Flagge Indien

Reisebericht Nordindien 1986
Varanasi

Flagge Indien

Freitag 20.12.1985

Indienkarte Karte mit Varanasi In Varanasi Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg. Wir überquerten die Bahngleise direkt am Bahnhof und schlängelten uns dann durch unbeschreiblich kleine enge Gassen durch Varanasi. Auch hier fanden wir wieder ein Jantar Mantar, leider in sehr schlechtem Zustand, aber von dort oben hatte man einen wunderschönen Blick auf den Ganges und einen Teil der Ghats. Wir wanderten soweit und so oft es ging am Wasser entlang, mussten jedoch manchmal etwas abweichen, weil kein Weg mehr direkt am Wasser entlang führte. Das Leben und Treiben an den Ghats war recht beeindruckend, es gab tatsächlich jede Menge Leute, die in dieser trüben aber heiligen Brühe badeten. Schließlich bogen wir um einen großen Turm herum und hatten einen unbeschreiblich schönen Blich auf diverse Tempel, was zur Folge hatte, dass wir sofort die Fotoapparate zückten.
Kaum geschehen wurden wir von ca. 10 Jugendlichen umringt, die zum Teil mit Messern fuchtelten und uns klar zu machen versuchten, dass das Fotografieren hier verboten sei und wir sollten 400 Rupien Strafe zahlen. Dass das Fotografieren am Verbrennungsghat verboten ist wussten wir schon, nur wussten wir zum Zeitpunkt des Fotografierens leider nicht, dass es sich um eben dieses Verbrennungs-Ghat (Jallahsay Ghat) handelte.

am Ganges in Varanasi Das teure Photo

Bei den recht bedrohlich aussehenden Gestalten trauten wir uns nicht allzusehr zu widersprechen und bezahlten zähneknirschend.
Von den Ghats hatten wir nun erst mal genug und bogen in die kleinen Gassen ein, die uns vom Wasser wegführten. Kurz danach quatschte uns ein Schlepper an, er wolle sein Englisch üben und uns die Stadt zeigen, was dazu führte, dass er uns eine Seidenfabrik zeigte, in der er offensichtlich zur Familie gehörte und wir hockten in einem Verkaufsraum, tranken Tee und kauften auch einen Seidenbrokat, denn sie waren wirklich sehr schön.
Der ganze Tag wurde so in den Gassen und Gässchen von Varanasi "verbummelt", den Abend verbrachten wir im Hotel, wo wir auch wieder köstlich zu Abend aßen, dieses Mal Chinesisch.

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Sonnabend 21.12.1985

Für heute hatten wir eine Stadtrundfahrt gebucht incl. Sonnenaufgang am Ganges, also ging es in aller Herrgottsfrühe los. Die Gesellschaft der Stadtrundfahrer war recht gemischt, am auffälligsten war der "schwätzende Schweizer", der an diesem Tag ein französisches Ehepaar ausdauernd beschwatzte.
Mit dem Bus fuhren wir zu den Bootsanlegestellen und stiegen dann in handgeruderte kleine Boote um. Es war noch dunkel, als wir einstiegen. Als wir dann auf dem Wasser waren, färbte sich der Himmel langsam rosa und die Sonne erschien auf der den Ghats gegenüberliegenden Seite und sie wurden in ein schönes morgenrothelles Licht getaucht. An den Badeplätzen begann nun auch das morgendliche Badetreiben in der trüben Brühe, die aber zumindest heilig ist.

Sonnenaufgang am Ganges Morgens am Ganges

Insgesamt gibt es über 80 Ghats, die das westliche Ufer des Ganges säumen, leider sind sie in sehr schlechtem Zustand, denn jedes Jahr richtet das Monsun Hochwasser schwere Schäden an, hinzu kommt noch der hohe Schadstoffgehalt des Ganges. Die Stadt Varanasi hat nicht das Geld, alle diese Ghats zu erhalten und zu renovieren, allerdings bemüht man sich, den knapp 2 km langen Abschnitt zwischen Dasashwamedh und Manikarnika Ghat zu erhalten. In diesem Bereich konzentriert sich nämlich jeden Morgen die religiöse "Aufführung" der zum Fluss strömenden Pilger, der meist wohlbeleibten, wichtig aussehenden Brahmanen, die religiöse Dienste anbieten, der mageren Yogis, die sich durch nichts in ihrer Meditation stören lassen.
Das Jallahsay Ghat, ist das von den Touristen am meisten besuchte Ghat, denn es ist der Hauptverbrennungsplatz Varanasis. Bis zu 50 Verbrennungen finden hier täglich statt. Die Asche und alles was nicht so ganz verbrannt ist, wird dann dem Ganges übergeben, was auch nicht zur Verbesserung des Gangeswasser beiträgt, tote Säuglinge, Sadhus und Leprakranke werden jedoch nicht verbrannt, sondern mit Steinen beschwert und unverbrannt versenkt.

Morgens am Ganges Morgens am Ganges

Nach der Bootsfahrt wurden wir zunächst zum Goldenen Tempel (Vishvanatha Mandir) gebracht, den wir aber als Nicht-Hindus nicht betreten durften und so nur einen Blick darauf werfen konnten.
Leider ist der Tempel nur für Hindus geöffnet, und so muss sich der Nichtgläubige mit einem Blick von den benachbarten Häusern begnügen Das bunte Treiben in den engen und verwinkelten Gassen macht einen Besuch jedoch lohnenswert.
Nach der Besichtigung des Goldenen Tempels wurden wir zu einem kleinen Restaurant gefahren, wo wir ein Frühstück bekamen.

