Das Rote Fort in Old Delhi angelikasreisen.de

Reisebericht Nordindien 1986 Delhi

Sonnabend 14.12.1985 - Sonntag 15.12.1985

Indienkarte Karte mit Delhi Um 11:00 ging mein Flieger von Berlin nach Frankfurt, dort kam ich pünktlich um 12:00 Uhr an. Mein Bruder Christian und ich haben uns um 12:30 gefunden, meinen indischen Kollegen "Bhati" und seine Familie fanden wir kurz vor 13:00. Nach dem Check in fanden wir dann meine Freundin Bezi, die sich auf einer Zwischenlandung von Wien kommend befand, und wir tranken zusammen Kaffee. Unser Abflug mit Air India war fast pünktlich um 16:20. Bei der Zwischenlandung in Rom kam es im Flieger zu etwas seltsamen Geräuschen, dann fiel die Klimaanlage aus, wir durften/mussten aber im Flugzeug bleiben. So harrten wir dann anderthalb Stunden bei ziemlicher Hitze im vollen Flieger aus, dann ging's endlich wieder los.
Unser Air-India-Flieger Der Flug bis Delhi zog sich furchtbar in die Länge, denn außer ein wenig dösen war an schlafen nicht zu denken. Um 8:00 Ortszeit waren wir pünktlich über Delhi, aber leider konnten wir wegen Nebels nicht landen. Wir kreisten fast 1 ½ Stunden über Delhi, dann entschloss sich der Pilot nach Bombay weiterzufliegen. Dort konnten wir dann landen, mussten alle das Flugzeug verlassen und lungerten nun noch mal zwei Stunden in Bombay auf dem Flughafen herum, bevor wir nach Delhi starten konnten. Dort kamen wir dann endlich um 14:00 an.
Es regnete und war ziemlich kühl. Das Gemache im Flughafen dauerte noch mal zwei Stunden. Dann trotteten wir erst hinter meinem Kollegen Bhati und der ganzen Verwandtschaft her und dann hinter dem Menschen, der uns zum Busschalter bringen sollte, dann hinter dem Menschen, der uns zum Bus brachte. Der Bus wartete noch bis er voll war, zottelte dann los, brachte uns genau bis zum York Hotel, wo wir dann endlich um 17:00 ankamen.
In unserem Zimmer funktionierte die Klospülung nicht, ein Fenster gab es nicht und die Tür ging genau zur Empfangshalle mit laut brüllendem Fernseher. Das Zimmer wollten wir nicht. Nach dem Essen konnten wir tauschen, immerhin mit einer Tür zur Straße, aber dafür mit Küchengerüchen. Wir wollten noch einen kurzen Rundgang machen, aber er wurde wirklich sehr kurz, denn es war schon dunkel und es waren eine Menge finstere Gestalten unterwegs. Das Abendessen im York's Restaurant war vorzüglich und versöhnte uns sofort mit dem schrecklichen Zimmer.

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Montag 16.12.1985

Nach relativ frühem Aufstehen (7:00 Uhr) und einem miserablen Frühstück ("staubiges" Rührei mit pappigem Toast) machten wir uns auf den Weg zum Janpath, suchten und fanden das Tourist Office und buchten eine Stadtrundfahrt für den nächsten Tag. Gemäß Reiseführer sollte es am Janpath einen vorzüglichen Kartenladen geben, er lag etwas versteckt, wir fanden ihn aber trotzdem. Er wirkte etwas verstaubt, aber wir wurden trotzdem fündig, und ich erstand eine Indienkarte.

