Flagge Indien

Reisebericht Nordindien 1986
Bombay

Flagge Indien

Sonnabend 04.01.1986

Indienkarte Karte mit Bombay Unser Flug nach Bombay war pünktlich, gegen 10:30 waren wir im Hotel Apollo. Wir ergründeten die nähere und etwas weitere Umgebung unsers Hotels, nachfolgend sind die by the way gefundenen Sehenswürdigkeiten beschrieben.
Die Beschreibung der Sehenswürdigkeiten Bombays ist mit freundlicher Genehmigung des Verlages Reise Know How einem Reisebuch dieses Verlages entnommen: Indien, der Norden von Thomas Barkemeier, erschienen 1994 im Peter Rump Verlag.
siehe auch www.reise-know.de
Gateway of India: In der Zeit, als die meisten Indienreisenden noch auf dem Seeweg ankamen und Bombay noch Indiens wichtigster Hafen war, traf die Bezeichnung Gateway of India (Tor nach Indien) im wahrsten Sinne des Wortes zu. Heute ist es lediglich noch Bombays Wahrzeichen. Geboren wurde die Idee zum Bau eines derartigen Tores anlässlich des Besuches von König George V. im Jahr 1911. Offiziell fertiggestellt und seiner Bestimmung übergeben wurde der 26 Meter hohe Triumphbogen jedoch erst 1924. Architektonisch ist es ein konventioneller Triumphbogen mit Elementen, die auf den moslemischen Stil des 16. Jahrhunderts von Gujarat zurückgehen.
Als Material diente gelber Basalt. Er steht an exponierter Stelle auf dem Apollo Bunder. Das ist Bombays abendlicher Treffpunkt. Im kleinen angrenzenden Park steht das Reiterstandbild des Marathenfürsten Shivaji (1627-1680), der zum Führer des Widerstandskampfes gegen die Mogul-Herrscher aufstieg und noch heute als Idol nationaler Eigenständigkeit verehrt wird.

Gateway of India Taj Hotel Intercontinental

Taj Mahal Intercontinental: Überragt wird das Gateway vom renommiertesten Hotel Indiens, dem Taj Mahal Intercontinental. Bauherr war der indische Industrielle J.R. Tata, der sich, nach dem man ihm den Zugang zu einem Hotel mit dem Hinweis "For Europeans only" verweigert hatte, kurzerhand entschloss, das beste Hotel Bombays zu errichten. Das Vorhaben ist ihm mehr als gelungen. Die Luxusherberge mit ihren unzähligen Restaurants und Bars, Swimmingpool, Fitness Club und Business Center ist nicht nur das berühmteste Hotel Indiens, sondern weltweit eines der besten überhaupt. Dem Charme des 1903 eröffneten Gebäudes konnte auch der Bau des 1973 hinzugefügten zwanziggeschossigen Erweiterungsbaus nichts anhaben. Allerdings hat dadurch das unmittelbar davor platzierte Gateway of India viel von seiner einst imposanten Ausstrahlung eingebüßt.
Colaba Causeway: Folgt man der vom Gateway of India nach Nordwesten verlaufenden Chetrapati Shivaji Marg, gelangt man nach knapp 100 Metern zu einem Platz, dem Wellington Circle. Die von hier nach Süden abzweigende Shahid Bhagat Singh Road (bekannter unter ihrem früheren Namen Colaba Causeway) entwickelt sich vernehmlich nach Sonnenuntergang, wenn hier unzählige Straßenhändler auf den eh schon schmalen Bürgersteigen ihre Verkaufsstände aufbauen, zu einem viel besuchten Night Market. Das Angebot ist stark auf den Touristengeschmack zugeschnitten, und die Preise sind bei weitem nicht so günstig, wie es einem die cleveren Verkäufer weis machen wollen. Die bunte Mischung aus Restaurants, Kneipen, Geschäften, Straßenverkäufern und Touristen aus aller Welt macht den Colaba Causeway zu einem der beliebtesten Einkaufs- und Flanierboulevards der Stadt.

