Flagge Indien

Reisebericht Südindien 1987
Madurai

Flagge Indien

Freitag 17.04.1987

Indienkarte Karte mit Madurai Strassenszene in Trichy Nach dem Frühstück und dem Packen machten wir uns auf den Weg in die Altstadt um den Rock-Fort-Tempel zu besteigen. Wir schlenderten die Hauptstraße entlang und überlegten, ob wir uns den an der Straße liegenden Tempel anschauen sollten, ließen es dann aber sein. Wir gingen zurück zum Anfang der Straße, weil wir dort den Weg nach oben vermuteten, da war aber kein Weg. Also fragten wir und man wies uns den Weg die Hauptstraße entlang, wir gingen also wieder zurück, bis wir so weit kamen, dass nichts mehr los war, bogen nach links ein, aber der Felsen lag schon viel zu weit hinter uns. Also den ganzen Weg wieder zurück und am Wasser an der Gemüsestraße entlang. Aber auch hier war bald nichts mehr los, nur eine christliche Kirche mit Karfreitagsgottesdienst, wo wir im Schatten eine Weile Pause machten und dann wieder zurück zur Ecke der Hauptstraße.
Felsentempel in Trichy Wir fragten wieder nach dem Weg und wieder wies man uns die Hauptstraße entlang. Also schlugen wir wieder die Richtung ein und bogen in eine kleine Nebengasse ein, aber auch die führte zu nichts und die Leute, die wir nach dem Weg fragten, zeigten zurück, einer kam sogar bis zur Ecke der Hauptstraße mit und zeigte wieder die Straße entlang. Also noch mal den gleichen Weg auf der Hauptstraße, wieder an dem Tempel vorbei und auch ein Stück in die Gasse mit den Buden. Wieder ein Stück die Straße entlang, aber es tat sich kein Weg auf, der zum Felsen führte. Wir machten also kehrt und beschlossen nach den 2 Stunden vergeblichen Suchens nach dem Aufstieg auf den Felsentempel und den Ausblick zu verzichten. Wir kamen nun zum 5. Mal an dem kleinen Tempel vorbei und jetzt kam uns endlich die Erleuchtung, es war gar kein Tempel, sondern der Eingang zum Felsentempel. Also nun doch nach oben, rund 200 Stufen, aber überdacht und dadurch erträglich. Kurz vor dem Austritt ins Freie musste man den Eintritt bezahlen und kam in die Sonne in den Tempelvorhof. Von dort oben eine ganz nette Aussicht, aber nicht so toll wie erwartet, denn der Tempel von Srirangam lag ziemlich im Dunst.


Blick auf Trichy Auf dem Rückweg aus der Altstadt tranken wir in unserem "Stammlokal für Soda" noch ein gekühlte nicht muffig schmeckende Soda und fuhren dann zum Hotel zurück und dann zum Bahnhof.
Auf dem Bahnhof quatschte uns ein gut aussehender, gut angezogener junger Inder an, der wissen wollte, wo wir hin wollten. Er selbst erzählte, dass er aus Mangalore und Arzt sei. Er war sehr nett und freundlich und sah ein bisschen wie der junge Omar Sharif aus. Er gab uns Hoteltipps für die nächsten Stationen unserer Reise. Im Zug nach Madurai ergaunerte er sich den Platz uns gegenüber und gab uns zweimal einen Tee aus und spendierte uns Jackfruitstücke. Er empfahl uns das Hotel TM Lodge und überredete uns schließlich auch dorthin zu kommen, obwohl wir eigentlich zum Touristbungalow wollten. Das Hotel war nicht so ganz nach unserem Geschmack, das Zimmer ging ja, aber das Bad war grässlich, bewohnt zudem von Kakerlaken, wir versuchten noch etwas anderes zu finden, aber die anderen Hotels waren ähnlich oder besetzt, also blieben wir doch und verabredeten uns mit unserem Arzt zum Essen.



Lok auf dem Bahnhof in Trichy Er brachte uns zum Essen ins Restaurant Taj, sehr dunkel und warm, aber das Essen war gut und der Kellner freundlich routiniert. Unser Arzt bezahlte schon wieder, wir entschieden uns noch zu einen kleinen Stadtbummel durch die Stadt. Irgendwie kamen uns dann Zweifel an unserem Reisegenossen, für einen Arzt sprach er eigentlich zu schlecht Englisch und außerdem hatte er nicht gewusst, dass wir das indische Wasser nicht trinken dürfen und Malariaprophylaxe kannte er auch nicht. Wir vermuteten schon, dass er uns wahrscheinlich nur ins Hotel gelockt hatte um sich mit unserem Gepäck davon zu machen, unser Freund wurde uns nun richtig verdächtig. Also gingen wir zügig zum Hotel zurück und unser Gepäck stand noch genauso da, wie wir es verlassen hatten.
Unsere Nachtruhe wurde durch die Wärme etwas getrübt und sehr früh ging der Lärm auf den Straßen wieder los, dafür lag das Hotel aber schön zentral.