Gurudwara Bangha Sahib Sikh Tempel Lakshmi Narayan Tempel

Nun war noch Geld tauschen angesagt, der erste Versuch schlug fehl, die State Bank of India nimmt keine American Express Reiseschecks, bei der Central Bank hatten wir dann mehr Erfolg.
Danach machte wir uns dann auf den Weg, uns irgend etwas anzuschauen, aber irrten doch gewaltig herum durch recht langweilige Wohnviertel, fanden aber schließlich doch einen bunten, recht hübsch aussehenden Tempel, den Lakshmi-Narayan Tempel. Dieser auffällige Tempel im Westen des Connaught-Place wurde erst 1938 von dem Industriellen Birla erbaut. Er ist dem Gott Vishnu und seiner Gefährtin Lakshmi geweiht. Lakshmi ist die Göttin des Wohlstandes. Auffallend die vielen Hakenkreuze an diesem Tempel, das Symbol des sich drehenden Sonnenrades.
Ein freundlich Küster, Tempeldiener oder so was führte uns durch den Tempel, in dessen Garten eine etwas größere Schulklasse aufhielt, so ungefähr 16 jährige Jungs, bei denen wir großes Hallo hervorriefen und die alle dringend und wichtig ihr Englisch erproben wollten.
Mit einem Umweg über das Hotel spazierten wir dann noch mal zum Janpath, suchten und fanden das Air India Büro und Bhati und bestätigten unseren Rückflug. Bhati zeigte uns dann den Palika Basar, ein Markt unter dem Connaught Place, wo wir eine Kleinigkeit aßen, die Kostprobe einer scharfen Soße endete in einem Hustenanfall.

Blick aufs Rote Fort Delhi Im Roten Fort

Anschließend fuhren wir mit eine Motorrikscha nach Old Delhi. Dort herrschte dann doch das erwartete indische Gewusel, aber wir wollten nun doch erst mal das Rote Fort besichtigen, wo wir dann auch unsere Schulklasse aus dem Lakshmi-Narayan-Tempel wiedertrafen, und mit großem Hallo begrüßt wurden.
Die aus rotem Sandstein errichteten Mauern des Roten Fort erstrecken sich über eine Gesamtlänge von 2,5 km. Die Mauerhöhe beträgt 18 m an der Fluss-Seite und 33 m an der Stadtseite. Begonnen wurde dieses massive Bauwerk im Jahr 1638 unter Shah Jahan und wurde 1648 fertiggestellt. Shah Jahan verließ allerdings nie endgültig seine vorherige Residenz in Agra, denn er war dort bis 1653 mit dem Bau des Taj Mahal beschäftigt, wurde 1658 von seinem Sohn Aurangzeb entthront und im Fort von Agra gefangen gehalten.

Im Roten Fort Im Roten Fort

Das Rote Fort stammt aus der Blütezeit der Mogulherrschaft, aber diese Blütezeit währte nicht sehr lange. Es war Aurangzeb, der als erster und zugleich letzter bedeutender Mogul vom Roten Fort aus regierte. Heute ist das Fort eines jener typischen indischen Plätze, wo sich unzählige Möchtergern-Führer aufhalten und sofort auf jeden sich nähernden Touristen einreden, um ihre Dienste anzubieten. Trotzdem ist es eine Oase der Ruhe, sobald man die belebten Straßen von Old Delhi hinter sich gelassen hat und das Fort betritt.
Das Haupttor des Fort (Lahore Gate) wurde so benannt, weil es in Richtung Lahore, im heutigen Pakistan, liegt. Nach dem Tor findet man sich unter einer gewölbten Arkade wieder, wo heute kleine Läden angesiedelt sind. In früheren Zeiten war dies der Meena-Bazar, das Einkaufszentrum der Hofdamen. Die Arkaden führen in den Naubat Khan, ehemals Podium für Musikanten, heute aber nur noch ein offener Garten.
In der "Halle der öffentlichen Audienzen" (Diwan-i-Am) nahm früher der Herrscher Klagen und Bitten seiner Untertanen entgegen, Der Alkoven in der Wand, Platz des Herrschers, war mit Marmor eingefasst und mit wertvollen Steinen besetzt.
Die "Halle der privaten Audienzen" (Diwan-i-Khas) behielt sich der Mogul für private Zusammenkünfte vor. Das Prunkstück dieser Halle war damals der sagenhafte Pfauenthron, den Nadir Shah 1739 als Beutestück in den Iran mitnahm. Dieser Thron aus massivem Gold war durch prächtige Pfauen aus eingelegten Edelsteinen verziert, zwischen den Pfauen befand sich ein aus einem riesigen Smaragd geschnitzter Papagei. Als dann im Jahr 1760 die Marathen auch noch die Silberdecke der Halle abmontierten, blieb nur ein schwacher Abglanz dessen, was diese Halle einmal in Glanzzeiten darstellte. An den Wänden der Halle ist der persische Spruch zu finden: "Wenn es ein Paradies auf Erden gibt, dann ist es hier, dann ist es hier, dann ist es hier".
Gleich neben der Diwan-i-Khas sind die königlichen Bäder, drei große Räume mit Kuppeldächern und einem Brunnen in der Mitte.
Neben den Bädern befindet sich die von Aurangzeb 1659 erbaute Perlenmoschee (Moti Masjid). Als Baumaterial diente wertvoller Marmor.