Irgendwo in Bombay Irgendwo in Bombay

Prince of Wales Museum: Nur wenige Meter nordwestlich von Wellington Circle befindet sich der Eingang zu dem in einem Park gelegenen Prince of Wales Museum. Das 1923 eröffnetet Gebäude zählt neben dem Indian Museum in Kalkutta und dem National Museum in Delhi zu den drei bedeutendsten Museen des Landes.
Der im Indo-sarazenischen Stil errichtete Bau beherbergt u.a. einen Textil und Waffensammlung, Elfenbeinschnitzereien und eine kleine Abteilung nepalesischer Kunst. Berühmt sind vor allem die ausgestellten Miniaturmalereien sowie die archäologische Abteilung. Die vielen kunsthistorischen Epochen werden auf speziellen Hinweisschildern fachkundig eingeführt, und die Ausstellungsstücke machen fast durchweg einen gepflegten Eindruck.
Victoria Terminus Universität: Folgt man der am Museum entlang führenden Mahatma Gandhi Road Richtung Norden, steht auf der linken Seite die 1874 vom englischen Architekten Sir Gilbert Scott im französischen Stil erbaute Universität. Der imposante Prachtbau wird von dem sich 80 Meter hoch über der Universitätsbibliothek erhebenden Rajabai Turm überragt. Zu Zeiten der britischen Kolonialherrschaft wurde in dem Uhrturm viermal pro Tag „God save the Queen gespielt. Direkt neben der Universität schließt sich der 1879 in venezianischem und neogotischen Mischstil errichtet Bau des Obersten Gerichtshofes (High Court) mit seiner 170 Meter langen Fassade an.
Flora Fountain: Die Mahatma Gandhi Road öffnet sich nun zu einem länglich ovalen Platz. Wegen seiner zu Ehren des von 1862 bis 1867 in Bombay regierenden Gouverneurs Sir Bartle Frere in der Mitte in Form einer Blume platzierten Wasserfontäne hieß der Ort zunächst Flora Fountain. In Erinnerung an die Opfer des Kampfes um einen unabhängigen Bundesstaat Maharasthra benannte man ihn in den sechziger Jahren in Hutatma Chowk (Märtyrerplatz) um. Im Volksmund ist er allerdings wegen der vielen hier ansässigen Banken und internationalen Firmen auch unter dem Namen Picadilly Circus bekannt.
Victoria Terminus: Folgt man von Flora Fountain der Dadabhai Naoroji Road entlang weiterer schöner Kolonialbauten, gelangt man nach etwa einem Kilometer in Richtung Norden zum stets menschen- und autoüberfüllten Nagar Chowk. Optisch beherrscht wird er vom Victoria Terminus, einem der meistbenutzten und architektonisch beeindruckendsten Bahnhöfe der Erde. Der über und über verzierte braune Sandsteinbau aus dem Jahre 1888 gilt als der schönste Bau viktorianischer Gotik in Indien. Nur knapp 100 Meter östlich des Victoria Terminus schließt sich das nicht minder beeindruckende Hauptpostamt (GPO) an.
Rathaus: Gegenüber vom Victoria Terminus liegt das Rathaus. Der im Orientalisch-gotischen Mischstil erbaute Prachtbau wirkt mit seinem 71,5 m hohen Turm ebenso imponierend wie das Bahnhofsgebäude. Den Mittelgiebel des Rathauses krönt in 40 Meter Höhe eine Frauenstatue.

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Sonntag 05.01.1986

Um die Stadt in der kurzen Zeit ein wenig kenne zu lernen hatten wir die große ganztags Stadtrundfahrt gebucht mit nachfolgenden Besichtigungen:
Nariman Point: Steht das Gateway of India für die Kolonialgeschichte Bombays, so spiegeln die Glitzerfassaden der Luxushotels und Verwaltungsgebäude am Nariman Point die nachkoloniale Erfolgsgeschichte Bombays. Auffälligstes Gebäude diese Manhattan Bombays, wie es stolz genannt wird, ist das Oberoi, ein Superluxushotel, welches mit seinen beiden Türmen den Himmel von Bombay beherrscht.