Affentempel Varanasi Affentempel Varanasi

Unser nächster Besichtigungspunkt war der Durga-Tempel . Dieser Tempel ist eher bekannt als Affentempel, denn viele Affen haben sich diesen Tempel als Wohnort ausgesucht. Der Tempel wurde im 18. Jahrhundert von einer bengalischen Maharani erbaut.
Dann ging es weiter zum Uni Gelände, der obligatorischen Seidenfabrik einer jeden Stadtrundfahrt und zum Tempel "Mutter Indien" Tempel (Bharat Mata Tempel). Da dieser Tempel der Mutter Indien geweiht ist, enthält er auch nicht die üblichen Figuren von Göttern und Göttinnen, sondern eine Reliefkarte von Indien aus Marmor. Der Tempel wurde von Mahatma Gandhi eröffnet und darf von jedermann betreten werden.
Auf dem Nachmittagsprogramm standen nur noch zwei Punkte: Sarnath und der Palast des Maharadschas. Die Fahrt nach Sarnath dauerte etwas länger, es ist zwar nur 10 km von Varanasi entfernt, aber die Straßen waren doch recht voll.

Sarnath Sarnath

Sarnath ist die heiligste aller Hindustädte und ein bedeutendes buddhistisches Zentrum. Nachdem Buddha in Bodh Gaya seine Erleuchtung erfahren hatte, kam er nach Sarnath, um hier in seiner ersten Predigt seine Lehre des mittleren Weges zum Nirwana zu verkünden. Später errichtete dann der große buddhistische Herrscher Ashoka in Sarnath prächtige Stupas und andere Gebäude. Seine Glanzzeit erlebte der Ort jedoch in der zeit, als auch die beiden unermüdlichen Reisenden Fa Hian und Huien Tsang auf ihrer Reise diese Stadt passierten. So lebten im Jahr 640 n. Chr., als der letzte der beiden in Sarnath Station machte, 1500 Priester in der Stadt. Als dann der Buddhismus an Bedeutung verlor und die moslemischen Invasoren Indien überfielen, blieb von Sarnath nicht mehr viel übrig. Die Invasoren rissen alles nieder und schändeten die heiligen Bauwerke.
Auch Akbar ließ seinen Vater Humayun zu Ehren auf den Grundmauern eines Stupa ein Denkmal errichten. Die Zeit verrichtete dann den Rest. Erst 1836 begannen britische Archäologen mit Ausgrabungen bei Sarnath. Dadurch erhielt Sarnath ein wenig vom früheren Glanz zurück. Für indische Verhältnisse ist die Anlage von Sarnath recht gepflegt und es war damit auch sehr schön dort herumzulaufen.
Zu unserem letzten Punkt der Stadtrundfahrt, dem Ramnagar Fort kamen wir sehr spät an, weil wir leider im Stau standen, es wurde schon dunkel und wir mussten in einer Viertelstunde durch den Palast hetzen, denn sie wollten schließen. Eine provisorische Brücke verbindet die vom Universitätsgelände zum Fluss führende Ramnagar Straße mit der gegenüberliegenden Seite des Ganges, welche vom Fort des Maharajas überragt wird. Der Palast ähnelt einer mitteleuropäischen Burg und wurde teilweise als Museum umgewandelt. Ein Teil des Palastes wird immer noch vom heutigen Maharaja von Varanasi bewohnt.
Unser Abendessen nahmen wir wieder im Hotel ein, wieder sehr köstlich, dieses Mal Erbsen mit Käse.

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Sonntag 22.12.1985

Eine schöne Tür in Varanasi Für diesen Tag hatten wir keinen festen Plan und liefen nach dem Frühstück einfach los in Richtung Altstadt und Ganges. Um in die Altstadt zu kommen, mussten wir die Bahnstrecke überqueren und taten das dann beim Bahnhof.
Bahnhofsvorstand von Varanasi Weil wir gelesen hatten, dass das Fotografieren auf indischen Bahnhöfen verboten ist, wollte Christian vorsichtshalber doch lieber den Bahnhofvorstand um Erlaubnis fragen. Im Büro des Bahnhofsvorstands war auch ein Holländer, dem man das gesamte Gepäck geklaut hatte, aber eigentlich war er daran selber schuld, denn er hatte es unbeaufsichtigt 20 Minuten im Zug gelassen.
Er war allerdings vor uns dran und so mussten wir eine ganze Weile warten, denn indische Bürokratie ist nicht die schnellste. Schließlich konnte Christian seine Frage um die Fotografiererlaubnis an den Mann bringen und ein Lächeln erhellte die Gesichter der Bahnbeamten. Sie kämmten sich die Haare und stellten sich in Positur. Sie hatten wohl was falsch verstanden, sie dachten wir wollten sie fotografieren. Jedenfalls taten wir ihnen den Gefallen und somit konnten wir dann auch auf dem gesamten Bahnhof Bilder machen. Auch eine Art von Beamtenbestechung.
Wir liefen dann ungefähr 6 Stunden durch Varanasis Straßen und Gassen und ließen die Stadt auf uns wirken. Es war sehr schön und so bekamen wir doch einen guten Eindruck von Varanasi.
Das Abendessen fand wieder in unserem Hotel statt.

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letzte Änderung: 17.04.2016 · Copyright © 2003 - 2017 by Angelika Rosenzweig