unterwegs in Delhi unterwegs in Delhi

Laut Reiseführer sollte es in Old Delhi das Restaurant Moti Mahal geben, in dem es das beste Tandoori-Chicken von ganz Indien geben sollte, und wir wollten es probieren. Wir fanden das Lokal auch, waren aber die einzigen Gäste. Das sprach eigentlich nicht für das Restaurant, wir blieben aber trotzdem und es lohnte sich tatsächlich. Das Huhn war köstlich, wahrscheinlich waren wir einfach noch zu früh.
Den Abend beschlossen wir in der Hotelbar.

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Dienstag 17.12.1985

Um 9:00 begann unsere Stadtrundfahrt und endete um 13:00. Folgende Besichtigungspunkte waren im Programm:
Das Jantar Mantar ist einer der vielen Observatorien, die der Maharadscha Jai Singh II. erbauen ließ. Der Herrscher von Jaipur erbaute diese lachsfarbenen Observatorien im Jahr 1724. Eine riesige Sonnenuhr, die unter der Bezeichnung "Prince of Dials" bekannt ist, zieht das Augenmerk der Besucher besonders auf sich. Man kann sich aber auch noch allerlei astronomisches Gerät anschauen, dessen Bedeutung uns allerdings verborgen blieb.

Jantar Mantar im Morgennebel Jantar Mantar im Morgennebel

Laxmi-Narayan-Tempel: Dieser auffällige Tempel im Westen des Connaught-Place wurde erst 1938 von dem Industriellen Birla erbaut. Er ist dem Gott Vishnu und seiner Gefährtin Laxmi geweiht. Laxmi ist die Göttin des Wohlstandes. Auffallend die vielen Hakenkreuze an diesem Tempel, das Symbol des sich drehenden Sonnenrades.
Qutab Minar Der Komplex Qutab Minar liegt 15 km entfernt von Delhi. Alle Bauten stammen aus der Anfangszeit der moslemischen Herrschaft über Indien und sind gute Beispiele afghanischer Architektur. Mit dem Bau der Moschee Qutab Minar wurde sofort nach der Unterwerfung des letzten Hindu-Königreiches von Delhi im Jahr 1193 begonnen. Stolze 73 m ragt das Minarett empor. Der Turm besteht aus fünf Stockwerken, jedes klar erkenntlich durch einen vorspringenden Balkon. Die ersten drei Stockwerke sind aus rotem Sandstein errichtet, der vierte und fünfte Stock aus Marmor und Sandstein. Qutab-ud-Din Aibak, ein befreiter türkischer Sklave und Heerführer des Eroberers Mohammed von Ghur, begann zwar mit dem Bau des Qutab Minar, erlebte aber nur die Fertigstellung des ersten Stockwerks mit. Sein Nachfolger baute das zweite und dritte Stockwerk, im Jahr 1368 fügte Feroz Shah Tughlaq die obersten zwei Etagen hinzu. Mittlerweile steht dieser ausnehmend schöne Turm etwas schief, hat aber all die Jahrhunderte erstaunlich gut überstanden. Allerdings ist es nicht mehr gestattet, den Turm zu besteigen.