Marine Drive Touristen am Chowpatty Beach

Marine Drive: Etwas weiter südlich entlang des Marine Drive, der imponierenden sechsspurigen Küstenstraße, findet sich das moderne Air India Hochhaus. Im Frühjahr 1993 wurde es durch einen von insgesamt 6 Sprengsätzen, die innerhalb nur weniger Minuten im Stadtzentrum explodierten, erheblich beschädigt. Alle Prachtbauten entlang der Marine Drive oder Netaji Subash Chandra Bose Marg, wie Bombays berühmteste Promenadenstrasse heute heißt, seit sie in den achtziger Jahren umbenannt wurde, stehen auf einer Landmasse, welche erst 1940 künstlich aufgeschüttet wurde.
Chowpatty Beach: Von hier ist es nicht mehr weit zum Chowpatty Beach, die sich in einem Halbbogen zwischen Marine Drive und Meer erstreckt. Sonnenanbeter und Wasserratten sind hier allerdings fehl am Platz, da der Strand ebenso wie die See gleichermaßen verdreckt sind. Dafür ist Chowpatty besonders gegen Abend, vor dem Hintergrund der hell erleuchteten Skyline Bombays , ein stimmungsvoller Ort, an dem sich Hunderte von Indern einfinden, Erfischungsstände, Karussells und Gaukler vertreiben ihnen die Zeit. Historische Bedeutung erlangte Chowpatty, weil hier während des indischen Unabhängigkeitskampfes viele der großen Demonstrationen stattfanden, an denen mehrere hunderttausend Menschen beteiligt waren.
Auch heute noch wird er von den Parteien als Schauplatz ihrer Wahlveranstaltungen genutzt.

Blick auf Bombay unterwegs in Bombay

Malabar Hill: Der Marine Drive setzt sich, hinter Chowpatty nach Westen abbiegend, in der Walkeshwar Road fort, die über die steil aufsteigende Bal Gangadhar Kher Marg zum Malabar Hill führt, eine Landzunge, die wie ein Daumen ins Meer hinausragt. Malabar Hills ist so was wie das Beverly Hills Bombays, da hier in frischer Seebrise die oberen Zehntaausend der Stadt ihren Reichtum mit herrschaftlichen Villen zur Schau stellen.
Die besten Ausblicke auf Chowpatty und Marine Drive bieten die auf der Spitze des Berges gelegenen Hanging Gardens und der Kamala Nehru Park. Der 1952 angelegte Park ist eine Art Freizeitpark für Kinder und wurde nach der Frau des ersten Ministerpräsidenten benannt.
Hanging Gardens und Türme des Schweigens: Die direkt gegenüber dem Nehru Park gelegenen Hanging Gardens gewähren einen Blick in Richtung der Türme des Schweigens, jenem Bestattungsort, wo die Parsen ihre Toten den Vögeln zum Fraß vorlegen. Die in der Luft kreisenden Geier sind allerdings das einzige, was man von der Bestattungszeremonie zu Gesicht bekommt, da die Türme selbst durch dichte Bäume vor den neugierigen Blicken Fremder verdeckt sind. Ein Modell kann im Prince of Wales Museum besichtigt werden. Die Bestattungsmethode geht darauf zurück, dass die Reinheit der Elemente, das ist das oberste Gesetz der Parsen, nicht durch die Bestattung von Toten in der Erde oder ihre Verbrennung beschmutzt werden soll.
Victoria Gardens, Zoo und Victoria and Albert Museum: Vor allem am Wochenende sind die gepflegten, weitläufigen Victoria Gardens im Norden vom Central Bombay mit dem sich auf dem Areal befindlichen Zoo ein beliebtes und dementsprechend überlaufenes Ausflugsziel. Der Zoo beherbergt u.a. Tiger, Leoparden, Elefanten, Affen und Zebras. Allerdings sollte man nicht mit seinen europäischen Maßstäben in diesen Zoo gehen, die armen Tiere werden in sehr kleinen Käfigen gehalten, von artgerechter Tierhaltung weit entfernt, es wirkt mehr wie Tierquälerei. Das Viktoria und Albert Museum befindet sich ebenfalls auf dem Gelände und lohnt u. a. wegen einer anschaulichen Fotoausstellung zur Stadtgeschichte Bombays.

Kanheri Höhlen Kanheri Höhlen

Kanheri Höhlen: Im Krishnagiri Upavan Nationalpark (etwa 42 km von Bombay entfernt) befinden sich die Kanheri Höhlen und die Seen, die einen Großteil der Wasserversorgung von Bombay sicherstellen. Es sind 109 buddhistische Höhlen, die aus dem 2. 9. Jahrhundert n. Chr. stammen. Von all den Höhlen sind jedoch nur einige Interessant. Zu ihnen gehört die Höhle Nr. 3, die große Chaityahöhle. Sie besitzt eine lang Kolonnade von Säulen um die Dagoba im hinteren Teil der Höhle.
Juhu: Nahe bei Bombays Flughafen Santa Cruz liegt, 18 km nördlich, die Stadt Juhu. Dort findet man den der Stadt am nächsten gelegenen Strand mit einigen echt noblen Hotels. Das Schwimmen sollte man jedoch in Juhu besser wegen der Abwässer unterlassen. Während es wochentags dort relativ ruhig ist, tummeln sich an den Wochenenden Esel, Kamele, tanzende Affen, Akrobaten und andere Unterhalter am Strand von Juhu.

