 km nördlich von Cirebon, liegt das Grab von Sunan Gunungiati, der 1570 verstarb. Gunungiati, der am meisten verehrte König von Cirebon, war einer derjenigen, die den Islam auf Java ausbreiteten.
Sein Grab ist daher immer noch einer der heiligsten Plätze im Land. Den Pilgern ist es nur erlaubt bis zum Eingang zu kommen. Das Innere ist nur der Familie aus dem Kraton zugänglich, die es freitags besucht. Totengaben im Chin. Tempel in Cirebon

5. Chinesischer Tempel: Nach dem Mittagessen fuhren wir zu einem hübschen chinesischen Tempel mit diversen Göttern für alles mögliche. Ein kleiner verhutzelter freundlicher Chinese in kurzen Hosen führte uns herum und erklärte uns den Tempel. Im Tempelbereich konnten wir die Vorbereitungen eines Totenopfers für eine offensichtlich reiche Frau bewundern.
Dort stand ein prächtiges Modellpapierhaus, davor auf einem Tisch aufgebaut eine große Menge an Speisen und jede Menge Papiergeld. 49 Tage nach dem Tod, in diesem Fall an dem Abend um 23:00 Uhr, wird das alles verbrannt, damit der Tote das ganze Zeug ins Jenseits mitnehmen kann, damit es ,ihm dort gutgeht.
Minarett der Holzmoschee in Cirebon

6. Gegenüber vom Tempel war ein Straßenfest zugange. Es handelte sich um eine bunte Mischung aus diversen Verkaufsständen, Ständen mit Informationen über Gesundheitsvorsorge, über die Geschichte Indonesiens, Essenstände und Reklame (z. B. Telekom). Es wuselten jede Menge Menschen herum und war ganz interessant.

7. Masjid Agung ("Große Moschee"): Hier handelt es sich um eine der ältesten javanischen islamischen Gebetsstätten aus dem 16. Jahrhundert. Die Moschee ist vollständig aus Holz errichtet, eine Spitzenleistung javanischer Baukunst.
Vorbei am Markt fuhren wir zurück zum Hotel, wo wir gegen 16:30 ankamen. Kaum war unser Becak-Fahrer weg, gab es einen fürchterlichen Platzregen mit Gewitter, wir hatten also Glück gehabt und waren nicht naß geworden. Unseren Durst stillten wir in unserem Zimmer, das Abendessen fand wieder im Hotel statt.

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letzte Änderung: 17.04.2016 · Copyright © 2003 - 2017 by Angelika Rosenzweig