Qutab Minar Zu Füßen des Qutab Minar steht Indiens älteste Moschee, die Qurwat-ul-Islam-Moschee ("Macht-des-Islam-Moschee"). Im Jahr 1187 begann Qutab-ud-Din mit dem Bau, sie mußte aber in den folgenden Jahrhunderten viele Um - und Anbauten über sich ergehen lassen. Die ursprüngliche Moschee stand auf den Grundmauern eines Hindutempels. Eine Inschrift über dem Osteingang besagt, dass man zum Bau die Überreste von "27 götzendienerischen Tempeln" verwendete. In den Jahren 1210-20 wurde die Moschee von einem Klosterhof umgeben, um 1300 wurde ein weiterer Hof im Osten angefügt mit dem prächtigen Alau Derwaza Tor.
Im Innenhof der Moschee ragt eine eiserne Säule 7 m in die Höhe. Dort hatte sie ihren Platz schon lange bevor der Bau der Moschee begonnen wurde, ihe genaue Herkunft und Entstehung ist jedoch nicht bekannt. Auch die Art der Herstellung bzw. der Zusammensetzung des Materials ist nicht bekannt, denn die Reinheit des verwendeten Eisens ist außergewöhnlich. Kein Wissenschaftler fand bis jetzt heraus, wie es damals möglich war, ein solch reines Eisen das auch nach über 2000 Jahren noch nicht gerostet ist, zu gewinnen und zu verarbeiten. Glaubt man einer Sage, dann geht jedem, der die Säule mit dem Armen rückwärts umfassen kann, das Glück nie verloren.
Auf dem Gelände ist auch noch das Alai Minar zu sehen, es wurde zur gleichen Zeit wie das Qutab Minar von Ala-ud-Din begonnen. Dieses zweite Minarett sollte doppelt so hoch werden wie das erste. Zum Zeitpunkt seines Todes war es schon bis auf eine Höhe von 27 m gewachsen. Ein zweiter so mutiger Bauherr fand sich jedoch nicht zur Vollendung dieses hochgegriffenen Projekts bereit. So steht dieses Minarett immer noch unvollendet nördlich des Qutab Minar und der Moschee.
Das Grabmal des Safdarjang: Neben dem kleinen Flughafen Safdarjang, auf dem der Sohn von Indira Gandhi 1980 bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam, liegt das Grabmal des Safdarjang. Der Nabob von Oudh ließ es 1753-l54 für seinen Vater Safdarjang erbauen. Dieses Bauwerk ist eines der letzten Beispiele für die Architektur der Mogulzeit, bevor dann später alles zusammenbrach.

Das Grabmal des Safdarjang Das Grabmal des Safdarjang

Präsidenten-Palast Rashtrapati Bhavan: Dies ist die offizielle Residenz des Präsidenten von Indien. Sie liegt auf dem Raisini Hill und wurde erst 1929 fertiggestellt. Zu dem palastähnlichen Haus gehört ein eleganter Mogulgarten, der 130 Hektar groß ist. Vor der Unabhängigkeit Indiens wohnte hier der letzte Vizekönig, Lord Mountbatton.
Als wir von unserer Stadtrundfahrt zurückkehrten, wartete Bhati im Hotel auf uns und wir nahmen die Aktion Fahrkarte kaufen in Angriff. Dank Bhatis Hilfe war es eigentlich überhaupt nicht schwierig.