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Sonnabend 18.04.1987

Bügler in Madurai Die sehr lebendige Stadt Madurai mit mehr als einer Million Einwohner quillt geradezu über vor Pilgern, Bettlern, Geschäftsleuten, Ochsenkarren und ganzen Legionen unterbeschäftigter Rikscha-Wallahs. Madurai ist eine der ältesten Städte Südindiens und seit Jahrhunderten Zentrum des Lernens sowie des Studierens und außerdem ein Wallfahrtsort.
Die bedeutendste Sehenswürdigkeit ist der Shree Meenakshi.Tempel im Herzen der Altstadt, ein fast barockes Beispiel drawidischer Architektur. Seine Gopurams sind von oben bis unten mit einer atemberaubenden Fülle verschiedenfarbiger Abbilder von Göttern, Göttinnen, Tieren und mythischen Figuren bedeckt.
Die Geschichte von Madurai lässt sich grob in vier Abschnitte gliedern. Vor mehr als 2000 Jahren war sie die Hauptstadt der Pandya-Könige. Den Griechen war sie schon im 4. Jahrhundert vor Christus durch Megasthenes bekannt; er war der griechische Botschafter am Hofe. Im 10 Jahrhundert n. Chr. nahmen die Cholas die Stadt ein. Im 14.Jahrhundert fielen die Moslems unter ihrem Anführer Malik Kafur ein.


Kutschen in Madurai Er stand im Dienst des Sultanats von Delhi. Malik Kafur gründete in Madurai seine eigene Dynastie, die aber durch die hinduistischen Vijayanagar Könige von Hampi überrollt und entmachtet wurde. Schließlich ging Madurai in die Hände der Nayaks über. Diese regierten von 1559 bis 1781.
Währen der Herrschaft von Tirumalai Nayak (1623-55) entstand der größte Teil des Meenakshi-Tempels. Nach 1781 nahmen sich dann die Briten dieser Stadt an. Dabei spielte auch die East India Company eine Rolle. 1840 machten die Helfershelfer der East India Company das Fort, das früher einmal die Stadt umgab, dem Erdboden gleich und füllten die Gräben mit Erdreich auf. Vier breite Straßen, die Veli Streets, sind auf diesen aufgeschütteten Gräben gebaut worden. Sie lassen somit heute noch die ehemaligen Stadtgrenzen erkennen.
Gegen 11 Uhr frühstückten wir im Taj Restaurant beim Routinierten, der sich sichtlich freute uns wiederzusehen. Anschließend machten wir uns auf zum Bahnhof mit Rikscha, aber das lohnte sich nicht so recht, aber am Vorabend war mir der Weg viel weiter vorgekommen. Wir kauften unsere Fahrkarten für den nächsten Tag für die Fahrt nach Quilon. Dann versuchten wir das Tourist-Office zu finden, was uns schließlich auch gelang, es hatte aber geschlossen. Mit einer Rikscha fuhren wir dann zum Tempel, der von 13:00 - 16:00 zwar geschlossen ist, aber Touristen dürfen dann im geschlossenen Tempel herumlaufen.
Shree Meenakshi Tempel Shree Meenakshi Tempel: Meenaksshi, die Schöne "mit den fischförmigen Augen", wurde von den Göttern einem Pandya-Fürsten als Tochter gegeben, der verzweifelte weil er keinen Sohn hatte. Der König zeigte sich ein wenig bestürzt, zumal die schöne drei Brüste hatte, aber die Götter versprachen, dass dieser Fehler im gegebenen Augenblick verschwinden werde. Als der Herrscher starb, bestieg Meenakshi den Thron von Madurai.
Die Fürsten der Nachbarländer hielten um ihre Hand an, doch Meenakshi hatte beschlossen, sie nur demjenigen zu gewähren, der sie in der Handhabung der Waffen überträfe. Aus allen Wettkämpfen ging sie als Siegerin hervor. Aber dann tauchte eines Tages der schöne Sundarar auf, der kein anderer war als Shiva selbst, und die kriegerische Haltung der Prinzessin verschwand zugleich mit ihrer dritten Brust. Die Ehe wurde geschlossen und Menakshi wurde Uma Parvati gleichgestellt. In seiner heutigen Form wurde der Tempel von 1623-55 erbaut.

Tirumalai Nayak Palast Nach den Besuch des sehr eindrucksvollen Tempels, in dem man sich wirklich verlaufen kann, fuhren wir zum Tirumalai Nayak Palast mit einem uns sehr nett erscheinenden Rikscha-Fahrer. Wir ließen uns vom Rikschafahrer wieder zum Tempel radeln, und da wurde er recht unverschämt und forderte das doppelte des vereinbarten Preises, weil er so lange gewartet hatte und außerdem wären wir zwei Personen. Er verfolgte uns noch eine ganze Weile, drohte mit der Polizei und gab dann schließlich auf.
Wir schlenderten langsam in Richtung Hotel durch die kleinen Straßen mit vielen Geschäften mit Tand und Trödel für die Pilger. Nach einer Soda-Pause in einem Restaurant war es dann nicht mehr allzu weit. Wir aßen wieder beim Routinierten und packten anschließend unsere Sachen und bezahlten unsere Rechnung von 100 Rs für zwei Nächte. Für den Preis war das Hotel eigentlich sehr schön.

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letzte Änderung: 17.04.2016 · Copyright © 2003 - 2017 by Angelika Rosenzweig