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Reisebericht China Philippinen 1994 Guilin

Donnerstag 31.03.1994

China Karte mit Guilin Aufstehen 7:00, Frühstück 8:00, Abfahrt 9:00. Zunächst fuhren wir zum Westtor der Stadtmauer.
Westtor: Xi´an ist eine der wenigen Städte Chinas, deren Stadtmauer nicht vollends geschleift worden war. Man begann mit der Restaurationsarbeiten an der 14 km langen, im Rechteck angelegten, durchschnittlich 12 m hohen und 9 m breiten Stadtmauer aus der frühen Ming-Zeit (1370). An den vier Seiten der Mauer liegt, nach allen Himmelsrichtungen ausgerichtet, jeweils ein Stadttor, von denen wir das fertig renovierte westliche besichtigen.
Die mächtige Toranlage, in deren Aufbauten u.a. das Stadtmuseum untergebracht ist, präsentiert den üblichen Baustil: zwei einander gegenüberliegende Torbauten - der äußere Bau ist der Feindturm, der innere der Hauptturm - flankieren ein großen freies Areal und bilden in der Längsseite eines Rechtecks, dessen beide Kursierten von den Enden der heranführenden Stadtmauer herrühren; von hier aus kann man übrigens besonders gut den Fortschritt der Rekonstruktionsarbeiten überblicken. Das Torareal diente in Zeiten der Gefahr als Trutzburg und als Aufmarschplatz für das Heer.

Westtor in Xian

Der nächste Besichtigungspunkt war das Provinzmuseum mit dem Stelenwald.
Provinzmuseum: Unter der Südostecke der Stadtmauer breitet sich hinter einen prachtvollen Ehrentor aus der Ming-Zeit nach Norden hin die ausgedehnte Anlage von Gärten, Hallen und Pavillons des ehemaligen Konfuziustempels aus, unter dessen Dächern sich seit den 50-iger Jahren das reich bestückte Provinzmuseum befindet. das erste Ziel könnte der "Stelenwald" sein, in dem über tausend Steinstelen aus allen Epochen der großen Geschichte Chinas, speziell die der Provinz Shaanxi und der Stadt Xi´an, stehen.
Nur kurze Zeit hielten wir uns in der Halle mit den Steintafeln auf, die Texte der klassischen Literatur der konfuzianischen Tradition zeigen, dann beschlossen wir, lieber ein wenig das Leben und Treiben auf der Straße zu genießen.
Um 11:30 fuhren wir wieder ab, und weil bis zum Mittagessen noch ein wenig Zeit blieb, führte She uns zu einer Markthalle mit Lebensmitteln (u.a. lebende Schlangen und viel Undefinierbares, aber auch sehr lecker aussehende Sachen wie Fleisch, Fisch, Geflügel und Würste). Unser Herr She bezeichnete die Markthalle als "Baumarkt", warum weiß nur er, uns blieb es verborgen. Damit der Bus ohne zu zahlen halten konnte, sollten wir noch schnell in einen Tourist-Shop schauen. Das Schauen erweiterte sich zum Erwerb eines Seidenhemdes.
Eingang zur Markthalle in Xian Um 12:30 fuhr uns der Bus zum Flughafen, dort gab es ein ziemlich scheußliches Mittagessen. Unser Flieger startete um 15:25, nachdem wir erst noch mitten auf dem Flugfeld 5 Minuten herumgestanden hatten, weil ein Großflieger an uns vorbeigeschoben wurde und schließlich mit Düsengetöse abfuhr. (Deutsche Sicherheitskräfte wären einem Nervenzusammenbruch erlegen). Der Anflug auf Guilin war wunderschön, wir hatten die richtige Seite erwischt. Wir landeten pünktlich um 17:30.
Vor dem Flughafen hörte ich den in völlig klarem und fehlerfreiem Deutsch gesprochenen Satz: "Wir gehen zum Bus" und fühlte mich überhaupt nicht angesprochen. Aber wir waren doch gemeint, es war unser örtlicher Reiseleiter von Guilin. Wir fuhren kurz von 18:00 ab, zum Li-River-Hotel, wo ich 1988 gewohnt hatte. Dort aßen wir zu Abend und fuhren dann weiter zum Guilin Royel Garden, ein sehr schönes Hotel mit einem gartenähnlichen überdachten Innenhof. Als wir dort ankamen, waren sogar unsere Koffer schon da. Um 20:00 ging es direkt wieder los, zu einer Touristen-Veranstalltung der Kormoranfischer. Es war sehr interessant, aber die armen Viecher taten mir leid. Ihnen wurde mit einem Draht der Hals zugebunden, so dass sie nicht schlucken konnten, und so mußten sie die gefangenen Fische wieder hergeben. Dann schlenderten wir noch über den Touristennachtmarkt, mit vielen netten Sachen.
Elefantenruesselberg in Guilin Dann schlenderten wir noch über den Touristennachtmarkt, mit vielen netten Sachen.
Die Landschaft um Guilin in der autonomen Region Guangxi-Zhuang mit ihren schönen, bizarren, kegelförmigen Karstbergen galt zu allen Zeiten als eine der schönsten in ganz China. Viele Menschen im Westen halten die mit dichtem Grün bewachsenen Hügel, zwischen denen sich Reisfelder erstrecken, für den Inbegriff einer chinesischen Landschaft schlechthin. Die phantastischen Karstformationen wurden vor mehr als 300 Millionen Jahren aus dem Kalksteinboden des Meeres, das sich damals hier erstreckte, nach oben gedrückt. Erosion durch Wind und Wasser schufen in Tausenden von Jahren diesen "Steinwald" mit seiner einzigartigen, in der Dämmerung gespenstischen Felsformation, Tropfsteinhöhlen und Flüssen. Guilin liegt am Westufer des Lijang (Li-Fluß) und hat eine Bevölkerung von etwa 300 000 Menschen.