Viele Inder in Old Delhi Old Delhi

Anschließend ging's nochmal nach Old Delhi, diesmal mit Bhatis Begleitung. Zunächst gab es einen Süßkramladen, der die köstlichsten Süßigkeiten der Stadt verkaufte, Bhati kaufte einen ganzen Karton voll, ich durfte mal kosten und fand es ziemlich scheußlich. Dann bummelten wir den Chandni Chowk entlang und bogen hier und da in kleine Seitengassen ab, mit so winzigen Läden, wie ich sie noch nie gesehen hatte. An einem der kleinen Lädchen wollte ich fotografieren, Bhati fragte, ob es erlaubt sei, es war erlaubt, nur leider hatte es nicht den gewünschten Effekt, denn alle stellten sich in Positur und vorbei war es mit dem Schnappschuß.
Unser Abendessen nahmen wir wieder im York' s Restaurant ein, es war wieder vorzüglich.

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Mittwoch 18.12.1985 und Donnerstag 19.12.1985

Gleich nach dem Frühstück packten wir unseren Krempel und machten uns dann auf den Weg ins Eisenbahnmuseum. Der Rikscha-Fahrer, ein Sikh, wollte plötzlich bei unserer Ankunft einen 50 %igen Aufschlag auf den Fahrpreis erheben und rechnete 26 Rupien aus (50% von 13,90), gab sich dann aber schließlich mit 20 Rs. zufrieden.

Im Eisanbahnmuseum Im Eisanbahnmuseum

National Rail (Eisenbahn-Museum): Wer ein Anhänger der faszinierenden Lokomotiven Indiens ist, kommt in diesem Museum voll auf seine Kosten. Zu der Sammlung gehört eine alte Dampflokomotive aus dem Jahr 1855, die immer noch betriebsbereit ist. Auch für Nicht- Eisenbahnfans ist es sehr sehenswert, ein sehr saubere und ordentlich gepflegte Anlage.
Für die Rückfahrt erwischten wir einen sehr netten Rikscha-Fahrer, der uns unbedingt noch etwas zeigen wollte, und so fuhren wir noch zu Humayuns Tomb

Humayuns Grab Sikh Tempel bei Humayuns Grab

Das Grabmal des Humayun: Südöstlich vom India Gate befindet sich das Grabmal des 2. Moguls Humayun, dass im Auftrag seiner Frau Haji Begum 1565, neun Jahre nach seinem Tod vollendet wurde. Der Bau aus rotem und gelbem Sandstein ist quadratisch und ist von einer 43 m aufragenden Marmorkuppel gekrönt. Man sagt, das es als Vorlage für den Bau des Taj Mahal diente. Auch Humayuns Frau ruht in diesem Grabmal. Im Garten befinden sich noch weitere Gräber u.a. das des Friseurs von Humayun.
Unser Rikscha-Fahrer hatte auf uns gewartet und wir fuhren noch mal nach Old Delhi. Wir bummelten durch die Gassen, machten einen Abstecher zur großen Moschee, der Jami Masjid, die aus rotem Sandstein von die Shah Jahan erbaut wurde, der sie nach sechsjähriger Bauzeit und einem Kostenaufwand von 1 Mio. Rupien 1650 einweihen konnte. Sie liegt nur knapp 1 km südöstlich des Roten Fort und ist eine der größtem Moscheen Indiens. Durch ihre Platzierung auf einen kleinen Felsen wirkt sie noch eindrucksvoller, als sie es mit den 40 m hohen Minaretten ohnehin schon ist. Eine breite Freitreppe führt zu ihr empor. Dreht man sich um, hat man einen eindrucksvollen Blick auf das Rote Fort. Hinter dem gewaltige Eingangstor befindet man sich im 90 * 90 m großen Innenhof, der über 20000 Gläubigen Platz bietet.