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Montag 06.01.1986

An unserem vorletzten Tag war jetzt der Ausflug zur Insel Elephanta geplant. Die Insel Elephanta liegt etwa 10 km nördlich vom Apollo Bunder. Ihren Ruf verdankt sie den vier aus dem Fels gehauenen Tempeln. Sie sind zugleich Bombays Haupttouristenattraktion. Man nimmt an, dass sie aus den Jahren 450.750 n. Chr. Stammen. Damals hieß die Insel noch Gharapuri, die Festungsstadt. De Portugiesen tauften sie aber in Elephanta um, weil unmittelbar am Landungsplatz ein riesiger Elefant aus Stein stand. Diese Figur stürzte leider 1814 in sich zusammen. Die einzelnen Stücke brachte man in die Victoria Gardens von Bombay und setzte sie 1912 wieder zusammen. Leider missachteten die Portugiesen andere Religionen auch auf der Insel und beschädigten die Skulpturen in ganz erheblichen Maße. Eine Treppe führt von der Anlegestelle zu den Tempeln. Wer die Mühe des Aufstiegs nicht auf sich nehmen will oder kann, dem stehen Sänften zur Verfügung.

Elefanta Elefanta

In dem einen Haupttempel sind einige Paneele, alle Shiva geweiht, sowie ein separater Lingam Schrein zu sehen. Zu den interessantesten Paneelen gehört die des Trimurti, des dreiköpfigen Shiva. Mit dieser Darstellung übernimmt er auch die Rolle von Brahma, dem Erschaffer, und von Vishnu, dem Erhalter. In anderen Paneelen erscheint Shiva mit beiden Geschlechtern in einer Person, auf diesen Abbildungen ist eine Seite weiblich und die andere männlich dargestellt. Ferner finden sich auf Elephanta Figuren von Shiva und seiner Frau Parvati sowie Darstellungen ihrer Hochzeit. In einer anderen Skulptur tanzt Shiva den Tandava, das ist der Tanz, der die Erde erschüttern lässt. Zu den schönsten Paneelen gehört die Darstellung des Ravana, bei der er den Kailasa schüttelt.
Der Dämonenkönig von Lanka hatte sich vorgenommen, Shiva und seine Gefährtin wegzutragen. Dies sollte dadurch geschehen, dass er ihre Heimat im Himalaya, den Berg Kailasa verschieben wollte. Parvati wurde von einer panischen Angst befallen, als sie das energische Rütteln bemerkte, mit dem der Dämonenkönig den Berg loslösen wollte. Shiva, der alles überblickte, drückte jedoch den Berg gelassen mit einem Zeh fest an die Erde und begrub dabei Ravana für 10.000 Jahre.
Die Überfahrt dauert normalerweise etwa eine Stunde, aber auf etwa der Hälfte der Strecke ging von unserem Schiff der Motor kaputt und so warteten wir auf "hoher See" auf das nächste Schiff, auf das wir dann im fliegenden Wechsel umsteigen mussten, obwohl es eigentlich auch schon voll war.
Nach Elephanta war nur noch Einkaufsbummel und herumlaufen angesagt. An diesem unserem letzten Tag leisteten wir uns im Taj Hotel ein Essen und ein Bier und sahen uns eine Tanzveranstaltung für Touristen an, die aber trotzdem hübsch anzusehen war.

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Dienstag 07.01.1986 - Mittwoch 08.01.1986

Über den Dienstag gibt es eigentlich nichts besonderes mehr zu berichten, außer dass wir den ganzen Tag durch die Stadt bummelten.

Tourist am Gateway Blick aus dem Flieger

Am Mittwoch um 8:00 ging unser Flieger pünktlich, wir landeten noch in Delhi und dort stieß auch Familie Bhatnagar wieder zu uns.

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letzte Änderung: 17.04.2016 · Copyright © 2003 - 2017 by Angelika Rosenzweig