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Freitag 01.04.1994

Schiffe auf dem Li Fluss bei Guilin Aufstehen 6:30, Frühstück 7:30, Abfahrt 8:30.
Zunächst führte uns der Besichtigungsweg zur Schilfrohrflötnhöhle: Früher einmal war der Zugang zur Höhle an den davor abgestellten Schilfbündeln zu erkennen, aus denen die Einheimischen Musikinstrumente anfertigen - daher der Name. Eine der Grotten, der Kristallpalast des Drachenkönigs, kann ohne weiteres 1000 Personen fassen - während des Krieges, als die Leute Schutz vor den Bomben suchten, drängten sich hier allerdings weitaus mehr Menschen zusammen. Beherrschendes Gebilde der Höhle ist ein riesiger weißer Felsbrocken, der von einem Felsvorsprung herunterhängt und den Eindruck von herabstürzenden Wasser erweckt. Gleich gegenüber steht ein großer Stalagmit wie ein alter Gelehrter im Raum.
Die dazugehörende Geschichte besagt, dass ein vorbeikommender Gelehrter, der von der Höhle sehr beeindruckt war, unbedingt ein Gedicht verfassen wollte, das der Schönheit der Höhle gerecht wurde. Nach langer Zeit hatte er mit Müh und Not zwei Sätze zusammengebracht, mit denen er darüber klagte, dass er die rechten Worte nicht finden konnte. Seiner schwunglosen Schriftstellerkarriere wurde daraufhin ein abruptes Ende gesetzt., indem er selbst zu Stein verwandelt wurde.
Landschaft am Li Fluss bei Guilin Eine andere Geschichte lautet so, dass dieser Stein die Nadel des Drachenkönigs war, die von seinem Gegner, dem Affenkönig, als Waffe eingesetzt wurde. Mit der Nadel tötete der Affenkönig die aus Schlangen und Quallen bestehende Armee des Drachenkönigs, deren durchstochene Körper er auf den Boden der Höhle niedergestreckt zurückließ.
Nach dem kitschig feuchten Höhlenerlebnis fuhren wir mit dem Bus einige Kilometer auf dem Westufer flußabwärts und schifften uns um 9:45 in Jiujiang ein. das Boot legte um 10:15 im Verein mit vielen Schwesterschiffen, die alle, wie unseres mit Touristen vollbesetzt waren, ab und glitt sachte über das zum Teil recht seicht Wasser. Malerische Weiler, Dörfer, Felder; Bambushaine und die sich tief staffelnden Karstkegel erquickten unsere Augen und Sinne. Da die Szenen sich bei jeder Flußwindung wandelten, verstrich die Zeit wie im Fluge. Nach knapp zwei Stunden wurde zum Mittagessen aus der Bordküche geladen (12:00-13:00), aber große Begeisterung lies das Essen nicht aufkommen.
Um 14:00 trafen wir am Zielort Yangshuo ein, ca. 80 km südlich von Guilin. Yangshuo ist immer noch eine winzige Stadt auf dem Land, mitten in die Kalksteigebilde hineingepflanzt. Wir stiegen zur Rückfahrt nach Guilin in den Bus um, der zwischenzeitlich eingetroffen war.
Landschaft am Li Fluss bei Guilin Die zweistündige Rückreise mit dem Bus vermittelt einen guten Eindruck des typischen Landlebens von Guangxi-Zhuang. Unser Besichtigungsprogramm war aber damit noch nicht beendet.
Zunächst besuchten wir eine Schmuckfabrik, in der sich für uns unvorstellbare Arbeitsbedingungen zeigten, wobei wir ja nur die für Touristen aufbereiteten Arbeitsplätze sahen. Natürlich war auch wieder der obligatorische Verkaufsraum angeschlossen, aber meine Kauflust war sehr gebremst und ich setzte mich lieber vor der Fabrik auf die Wiese.
Danach fand noch eine Werbeveranstaltung in einem "Krankenhaus" statt, wo uns ein Heiler/Arzt seine Methode der Elektrobehandlung vorführte, die einigermaßen beeindruckend war. Darüber hinaus wurden Cremes und Essenzen für teures Geld angeboten. So richtig wußte ich nicht, was von all dem zu halten sei. Nach dem Abendessen fuhren wir zurück in unser Hotel, wo noch ein Folklore Abend im "Garten" stattfand. Aber irgendwie war uns nicht nach Aufführung, und so nahmen wir unseren Schlummertrunk vor der Bar in der Hotelhalle.

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letzte Änderung: 20.11.2017 · Copyright © 2003 - 2017 by Angelika Rosenzweig