Old Delhi Old Delhi

Nach einem etwas längeren Marsch landeten wir schließlich am Bahnhof, von wo aus wir uns dann wieder eine Motor-Rikscha zurück zum Hotel nahmen. Bhati stand schon vor dem Hotel und wartete auf uns, wir wollten allerdings erst mal was trinken und dann etwas essen. Im York's gab es noch nichts richtiges, nur irgendwelche Snacks. Bhati führte uns zum Delikatessenladen vom Connaught Place, Wenger's und kaufte dort für uns eine riesiges Lunchpaket für unsere Zugfahrt. Da es doch nirgendwo was zu essen gab, fuhren wir erst mal zum Bahnhof. Dort sauste Bhati von Schalter zu Schalter und besorgte Bettzeug für uns, ich nehme an der richtige Geldschein an der richtigen Stelle zu richtigen Zeit hatte das Bettzeug für uns herbeigezaubert, im Bahnhofsrestaurant aßen wir dann doch noch etwas.
Wir stiegen in unseren Zug, unser Abteil fanden wir auch mit Bhati's Hilfe sicherlich etwas leichter, es stehen zwar die Namen der Reisenden draußen am Waggon angeschrieben, aber leider nur in deren Schrift.
Wir hatten zwei Betten übereinander in einem Vierbettabteil, die zwei Mitreisenden waren schon da. Zwei männliche Inder, die uns das Gefühl vermittelten, dass wir störten. Bhati fuhr noch bis Ghaziabad mit uns mit, als er dort ausstieg und dem abfahrenden Zug und uns hinterherwinkte, wirkte er etwas verloren, er hatte wohl auch etwas Bedenken uns nun so alleine losziehen zu lassen.

auf der Fahrt nach Varanasi auf der Fahrt nach Varanasi

Unsere Mitreisenden hatten es nun sehr eilig ins Bett zu kommen und zogen sich mit viel Gewurschtel unter einem Lappen aus, den sie dann anbehielten. Sie waren dann nun beide im Bett lasen zwar noch etwas und wir saßen etwas dumm rum, es war schließlich erst kurz vor 23 Uhr. Aus Langeweile machten wir uns über das Lunchpaket her, die Sandwiches waren recht lecker. An irgend einem Bahnhof hielten wir noch ein Schwätzchen mit ein paar Studenten, die auf dem Bahnsteig standen und sich neugierig um unser Fenster versammelten. Wir entschlossen uns dann , es auch mal mit Schlafen zu versuchen, das Bettzeug war zwar etwas unappetitlich, aber ohne wäre ich erfroren. Es war auch so ziemlich kalt, feucht und außerdem zu laut, an viel Schlaf war nicht zu denken.
Um 6:00 knipsten unsere Bettnachbarn das Licht an, standen mit viel Getöse auf und hantierten geräuschvoll mit ihrem Bettzeug, das war wohl die Rache, weil sie sich am Abend gestört gefühlt hatten. In Lucknow stiegen unsere unfreundlichen Reisegenossen grußlos aus, und wir hatten das Abteil für uns alleine, es stieg auch niemand mehr zu.
Irgendwann kam ein Wichtiger, der wohl für das Bettzeug zuständig war, legte es umständlich, aber sehr ordentlich zusammen, damit auch der nächste wenigstens ein wenig den Eindruck von frischer Bettwäsche gewinnen sollte.
Die Bahnfahrt war sehr schön, zog sich dann allerdings doch etwas in Länge. Um14:30 waren wir pünktlich in Varanasi.
Wir nahmen ein Zimmer im besten Hotel den Stadt, dem Clarks, sehr schöne Zimmer und wir konnten endlich duschen und den Bahnstaub loswerden. Wir machten noch eine kleine Runde in Hotelnähe, aber es wurde dann auch bald dunkel, und die Gegend war nicht sonderlich interessant. Das Abendessen nahmen wir im Hotelrestaurant ein, es war vorzüglich.

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letzte Änderung: 20.11.2017 · Copyright © 2003 - 2017 by Angelika Rosenzweig